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Familiensport : Mein Coach ist mein Sohn

  • -Aktualisiert am

Ihre eigenen Kinder als Gewicht einsetzen, das hält Eltern fit. Bild: Getty

Eltern von kleinen Kindern haben oft keine Zeit für Sport. Die Lösung heißt: gemeinsam trainieren. Das fördert die Gesundheit aller. Nur wie soll das klappen?

          Sport gehört zu ihrem Leben. Für Christo Foerster aus Hamburg genauso wie für Andreas Lober aus München, beide in den Dreißigern. Der eine, diplomierter Sportwissenschaftler, mit einem Faible für Klettern, Crossfit und alles, was mit natürlicher Bewegung zu tun hat, der andere Betriebswirt und viele Jahre lang aktiver Leichtathlet. Zum Leben der beiden gehören seit einigen Jahren auch ihre Kinder. Wie viele berufstätige Eltern standen sie nach deren Geburt vor der Frage, wie sie Zeit mit der Familie verbringen und trotzdem trainieren können. Die meisten Eltern bekommen den Spagat nicht hin: Neun von zehn Müttern und Vätern treiben nie oder weniger als einmal die Woche Sport. Nicht so die Väter Foerster und Lober. Sie trainieren nach wie vor - gemeinsam mit ihren Kindern.

          Von den Babys kennt man das: Die liegen auf der Fitness-Matte oder im Babyjogger, während Mama im Fitness-Kurs schwitzt oder Papa laufen geht. Das funktioniert so lange, bis die Kleinen selbst die Welt entdecken wollen. Und dann? Wie schafft man es, zusammen mit den Kleinen zu trainieren?

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          Das Naheliegende für viele ist Joggen, während der Nachwuchs Fahrrad oder Laufrad fährt. Aber mal ehrlich: Wirklich bewegen tut man sich als Erwachsener dabei nicht. Dafür gibt es für die Kinder am Wegesrand viel zu viel zu entdecken. Und dass die Kleinen selbst laufen, schafft man auch nicht: „Die ganz Kleinen bekommen das mit ihren Beinchen noch nicht hin, und die etwas Größeren werden keinen Spaß daran haben“, sagt Professorin Christine Graf von der Deutschen Sporthochschule Köln, die seit Jahren in der Gesundheitsförderung von Kita- und Schulkindern aktiv ist. Auf der anderen Seite: Kinder wollen sich bewegen. Und sie haben eine gute Ausdauer. Jetzt im Sommer ist zudem die ideale Zeit, um mit ihnen draußen aktiv zu werden. Bekommt man das irgendwie zusammen, das Bedürfnis der Eltern und das der Kinder?

          Abwechslung macht es möglich

          Für einen eintönigen Dauerlauf wird man Vorschul- und Grundschulkinder nicht gewinnen können. Sorgt man für Abwechslung, kann es aber durchaus funktionieren: „Gehen Sie spielerisch ran, bauen Sie Übungen wie Balancieren ein, lassen Sie die Kinder über Hindernisse laufen oder hüpfen“, rät Graf. Wie das mit dem Spielerischen sonst noch aussehen kann, weiß Professor Theo Stemper von der Uni Wuppertal. Der Sportwissenschaftler testet nicht nur seit zwölf Jahren, wie es um die motorischen Fähigkeiten der Vorschul- und Schulkinder steht, er ist auch vierfacher Großvater. Seine Enkelkinder spielen mit ihm am liebsten Pferd. Gemeinsam sprinten sie beim Pferderennen los, springen über Hindernisse oder lassen sich gegenseitig an der Longe laufen. Um die passenden Übungen muss er sich keine Gedanken machen: „Das kommt von den Kindern. Die haben viel Phantasie. Man muss sich als Erwachsener nur drauf einlassen“, sagt er.

          Beide Professoren haben bei ihren Empfehlungen vor allem die Kinder im Blick. Gut so: Vor allem bei jüngeren Kindern ist die körperliche Entwicklung eng mit der geistigen verbunden. Und je häufiger sich ein Kind bewegt, desto selbstverständlicher wird es das auch als Jugendlicher oder Erwachsener tun. Aber wird man Erwachsenen wirklich mit „Pferdchen spielen“ gerecht? Klar, nicht jeder hat Lust, im Team zu schwitzen. Und wer sportlich sehr ambitioniert ist, zieht besser allein oder mit Gleichgesinnten los. Aber um von Bewegung zu profitieren, muss man keinen Halbmarathon laufen oder schwere Hanteln stemmen. Es reicht, den Körper aus dem gewohnten Gleichgewicht rauszuholen, einen besonderen Reiz zu setzen.

          „Das kann auch einfach bedeuten, ein Kind mal 30 Meter auf dem Arm zu tragen“, sagt Stemper. Bei jeder Bewegung wird Energie verbraucht und Herz sowie Muskeln trainiert, zudem werden hormonähnliche Stoffe produziert, die die Gefäßwände sauber halten und das Wachstum von Gehirnzellen fördern - um nur einige positive Auswirkungen zu nennen.

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