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Naturkosmetik selbst machen : „Olivenöl, Kokosfett, und man kann loslegen“

Birkenblätter und Basilikum: Barbara Hoflacher bedient sich an dem, was in der Natur wächst – oder im Topf am Fenster. Bild: Nadja Hudovernik

Naturkosmetik ist beliebt. Aber um zu wissen, was wirklich darin enthalten ist, müsste man sie sich schon selbst backen. Geht das? Eine Expertin für Heilpflanzen gibt Auskunft.

          Frau Hoflacher, Sie leben in Innsbruck, in unmittelbarer Nähe zu den Bergen. Kann man Ihre Rezepte auch umsetzen, wenn man zum Beispiel in Duisburg wohnt?

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Pflanzen, die ich berücksichtige, kommen überall vor, Birkenblätter etwa, Beinwell oder Basilikum. Den kann man sich auf der Fensterbank ziehen. Brennnessel wächst auch in Duisburg im Park. Mein Ziel ist es, den Leuten zu zeigen, wie sie mit Mitteln, die sie häufig zu Hause haben, die sie im Lebensmittelgeschäft oder in der Natur bekommen, Produkte zubereiten können.

          Ist es Menschen, die gar keine Erfahrung mit Heilkräutern haben, überhaupt zuzutrauen, in die Natur zu gehen und dort Pflanzen für Hautpflegeprodukte zu pflücken?

          Ja, mit einigen wenigen Regeln, die man berücksichtigen sollte, ist das möglich. Anfänger können sich an Pflanzen mit hohem Wiedererkennungswert halten, Löwenzahn, Gänseblümchen, Lavendel. Und sammeln sollte man nur auf sauberen Plätzen, nicht auf Hundewiesen, überdüngten Feldern oder an Straßenrändern. Man kann auch ohne Pflanzen auskommen und ätherische Öle verwenden, wenn man möchte.

          Es braucht häufig nur Olivenöl und Kokosfett, und dann kann man schon loslegen.

          Mal abgesehen davon, dass es Spaß machen könnte, eigene Naturkosmetikprodukte zuzubereiten: Was ist der große Vorteil gegenüber industriell gefertigter Kosmetik?

          Dass man es essen kann.

          Hm . . .

          Mit Naturkosmetik hat man den Anspruch, nur Inhaltsstoffe zu berücksichtigen, die man auch essen kann. Es sind keine synthetischen Duft- oder Aromastoffe enthalten, keine Farbstoffe und Weichmacher, kein Mikroplastik und Aluminiumsalze. Um aus der Liste auf den Verpackungen konventioneller Produkte schlau zu werden, braucht man eine Lupe und einen Übersetzer.

          Wie sieht es mit Naturkosmetik aus der Drogerie oder dem Biomarkt aus?

          Naturkosmetik, die man kaufen kann, muss dem Anspruch Genüge tun, standardisiert zu sein; dazu gehört eine Haltbarkeit von drei Jahren, sonst darf sie nicht in den Handel gebracht werden. Das ist nur mit Zusatzstoffen möglich, obwohl die schon verträglicher sind als jene in konventionellen Produkten.

          Gerade deshalb ist umgekehrt die Haltbarkeit bei Naturkosmetik einer der großen Nachteile. Oft sind es geöffnet nur Wochen bis wenige Monate, denn es fehlen Parabene, Silikone und synthetische Duftstoffe. Sie sagen, die Produkte, die aus Ihren Rezepten entstehen, halten mindestens sechs Monate. Wie geht das?

          Es stimmt. Nicht jeder hat Lust oder Gelegenheit, sich einmal in der Woche sein Deo frisch anzurühren. Deshalb haben wir die Rezepte so konzipiert, dass sie mindestens ein halbes Jahr halten, manchmal auch drei Jahre. Es ist wichtig, auf Sauberkeit und Hygiene zu achten. Machen Sie lieber kleine Dosierungen, die Sie schneller aufbrauchen und die geschlossen lagern, denn sobald ein Tiegel geöffnet ist, kommen Sauerstoff und Keime hinzu. Es hilft auch, wenn man Harze dazugibt. Harzsalbe ist drei Jahre oder noch länger haltbar. Auch ein Nebeneffekt der ätherischen Öle ist, dass sie damit haltbarer sind.

          Woran merkt man, dass die Produkte übergegangen sind?

          Zum Beispiel am Geruch, wenn es ranzig, stechend oder moderig riecht. Am Aussehen, wenn sich Schlieren bilden oder Schwarzschimmel oder Grünschimmel. Oder wenn es auseinanderbricht oder unschön aussieht.

          Inwiefern wirkt selbstgemachte Naturkosmetik denn überhaupt noch auf einer Haut, die längst an Chemiekeulen gewöhnt ist?

          Wenn die Haut durch Produkte mit Mineralöl lange zugedeckt wurde und man diese weglässt, kann es schon sein, dass die Poren aufgehen und der Körper entgiftet. Das Hautbild kann sich so vorübergehend kurzfristig verschlechtern. Diese Umgewöhnungsphase dauert meistens drei bis vier Wochen.

          Gibt es Menschen, vielleicht Allergiker, die keine Naturkosmetik selbst anrühren oder das erst mal mit einem Dermatologen besprechen sollten?

          Für Allergiker mit Neurodermitis, Schuppenflechte und ganz schweren Hautproblemen und auch für Säuglinge muss man die Rezepte zum Teil anpassen, man sollte zum Beispiel keine ätherischen Öle dazugeben. Von Neurodermitis Betroffene sollten auch keine Harze oder Olivenöl auf die Haut geben, und wer Probleme hat, sollte sich schon noch mal mit dem Arzt besprechen. Aber das ist ein bisschen so: Darf ich Olivenöl essen, oder sollte ich das mit meinem Internisten abklären?

          Man sagt auch, dass man bei Pflegeprodukten nicht so häufig wechseln sollte. Aber wenn ich mir Naturkosmetik anrühre, passiert das ja schnell. Ist das ein Problem?

          In der Naturkosmetik würde ich den zu häufigen Wechsel auf die ätherischen Öle einschränken, man sollte das System nicht mit zu vielen Duftstoffen überladen. In der konventionellen Kosmetik hat man ohnehin eine Reizüberflutung für den Duftsinn. Insofern sollte man auch allzu viele verschiedene ätherische Öle vermeiden. Es überfordert die Haut.

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