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Schönheitschirurg Ivo Pitanguy : Der Meister und die Schönen

  • -Aktualisiert am

„Michaelangelo mit dem Skalpell“: Ivo Pitanguy in seiner Klinik für plastische Chirurgie Bild: Matthieu Salvaing /laif

Nirgends legen sich mehr Menschen fürs Aussehen unters Messer als in Brasilien. Und keiner hat mehr Erfahrung als Schönheitschirurg Ivo Pitanguy. Annäherung an eine Legende in Zahlen, Namen und Geschichten.

          6 Min.

          Selbst nüchtern betrachtet ist die bisherige Lebensbilanz des Ivo Pitanguy, nach eigenen Angaben geboren am 5. Juli 1926, nach offizieller Schreibung 1923, so erstaunlich, dass es auf drei Jahre mehr oder weniger nicht ankommt. 980 Fachartikel über plastische Chirurgie hat er geschrieben und 18 Bücher. Er war auf 2064 Konferenzen und hat mehr als 100.000 Menschen operiert. Er hat Brüste vergrößert und verkleinert, Nasenspitzen angehoben und Ohren angelegt, Narben und Falten verschwinden lassen, Fett abgesaugt. Ein gutes Dutzend Operationstechniken trägt seinen Namen. Er hat mehr als 800 Chirurgen aus 40 Ländern ausgebildet. Doch wer interessiert sich schon für Zahlen, wenn es um Schönheit geht.

          David Klaubert
          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          „Beauty lies in the eye of the beholder“, sagt Ivo Pitanguy. Auch Französisch kann er und Deutsch, Goethe, Schiller und Heinrich Heine zitiert er im Original. Dann fährt er auf Portugiesisch fort, mit einem leichten Lispeln: „Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Wenn man beginnt, sie zu definieren, verflüchtigt sie sich. Wie ein schönes Lied, das man hört. Man muss Schönheit fühlen.“

          Pitanguy ist ein kleiner, kompakter Mann. Er versinkt in dem schwarzen Ledersessel in seiner Privatklinik in Botafogo, Rio de Janeiro, und in seinem dunkelblauen Anzug. An den Ärmeln hängen je zwei goldene Manschettenknöpfe, drinnen stecken gedrungene, kräftige Hände. Mit diesen beiden, rechts wie links, heißt es, führe er das Messer virtuos wie kaum ein anderer.

          „Michelangelo des Skalpells“ haben ihn Zeitungen und Zeitschriften in aller Welt genannt. „König der Hautschlitzer“ („Time“). „Der Mann mit der goldenen Hand“ (ein Dokumentarfilmer). „Doktor Eitelkeit“ („New York Times Magazine“). Die brasilianische „Veja“ schrieb: „Gott mag alles erschaffen - aber Ivo repariert es.“

          Von Pitanguy verfeinert? Die französische Schauspielerin Brigitte Bardot, hier 1964 im brasilianischen Badeort Búzios, soll die Dienste des Schönheitschirurgen in Anspruch genommen haben. Bilderstrecke
          Von Pitanguy verfeinert? Die französische Schauspielerin Brigitte Bardot, hier 1964 im brasilianischen Badeort Búzios, soll die Dienste des Schönheitschirurgen in Anspruch genommen haben. :

          Und er repariert nicht nur irgendwen. „Ich habe Könige, Präsidenten und Schauspieler operiert“, sagt Pitanguy selbst. „Aber ich habe nie einen Namen genannt.“ Und er sagt auch nichts zu den langen Listen an Namen und Geschichten, die natürlich im Umlauf sind. Er lässt die Legenden um sich ranken: Gina Lollobrigida, Brigitte Bardot, Sophia Loren und Zsa Zsa Gabor soll er aufpoliert haben. Farah Diba, die Gattin des Schahs von Persien. Den König von Jordanien. Eine Boeing 747 voll saudischer Prinzessinnen. Leni Riefenstahl.

          Auch Jimmy und Rosalynn Carter waren bei Pitanguy - sie gehörten jedenfalls zu den Gästen auf seiner Privatinsel, die vor Angra dos Reis südlich von Rio de Janeiro liegt, die „Ilha dos Porcos Grandes“, die Insel der großen Schweine. Zwei Kilometer ist sie lang, mit Anwesen und Landestreifen, überzogen von dunkelgrünem Regenwald, umspült von türkisgrünem Wasser. Papageien, Affen und ein Tapir. Auch Tom Cruise war zu Besuch. Als die Rolling Stones vorbeischauten, fing Pitanguys Yacht Feuer, und Ron Wood musste sich mit einem Sprung ins Meer retten.

          Einer der wenigen, die offen eingestehen, die Dienste des Ivo Pitanguy in Anspruch genommen zu haben, ist Niki Lauda. Bei seinem schweren Unfall auf dem Nürburgring 1976 verbrannten sein halbes Gesicht und die Kopfhaut; das rechte Augenlid konnte er nicht mehr schließen. Pitanguy flickte es wieder zusammen und ließ auch gleich ein paar Brandnarben verschwinden. Brandverletzungen gehörten schließlich zu seinen frühen Spezialitäten.

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