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Kloster-Reportage : Geschenk Gottes

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Auch Schwester Emmanuela sagt: „Wir sind keine Sympathiegemeinschaft, wir sind aus unterschiedlichsten Gründen eingetreten, kommen aus unterschiedlichen Gegenden, liegen im Alter weit auseinander, in der Bildung, in den Interessen, im Temperament. Unsere Gemeinsamkeit liegt im Glauben und in dem Entschluss, unser Leben Gott zu weihen.“

Schwester Christophora fertigt Keramikkunst.

Seit Schwester Emmanuela in der Abtei ihr Leben Gott widmet („meine Berufung war wie ein Blitz, ich hatte gar keine andere Wahl“), musste sie sich in 60 Jahren an zwei Dinge gewöhnen: daran, dass sie fast nie allein war, und dass sie anfangs ganz ohne Männer auskommen musste. Sie fehlten ihr nicht als Objekte der Begierde, sondern als Gesprächspartner. „Ich schätzte Männer, weil sie eine andere Sicht hatten, weil sie manchmal nüchterner urteilten und andere Argumente brachten als Frauen. Das fiel plötzlich weg. Das Einzige, was ich von einem Mann hatte, war die Glatze des Priesters am Altar.“

Eine Ordnung des Daseins

Das hat sich geändert. Männer kommen heute als Übernachtungsgäste ins Kloster, als Käufer in den Klosterladen, als angestellte Winzermeister in die Kellerei, als Gastronomen in die Klosterküche oder als Besucher ins Café. Hinter dessen Theke geben geistig beeinträchtigte Menschen aus dem benachbarten St.-Vincenzstift Kaffee und Kuchen aus. Die Leitung liegt in Händen von Schwester Gisela Happ, die mit 17 Jahren bei einer „Woche in der Stille“ das Kloster kennengelernt hatte und sich mit 21 entschied einzutreten. Ein Vierteljahrhundert lebte sie in Eibingen, war Priorin und als Cellerarin verantwortlich für das Ökonomische, ehe sie nach Frankreich ging. Bei der dortigen Alliance Inter-Monastère (AIM) setzte sie sich für die armen Klöster in der Dritten Welt ein. Die AIM verfolgt die Grundidee, dass reichere Klöster, die nach der Regel Benedikts leben, die weniger gut ausgestatteten in der Dritten Welt unterstützen.

Schwester Gisela, die sich „schon immer an der Ungerechtigkeit in der Welt“ gerieben hat, stellte bei ihrer internationalen Arbeit fest, dass auch Klöster nicht im ökonomisch luftleeren Raum schweben, dass es mühsam sein kann, bei wohlhabenden reichen Bistümern in Deutschland, Österreich, den Niederlanden oder Frankreich für die Brüder und Schwestern Geld in Afrika oder Lateinamerika zu sammeln. Deshalb ist sie heute als Nonne von Eibingen nach wie vor geneigt, eher für Klöster im Tschad oder in Burkina Faso Geld anzuwerben als für die Abtei St. Hildegard, die es auch gebrauchen könnte.

Und Schwester Gisela bekam ein Gefühl dafür, dass Berufungen oft keine rein religiöse Angelegenheit sind. Die vielen Eintritte von Frauen in katholische Klöster in Vietnam etwa hätten sicher damit zu tun, dass Kirche dort als ein letzter Freiraum verstanden werde. Schwester Gisela ist Benediktinerin geworden, weil ihr diese Lebensform alles zu bieten schien, was sie suchte – vor allem eine Ordnung des Daseins. „Unser Leben ist ein geschenktes“, sagt sie. „Uns fiele vieles leichter, wenn uns das immer klar wäre.“ Als sie die Berufung in sich spürte, dachte sie, dass ein Leben im Kloster vielleicht die Möglichkeit sei, Gott etwas zurückzuschenken.

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