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Salvador Dalís Tarot-Set : Die Karten werden neu gemischt

Der Magier hat auch das erfunden: Salvador Dalí schuf ein Tarot-Spiel, das ungeahnte Aspekte irrationaler Erkenntnis aufdeckt. Bild: Wolfgang Eilmes

Spielkarten aus denen man die Zukunft lesen kann? Der Surrealist Salvador Dalí entwarf Tarot-Karten, die als limitierte Ausgabe erschienen und heute längst vergriffen sind. Der Taschen-Verlag hat das Set neu aufgelegt.

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          Das Tarot ist, schlicht betrachtet, ein sehr alter Satz von 78 Spielkarten in vier Farben: Stäbe, Münzen, Kelche und Schwerter. Die Magie des Tarot beginnt da, wo die Karten große und kleine „Arkana“ heißen. Geheimnisse eben. Man kann sie auslegen wie eine Patience, in einer eher alltagstauglichen Version als Hilfe zu psychologischer Einsicht – viel aufregender natürlich als Wahrsagekarten.

          Rose-Maria Gropp
          Redakteurin im Feuilleton.

          Was Wunder, dass sich Salvador Dalí davon animiert sah, als surrealistischer Meister der „paranoisch-kritischen Methode“ im bewussten Umgang mit dem Unbewussten. Der Legende nach soll ihn Albert Broccoli, der Produzent der James-Bond-Filme, Anfang der Siebziger mit einem Tarot-Deck für den Film „Live and Let Die“ beauftragt haben, wo das Medium Solitaire dem bösen Dr. Kananga die Zukunft aus den Karten liest. Der Deal soll geplatzt sein, angeblich wegen Dalís Honorarvorstellung.

          Aber die Tarot-Karten gibt es, vielleicht auch weil Dalís Frau Gala mit ihren spirituellen Neigungen da Anteil nahm. Es erschien schließlich 1984 eine limitierte Ausgabe, die längst vergriffen ist. Jetzt hat der Taschen-Verlag dieses Set wieder aufgelegt, und das hat Klasse. Dalí hat aus den Kartenbildern einen Parforceritt durch die Kunstgeschichte gemacht, in abenteuerlichem Synkretismus. Sich selbst verewigt er als „Der Magier“, über ihm die Bögen der Sainte-Chapelle in Paris, vor ihm ein Abendmahlstisch.

          Dalí Tarot. 78 Karten. Mit einem Begleitheft über die Entstehung des Decks und Anleitungen zum Tarot von Johannes Fiebig. 184 Seiten, 50 Euro.
          Dalí Tarot. 78 Karten. Mit einem Begleitheft über die Entstehung des Decks und Anleitungen zum Tarot von Johannes Fiebig. 184 Seiten, 50 Euro. : Bild: Wolfgang Eilmes

          Gala erscheint als „Die Herrscherin“. Nicholas Hilliards Bildnis eines „Jünglings unter Rosen“ steht als „Der Gehängte“ auf dem Kopf, und für „Die Königin der Kelche“ dient Jean Clouets Porträt der Elisabeth von Österreich, Königin von Frankreich, der Dalí einen Schnurr- und Ziegenbart malt wie sein Kollege Marcel Duchamp der Mona Lisa. Die Karten des Spiels sind in einer lilafarbenen Kassette gebettet, der Hauch von Luxus ist der künstlerischen Gestaltung angemessen. Mit ihr fügt Dalí dem Tarot bisher ungeahnte Aspekte hinzu auf dem von ihm geschätzten Weg der irrationalen Erkenntnis. Es gilt also – keine Angst vor wilden Karten!

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