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Sexspielzeug aus Porzellan : „Sex wird zu oft mit Erotik gleichgesetzt“

  • -Aktualisiert am

Die „Labim“-Gründerinnen Julia Machmer (links) und Tara Lipinski Bild: Carlotta Lipka

Das muss man nicht in der Nachttischschublade verstecken: Zwei Start-Up-Gründerinnen haben Sexspielzeug aus Porzellan entwickelt. Damit wollen sie auch die Themen Sexualität und weibliche Lust enttabuisieren.

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          Frau Lipinski, Frau Machmer, Sie bringen ästhetisches Sexspielzeug aus Porzellan auf den Markt. Das klingt kalt und irgendwie auch schmerzhaft.

          Tara Lipinski: Das hören wir oft! Aber ja, wir haben zwei Dildos aus Porzellan entwickelt, die alles andere als schmerzhaft sind. Porzellan ist vergleichbar mit Glas, was ja auch schon lange ein gängiges Material bei Sexspielzeugen ist. Es ist sehr gleitfähig, tut also nicht weh und passt sich schnell der Umgebungstemperatur an. Wenn das Produkt eine passende Größe hat, ist so ein festes Material wunderbar. Jede Bewegung die ich ausübe, überträgt sich eins zu eins dorthin, wo ich sie haben will. Außerdem hat Porzellan ein angenehmes Eigengewicht.

          Julia Machmer: Porzellan hat eine ganz eigene charakteristische Ästhetik: Es ist unaufdringlich schön und wirkt sehr edel und hochwertig zugleich. Was für uns als Gestalterinnen auch noch ein großer Vorteil ist: Porzellan wird wie Silikon gegossen, wir sind also in Sachen Formen und Detailtreue sehr frei.

          Können die Produkte bei der Verwendung kaputt gehen?

          Lipinski: Nein, bei sachgemäßer Anwendung kann das nicht passieren. Wir nutzen technisches Porzellan mit einer dicken Wandstärke. Die spezielle Zusammensetzung der Bestandteile führt dazu, dass Porzellan extrem stabil ist. Man kann gar nicht so viel Kraft aufwenden, dass man es mit der Hand oder dem Beckenboden zerdrücken kann.

          Sie wollen zunächst mit zwei Produkten an den Start gehen. 

          Lipinski: Nummer Eins ist „Clara“, die zart und geschwungen ist. Mit „Clara“ kann man äußerlich punktuell stimulieren und wenn man sie einführt, kommt man durch die Bogenform sehr gut an die G-Fläche heran. Besonders ist vor allem die ausformulierte Griff-Mulde, damit man „Clara“ sehr gut greifen und bewegen kann. Und dann haben wir noch „Helen“, die länger ist und einen konischen Schaft und eine voluminöse Kugel hat. Die Form eignet sich, um die Sensibilität im Inneren der Vagina zu stärken. Hier bildet eine kleine Kugel den Griff.

          Die Dildos Helen (oben) und Clara sollen nicht nur die weibliche Lust, sondern auch zu Gesprächen über diese anregen.
          Die Dildos Helen (oben) und Clara sollen nicht nur die weibliche Lust, sondern auch zu Gesprächen über diese anregen. : Bild: Christoph Steinweg

          Warum haben Sie den Produkten Frauennamen gegeben?

          Machmer: Wir wollten leicht auszusprechende und kurze Namen, die ein freundschaftliches Verhältnis zum Produkt schaffen. Unser Ziel ist es, die Kommunikation untereinander anzuregen und zu erleichtern. Wir haben jetzt schon gemerkt, dass das sehr gut funktioniert, als wir unsere Produkte zum Testen an Freundinnen verteilt haben. Es fiel allen sehr leicht, über Helen und Clara zu sprechen.

          Hatten Sie vorher den Eindruck, dass das Sprechen über dieses Thema schwierig ist?

          Machmer: Absolut! Wir haben beide festgestellt, dass wir selbst große Probleme hatten, über unsere eigene Sexualität zu sprechen – also über unsere Bedürfnisse, Grenzen, Wünsche und Körperlichkeit. Wir sind seit vielen Jahren befreundet und haben irgendwann gemerkt, wie befreiend es ist, darüber zu sprechen und vor allem auch mal sagen zu können, was nicht gut gelaufen ist.

          Auf Ihrem Instagram-Account schreiben Sie, dass Sie einen „schönen Gegenentwurf zu herkömmlichen Sexshops“ schaffen wollen. Was hat Sie denn gestört?

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