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Die Schauspielerin Maria Furtwängler hat gemeinsam mit ihrer Tochter die Stiftung Malisa gegründet, die für eine gleichberechtigte Gesellschaft kämpft. Bild: dpa

Maria Furtwängler im Interview : „Wir Frauen sind verdammt mutlos“

Eine Studie zeigt: Frauen sind unterrepräsentiert – auf Youtube, in Musikvideos, auf Instagram. Und sie kommen primär in einem Bereich vor: Beauty. Die Auftraggeberin der Studie, Maria Furtwängler, im Interview.

          Auf eine Frau kommen zwei Männer – das ist nicht nur im Fernsehen so, sondern offenbar auch auf Youtube, in Musikvideos und auf Instagram. Frau Furtwängler, Ihre Stiftung Malisa hat gerade eine Studie veröffentlicht, die zeigt, dass Frauen auch in nicht linearen Medien viel weniger sichtbar sind als Männer. Und dass sie sich thematisch in einem extrem begrenzten Feld bewegen: vorrangig Beauty. Welches Ergebnis hat Sie besonders schockiert?

          Johanna Dürrholz

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          Was überdeutlich geworden ist, ist dieser extrem schmale Korridor, in dem Frauen zu finden sind: also es geht hauptsächlich um Schönheit, Schlanksein, Schminken. Generell um Beauty. Das macht mich schon ein bisschen nachdenklich in Sachen nächster Generation. Es spricht ja erst einmal nichts dagegen, diese Themen abzubilden – wir alle wollen bei Gelegenheit mal wissen, wie man sich hübscher schminkt und die Haare richtig macht. Aber dass es sich bei den Frauen wirklich so extrem auf diesen Bereich fokussiert, das wird höchstens noch von paar Bastel- oder Kochtipps getoppt, finde ich erstaunlich. Dass wir Frauen uns auch selbst so reduzieren, wir eben nicht wie die Männer ein breites Spielfeld haben, die sowohl dick als auch dünn als auch lustig als auch doof sein können – das stimmt mich auf jeden Fall nachdenklich. Wir haben im Film und Fernsehen angefangen und da mehr Diversität gefordert. Und uns beklagt, dass Frauen meistens im Beziehungskontext vorkommen und meistens jung und hübsch sind. Aber in den sozialen Medien ist es noch viel härter, die sind noch viel, viel weniger divers. Gerade in dem Bereich, wo wir am freisten und vollkommen divers sein könnten, weil hier niemand von oben normiert ist, gerade in diesem Bereich normieren wir uns selbst. Denn es gibt ja auch in den sozialen Medien durchaus andere Angebote, aber die gelangen fast nie in den Mainstream, nicht in die Influencer-Liga.

          Zumal es ja oft Privatpersonen sind, die sich da inszenieren.

          Ja, so fängt es oft an. Es kommen dann irgendwann wirtschaftliche Interessen dazu, die Frage: wo kann ich Werbung plazieren? Die Markenartikler haben einen steuernden Effekt, Werbung für einen Lippenstift oder eine Handtasche wird gut bezahlt. Das spielt sicher eine Rolle. Und sobald die Influencerinnen etwas aus der Rolle fallen, mal etwas anderes probieren, etwa komisch sein wollen oder etwas politisch kommentieren, gibt es schnell viel Hate. Der Bereich Schminken und Haare, den traut man eben eher zu. Da gibt es weniger Hate. Das ist ja sowieso ein Phänomen, dass etwa auch Frauen aus der Wissenschaft schnell Hate bekommen, sobald sie sich inhaltlich äußern. Und der Hate zielt dann immer auf ihr Äußeres, ihr Frausein ab. Das ist etwas, das zusätzlich einschüchtert.

          Die Userinnen könnten sich auch anderen Content, andere Videos oder Kanäle suchen.

          Ja, genau. Es war für mich auch total spannend zu sehen, wie genau die Userinnen die Posen der Influencerinnen nachahmen, teilweise wirklich eins zu eins. Klar, es sind Vorbilder. Und wenn die Vorbilder größtenteils aus einem Bereich kommen, in dem es darum geht, besonders schön, besonders schlank, besonders liebenswert zu sein, ist das natürlich nicht unbedingt ermutigend. Da wächst keine Generation heran, die sagt „Wir wollen die Welt retten“, oder: „Ich hab die geilste Erfindung“, sondern da geht es nur darum, die Schönste im ganzen Land zu sein. Nach dem Motto: „We don't become teamplayers.“

          Es fördert ja auch nicht gerade die Individualität der Mädchen, wenn alle gleich aussehen wollen und nicht anecken dürfen.

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