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Haute Parfumerie : Alles Roja

So komplex wie die Parfums großer Häuser und trotzdem modern: Roja Dova bei einem Besuch in Frankfurt Bild: Wonge Bergmann

Roja Dove ist eine Ausnahmeerscheinung unter den Parfum-Kreateuren, er erschafft moderne Kunstwerke in glitzernden Flakons. Wie er dazu kam? Seine elegante Mutter spielte eine große Rolle.

          Manche Dinge weiß man schon früh im Leben. Für Roja Dove war bereits als Junge klar, dass ihn Parfum faszinierte: „Meine Leidenschaft begann, als ich sechs oder sieben Jahre alt war. Meine Mutter kam, um mir einen Gute-Nacht-Kuss zu geben, und ich erinnere mich noch genau an ihr Puder und ihr Parfum.“ Der Duft ist mit dem Bild der eleganten Frau verbunden, die sich zurechtgemacht hatte, um auszugehen, und deren Lamé-Kleid das Licht des Flurs so reflektierte, dass es ihr einen kleinen Heiligenschein zauberte. „Für mich sah sie aus wie ein Engel oder eine Fee aus dem Märchenbuch. Als sie ging, blieb dieser Duft zurück, eine Mischung aus Jasmin, Aldehyden und Vanille.“ Bis heute weiß er den Namen: „Es war L'Aimant von François Coty. Das bekommt man heute noch zu kaufen, in ziemlich abgewandelter Mixtur natürlich.“

          Maria Wiesner

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Während er das Bild heraufbeschwört, sitzt Roja Dove in einem Hotelzimmer vor einem Sofatisch, auf dem seine eigenen Parfumkreationen stehen. Alle in klassischen viereckigen Flakons, geschliffene Kristalle. Auf den Verschlusskappen spiegelt sich die spärliche Wintersonne. Am Tag zuvor hat er seine Marke in der Frankfurter Parfümerie Albrecht vorgestellt, die sich auf Nischendüfte spezialisiert hat. Seit diesem Winter sind seine Düfte bei ausgewählten Händlern auch in Deutschland erhältlich, zuvor musste man dafür nach London zu Harrods oder nach New York zu Bergdorf Goodman. Bis zur international vertriebenen Marke für Luxusnischendüfte war es ein langer Weg für den Einundsechzigjährigen. Doch wenn er mit britischem Akzent davon erzählt, klingt es wie ein großes Abenteuer, bei dem im Nachhinein alles einen Sinn hatte.

          Jedes Flakon ein Schmuckstück mit geschliffenen Kristallen

          Die Mutter also weckte in ihm die Leidenschaft für die schönen Dinge des Lebens. Ins Haus seiner Familie brachte ein Freund aus Frankreich immer wieder Eau-de-Cologne-Flakons als Gastgeschenk. Die Mutter bewahrte sie in der Nachttischschublade auf. Dem Jungen, den es immer wieder dorthin zog, wurden Düfte und ihre Geschichte zur Obsession. Nach einer Ausbildung in der südfranzösischen Parfumstadt Grasse kam er zu Guerlain. 20 Jahre blieb er dem Haus treu, bis es vom Konzern LVMH aufgekauft wurde. „Ich bin kein Mensch für große Firmen“, sagt Dove. Plötzlich sei es um Zahlen und Bestellgrößen gegangen und nicht mehr um Kreativität. Also beschloss er an Weihnachten 2000, seinen Job aufzugeben, und zu Halloween im Jahr darauf ging er wirklich. „Ich hatte mich in die Parfümerie als Kunst verliebt. Was ich aber sah, war das Gegenteil davon. Viele der alten Parfummarken hatten geschlossen oder waren aufgekauft worden. Auf diesem Markt reichte es nicht einmal mehr, dass etwas neu war, um einen Duft zu verkaufen. Parfum wurde so entwertet, dass man am Ende noch ein kleines Geschenk draufgepackt hat, damit sich der Duft überhaupt verkaufte.“ Freunde und Bekannte fragten ihn um Rat, und alle beschwerten sich: too much choice or no choice. Entweder waren die Kunden überwältigt von der riesigen Auswahl, oder alle Düfte rochen für sie gleich. Dove aber sah sich als Künstler, und seine Kunst wollte er erhalten wissen.

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