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Seifenherstellung : Daily Soap

Rund 1000 Seifenstücke kann ein Arbeiter pro Stunde verpacken.

Drei Tagelöhner warten schon vor dem Kessel. Jeder hat einen großen metallenen Kübel vor sich, auf dem zwei hölzerne Verstrebungen verschraubt sind. Mahmud zieht die warme Masse an den langen Henkeln eines Eimers aus dem Kessel und schüttet sie in die Kübel. Die Tagelöhner wuchten die zentnerschwere Last auf die Schulter und tragen sie eine steinerne Treppe hinauf. Im ersten Stock der Fabrik haben sie den Fußboden bereits gefegt und mit Wachspapier ausgelegt. Drei Zentimeter dicke Holzlatten begrenzen die Wachspapierfläche. Sie werden die Höhe der Seifenstücke bestimmen.

Nach einem Tag Aushärten beginnt die Feinarbeit

Die Tagelöhner schütten die Seifenmasse nacheinander auf den kalten Stein, gleichmäßig in Bahnen. Immer wieder gehen sie die glitschigen alten Steinstufen hinauf und herunter, bis Mahmud keinen Eimer mehr aus dem Kessel zieht.

Einen Tag lang muss die ausgebreitete Masse erkalten. Dann, am Dienstag, schaben sie mit einem breiten Schieber über den langsam hart werdenden Fußboden aus Seife und beseitigen Unebenheiten. Jetzt beginnt die Feinarbeit.

Ein Wappen als Schutz gegen Billigware

Dafür ist Fawaz Tammam zuständig, 1958 in Aleppo geboren, seit 45 Jahren in der Fabrik von Toukan. Mit einem voreingestellten Zirkel misst er den gewünschten Abstand, dann zieht er lange Kordeln horizontal und vertikal durch die obere Seifenschicht. Tausende Planquadrate entstehen.

Die Angestellten fahren die geschnittenen Stücke zum Trocknen.

Noch während er die letzten Kordeln zieht, beginnen zwei Kollegen, mit hölzernen Hämmern das Wappen der Familie Tou-kan in die noch weiche Seife zu klopfen: „Muftahein“, zwei Schlüssel. Seit 1930 stempeln sie ihre Seife; damals warf die ägyptische Konkurrenz minderwertige Billigware unter dem Nablus-Label auf den Markt, und Toukan schützte seine Marke.

Eine Familie mit Einfluss in der arabischen Welt

Die Schlüssel sollen die Macht der Familie Toukan symbolisieren. Es waren die Schlüssel für die beiden wichtigsten Stadttore, im Besitz der Familie. Die Toukans gehörten über die Jahrhunderte zur Elite von Nablus und stellten bis in die jüngste Zeit viele Bürgermeister. Der Stadtrat von Nablus bestand am Ende des 19. Jahrhunderts fast ausschließlich aus Seifenfabrikanten. Wer damals in Nablus etwas zu sagen hatte, besaß eine Seifenfabrik.

Heute leben die einflussreichsten Mitglieder der Toukan-Familie im benachbarten Jordanien. Dort heiratete Alia Toukan 1972 König Hussein und wurde dessen dritte Ehefrau; Alia starb schon 1977 bei einem Hubschrauberabsturz. Zur Toukan-Familie gehörten außerdem ein jordanischer Premierminister, verschiedene jordanische Botschafter und eine Dichterin.

Oben schütten sie die noch flüssige Seife auf den mit Wachspapier ausgelegten Boden.

Palästinenser wollen Produkte aus Europa

Die entsprechenden Familienfotos hängen im Büro des Fabrikchefs Nael Qubbaj, in einer Ecke der Halle. Stolz erzählt Qubbaj von der Familie seines Arbeitgebers, und doch gelangt er schnell zum Niedergang der Seifenproduktion in Nablus.

Die heutigen Produktionskosten betrügen drei Schekel pro Stück Seife, knapp 80 Cent, rechnet er vor. Auf den Märkten im Westjordanland werden sie für fünf bis sechs Schekel verkauft. Doch gerade jüngere Palästinenser bevorzugten heute moderne Produkte aus Europa oder Fernost.

Auch zum Haarewaschen geeignet

„Nicht nur, weil diese Seifen billiger sind“, sagt Qubbaj, „sondern auch, weil die synthetischen Produkte mehr schäumen.“ Die jahrhundertealte Olivenölseife hingegen biedere sich nicht an. Sie beginne erst zu schäumen, wenn die Haut sauber ist. Tatsächlich schmilzt die Seife nur langsam.

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