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Seifenherstellung : Daily Soap

Auch zum Haarewaschen ist sie geeignet, besonders gut soll sie gegen Schuppen wirken. Qubbaj sagt, man versetze Toukan-Seife nicht mit Parfüm oder Zusatzstoffen, wie es mit den Produkten einer gewissen neugegründeten Fabrik in der Nähe auf israelischem Hoheitsgebiet geschehe, die rein mechanisch produziert und auch in Deutschland erfolgreich Seife unter dem Nablus-Label verkauft.

Mit gefärbten Kordeln wird ein Netzmuster über die Seifenschicht gelegt.

Seifenfabrik als Andenken

Zwei Drittel der Seifen exportiert Tou-kan nach Jordanien und von dort aus weiter nach Saudi-Arabien und in die Golfstaaten. Öko-Geschäfte in Europa führen seine Produkte auch, sagt Qubbaj: „In Europa habe ich eines unserer Seifenstücke schon für zehn Euro gesehen.“ Doch nicht wegen des Profits führten die Toukans die Produktion fort. „Wir machen kaum Gewinn.“

Längst haben die wichtigsten Familienmitglieder ihren Sitz in Jordanien und dort einen international tätigen Mischkonzern aufgebaut mit Beteiligungen auf dem Finanz- und Immobilienmarkt. Qubbaj sagt, die Seifenfabrik betrieben die Toukans vor allem dem Andenken der Familie und ihrer Heimatstadt zuliebe.

Viele Seifenfabriken produzieren im Ausland

Die meisten Seifenfabriken in Nablus legten ihre Kessel mit dem Ausbruch der zweiten Intifada im Jahr 2000 still. Die Stadt war ein Zentrum des Aufstands gegen die israelische Besatzung und wurde abgeriegelt. Vielfach zogen sich die Gefechte durch die Altstadt, in der verschiedene Terrorgruppen die Gebäude der stillstehenden Seifenfabriken immer wieder als Rückzugsort nutzten.

So sprengten israelische Truppen zwei historische Fabrikgebäude vorsorglich in die Luft. Die alteingesessenen Seifenproduzenten zogen außer Landes oder gaben ihre Familientradition auf.

Israel treibt Transportkosten in die Höhe

„Vor Beginn der israelischen Besatzung 1967 gab es hier 37 Fabriken“, sagt Qubbaj. „Heute sind es noch zwei, die täglich in Betrieb sind.“ Jetzt herrscht zwar Frieden. Aber Qubbaj sagt, die Verschärfung der israelischen Besatzung treibe die Kosten in die Höhe. „Vor der Intifada produzierten wir 1000 Tonnen Seife im Jahr“, sagt er, „jetzt sind es noch 350.“ Neuerdings verlangten die israelischen Behörden acht Prozent Zoll auf den Export der Seife gen Europa über den Hafen Ashdod, früher nichts.

Die palästinensischen Lastwagen werden nur bis zum Checkpoint gelassen, an dem israelisches Staatsgebiet beginnt. „Dort müssen wir umladen auf einen Lastwagen mit israelischem Kennzeichen und mit neuem Fahrer.“ Das koste Zeit und Geld. Etwas leichter werde es einem an der Grenze zu Jordanien gemacht, die ebenfalls von Israel kontrolliert wird.

Öl wird mit italienischem Olivenöl gestreckt

Auch die palästinensischen Behörden hier im Westjordanland seien keine Hilfe. „15 Prozent Steuern müssen wir auf unseren kleinen Gewinn zahlen.“ Das raube die Mittel zum Investieren. „Früher hatten wir 35 Angestellte, heute sind es gerade noch 19.“ Mittlerweile streckt man sogar das teure und immer weniger produzierte palästinensische Olivenöl mit importiertem Öl aus Italien.

Wenn sie markiert ist, wird die Seife geschnitten.

Während sich Seifenkocher Mahmud auf einen Stuhl neben den Kessel gesetzt hat und einen Kaffee trinkt, werden im ersten Stock die Stücke von Hand eingewickelt. 1000 Stück schafft ein Arbeiter pro Stunde und bekommt dafür zehn Schekel, rund 2,50 Euro. Nebenan trocknet die ausgeschüttete Seife.

Der Duft der vergangenen Zeit

Später wird sie mit einem Messer geschnitten, das an einem langen Holzstab befestigt ist, und zum Trocknen gestapelt, so wie es Fawaz Tammam und zwei Kollegen mit der schon geschnittenen Seife machen. Sie legen die Stücke versetzt kreisförmig übereinander, so dass die Luft gut zirkulieren kann.

Die meterhohen zapfenförmig zulaufenden Säulen heißen „Tananir“, Seifentürme. So trocknen die Stücke wochenlang. An jedem der Türme steht eine Zahl für die Woche, in der er gestapelt wurde. Trotz Hunderttausender Seifenstücke steht nur ein leichter frischer Duft in der Halle. Es riecht nach Seeluft. Und nach vergangener Zeit.

Fotos Kai Wiedenhöfer

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