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„Radical Honesty“-Workshop : Mein Psycho-Wochenende

Dann erklärt er, dass wir Menschen Angst haben, das zu tun, was wir wollen und nicht sollen. „Wir denken dann, dass wir obdachlos oder Verbrecher werden. Wir trauen uns selbst nicht über den Weg, dass wir das für uns Richtige tun werden. Wir glauben, dass wir uns immer kontrollieren müssen. Aber eigentlich braucht man Regeln nur in der Kindheit und Jugend. Als Erwachsener, der seine Impulse kontrollieren kann, nicht mehr.“

Ich denke spontan, dass unsere Volkswirtschaft zusammenbrechen würde, wenn wir alle nur noch tun würden, was wir wollen. Aber Taber insistiert: Die vielen „Du sollst“ raubten uns viel Kreativität. Wenn wir akzeptierten, was sei, könnten wir uns selbst besser entwickeln. In Partnerkonflikten sollten wir zum Beispiel sagen: „Ich will dies, du das. Was können wir tun, um eine Lösung zu finden?“ Wenn ein Paar das nicht könne, werde es nicht lange zusammenbleiben. Man solle nicht den Wunsch haben, den anderen zu ändern. Für das eigene Glück sei man zu 100 Prozent selbst verantwortlich.

Zwei Probleme, eine Lösung

„Was ist mit Pflichten in der Familie?“, fragt jemand. Taber sagt, da könne man nicht zu 100 Prozent egoistisch sein. Aber man müsse diese Pflichten wollen, „so, wie ich meinen Job machen will“. Wenn man seine Familie liebe, mache man das gern. Er sagt: „Oft, wenn Leute lange Zeit gemacht haben, was andere wollten, brechen sie aus.“

Aber um zu bekommen, was wir wollen, müssten wir erst mal spüren, was wir wollen. Das sei gar nicht so leicht, denn als Kinder hätten viele von uns gelernt, manches nicht wollen zu sollen. „Deswegen geben wir heute nicht zu, dass wir was vom anderen wollen“, sagt Taber. Aber je mehr wir das hätten, was wir wollten, und je öfter wir danach fragten, desto besser gehe es uns. „Selbst bei einem ,Nein‘ verliere ich nichts“, sagt er. „Zum Beispiel in einer Beziehung, wenn der Mann mehr Sex will als die Frau: Dann wollen sich doch eigentlich beide mehr verbunden fühlen. Der eine physisch, die andere psychisch. Wenn sie sich das klarmachen, können sie einander das geben, und so lösen sie ihr Problem.“

„Ich will dir nah sein“

Wir sollen uns jetzt einen Partner suchen und ihn um das bitten, was wir wirklich wollen – in diesem Moment und von ihm. Das macht verletzlich, prophezeit Taber. Und das tut es. Es ist schwer, weil man sich für seinen Wunsch schämen könnte oder weil man mit einem Nein rechnen muss. Und es ist Stress für beide: für den, der Angst vor einem Nein hat, und für den, der mit Nein antworten will. Als wir mit der Übung fertig sind, sagt Taber: „Ohne meine Anleitung wäre das nicht passiert, das ist traurig. Ich erlaube euch hiermit, für den Rest eures Lebens das zu erbitten, was ihr wollt. Fragt euch öfter, worüber ihr wirklich mit den Leuten reden wollt und was ihr wirklich von den Leuten wollt. Das macht euer Leben reicher.“

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