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Produkte für die „city skin“ : Wie sehr schaden Smog und Rauch unserer Haut?

  • -Aktualisiert am

Smog and the City: die schmutzige Luft wird immer mehr zum Problem, auch für unsere Haut (Symbolbild). Bild: Picture-Alliance

Neue Mittel sollen Hautschäden durch Umweltverschmutzung bekämpfen. Aber bringen Produkte für die strapazierte Großstadt-Haut wirklich etwas?

          Es gibt jetzt einen neuen Feind der Haut. Während man in den vergangenen 30 Jahren im Zuge unzähliger Aufklärungskampagnen für die schädlichen Auswirkungen des Sonnenlichts sensibilisiert wurde und Sonnenschutz als gesetzt galt, soll es nun die Umweltverschmutzung sein. Falten, Unreinheiten, Pigmentflecken sowie ein fahler Teint lassen sich demnach nicht nur auf schädliche UV-Strahlen zurückführen, sondern angeblich auch auf Feinstaub aus Autoabgasen, Industrie-Emissionen, Smog und Rauch.

          Die mikroskopisch kleinen Smog-, Staub- und Rußpartikel könnten demnach in die Poren gelangen. Studien haben zudem gezeigt, dass eine langfristige Belastung durch Umweltverschmutzung, ähnlich wie bei Sonnenlicht, freie Radikale erzeugt, die unsere Haut angreifen. „Durch jeden normalen Stoffwechselvorgang entstehen aggressive Moleküle in unserem Organismus, die man als Sauerstoffradikale bezeichnet“, sagt Volker Steinkraus, der Gründer des Dermatologikums Hamburg. „Die Entstehung dieser Sauerstoffradikale wird durch Sonne, Rauchen, schlechte Ernährung, Schlafdefizit und Stress verstärkt.“ Demgegenüber stünden „gute Moleküle“, die diese Sauerstoffradikale deaktivieren können. „Hierzu zählen Vitamine wie A, C, E, Q10“, sagt der Dermatologe. Viele dieser Radikalefänger stellt der Körper selbst her.

          Schönheitsprodukt gegen schlechte Luft: Ultracalming Cleanser von Dermalogica.

          Die Kraft von Antioxidantien

          Wie viel kann Hilfe von außen, in Form von Nahrung oder einem Pflegeprodukt für die Haut, also überhaupt bringen? Susanne Kaufmann, Gründerin der gleichnamigen Kosmetikmarke und Inhaberin eines Hotels, das sie an einem Ort betreibt, an dem die Luft gut ist, im Bregenzerwald, ist überzeugt von Vitamin C. Es sei eines der effektivsten Antioxidantien, das die Haut vor freien Radikalen, ausgelöst durch Umweltbelastungen, schütze, indem es die entzündlichen Prozesse beseitige: „Vitamin C stimuliert die hauteigenen Abwehrkräfte und macht die Entgiftungswege der Haut frei.“ Die hochdosierten Vitamin-C-, Ectoin- und Q10-Seren ihrer fünfzehntägigen Kur aus drei aufeinander abgestimmten Wirkstoffampullen sollen die Haut schützen und die körpereigenen Reparaturmechanismen ankurbeln.

          Susanne Kaufmann ist nicht die einzige, die mit ihrem Pollution Skin Defence System die strapazierte city skin im Blick hat. Auch Caudalie setzt auf die Kraft von Antioxidantien. Ihre Vineactiv-Produktlinie wurde in Zusammenarbeit mit Jean Krutmann vom Leibniz-Institut für Umweltmedizinische Forschung in Düsseldorf entwickelt. In einer Langzeitstudie hat Krutmann bewiesen, dass Luftverschmutzung Hautschäden begünstigt und nicht nur Falten, sondern auch braune Flecken verursachen kann. Eine Zusammensetzung aus Weintrauben-Polyphenolen und Fichten-Extrakt in den Produkten soll die Haut schützen. Und Nivea lanciert gleich eine ganze Serie mit Urban-Skin-Produkten. „Nicht nur Umwelteinflüsse wie Feinstaubpartikel, Stick- und Schwefeloxide, Ozon und ultraviolette Strahlung belasten die Haut“, sagt Jessica Schäfer, die für die Produktentwicklung im Bereich Gesichtspflege bei Nivea zuständig ist. „Klimatisierte Räume trocknen sie aus. Bei der Bildschirmarbeit ist man HEV-Licht – einem blauvioletten Licht mit Wellenlängen um 430 Nanometer – ausgesetzt.“ Das könne, wie auch Schlafmangel, zu erhöhtem oxidativen Stress führen und so vorzeitige Hautalterung und Unreinheiten fördern.

          Die gute Nachricht: Man muss nicht seinen gesamten Badezimmerschrank ausräumen, für Produkte, die im Sinne dieses Trends lanciert werden. Denn technisch gesehen schützen alle Pflegeprodukte mit Antioxidantien vor Umweltverschmutzung, auch wenn sie nicht explizit damit beworben werden. „Anti-Pollution-Activities liegen im Trend der Zeit, sind heute aber nicht wichtiger als vor 50 Jahren“, sagt auch der Dermatologe Volker Steinkraus aus Hamburg. „Früher konnte das Thema aber nicht so plakativ vermittelt werden.“

          Schutz für die Haut: Vineactiv-Serum von Caudalie.

          Will auch bedeuten: Umwelt war lange ein Synonym für Öko und somit nichts, womit man als Hersteller von luxuriösen Produkten in Verbindung gebracht werden wollte. Aber unter jüngeren Leuten fristet das Thema kein Nischendasein mehr, sondern wird bei Konsumentscheidungen zunehmend zu einem wichtigen Faktor. Den eigenen Körper betrachten zudem immer mehr von ihnen als Tempel, schädliche Umwelteinflüsse gilt es fernzuhalten.

          Sanft zur Haut

          Umweltverschmutzung ist dabei nicht nur in Städten wie Peking oder Delhi ein Problem. Laut einer Untersuchung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind mehr als 90 Prozent der Menschen auf der Welt verschmutzter Luft ausgesetzt. Wie es um die Luft am eigenen Wohnort steht, ist schön zu sehen auf skinpollution.com. Die Marke Dermalogica hat die Website eigens entwickelt. Da sieht man dann nicht nur, ob man einem erhöhten Risiko ausgesetzt ist, sondern auch, um welche Art von Luftverschmutzung es sich handelt.

          Wer sich und seinen Körper ernst nimmt, muss aber trotzdem nicht unbedingt auf ein Anti-Smog-Label achten, sondern sollte die Haut zunächst einmal sauber halten. Der Dermatologe Volker Steinkraus betont, wie wichtig die Reinigung des Gesichts ist, mit milden Produkten – sie irritieren die Hautbarriere nicht. Mild bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die in allen Reinigungsprodukten enthaltenen Emulgatoren sanft zur Haut sein sollen. Der Hydrolipid-Mantel, der Aggressoren von außen filtert und im Idealfall unschädlich macht, ist empfindlich. Starke Emulgatoren oder Tenside würden nicht nur reinigen, sondern aus dem Hydrolipid-Mantel der Haut auch Bausteine herauslösen. Eine Feuchtigkeitscreme mit Antioxidantien schützt tagsüber vor umweltbedingten Stressfaktoren und wirkt nächtlichen Schädigungen durch freie Radikale entgegen.

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          Nicht vernachlässigen sollte man aber auch den Sonnenschutz. Er sorgt dafür, dass die UV-Strahlung in der oberen Hautschicht gestoppt wird und sich freie Radikale nicht weiter vermehren können. Denn die sind noch immer der Hautfeind Nummer eins.

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