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Warum wir andere maßregeln : Sie da! Schämen sollten Sie sich!

Die Forschung sagt: Menschen, die andere maßregeln, wollen bestrafen. Hinterher geht es ihnen trotzdem oft schlechter. Bild: Illustration Jindrich Novotny

Füße im Theater hochlegen, nebeneinander Rad fahren: Warum regen sich manche Menschen über andere auf, obwohl sie gar nicht unter deren Tun leiden?

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          Anna Wolter kann sich noch gut an den Tag erinnern, an dem sie die Antipathie dreier Menschen in der Warteschlange vor der Münsteraner Hauptpost auf sich gezogen hat. Es war in der Adventszeit, viele Leute standen mit Päckchen im Arm Schlange. „Ich hatte es eilig und habe einfach einen Mann, der ganz vorne in der Schlange stand, gefragt, ob er mir ein Zehnerpack Briefmarken mitbringen könne – das Geld wollte ich ihm geben, nachdem er bezahlt hätte“, erzählt Wolter, die ihren wirklichen Namen nicht nennen will.

          Katrin Hummel
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der Mann aber weigerte sich und herrschte sie an, dass sie sich gefälligst hinten anstellen solle. „Aber ich fand meine Idee wirklich nicht unanständig oder so, denn es hätte ja niemand deswegen länger warten müssen“, sagt Wolter. Also habe sie, schon leicht verunsichert, die nächste Person in der Schlange gebeten, und als die sich voller Empörung ebenfalls weigerte, mit klopfendem Herzen die übernächste, die auch entrüstet ablehnte. Die vierte von ihr gefragte Person habe schließlich eingewilligt, aber die Missbilligung der anderen drei hat Wolter nachhaltig verunsichert. „Warum haben die Leute sich über mich aufgeregt, obwohl ich ihnen überhaupt nicht geschadet habe?“, wundert sie sich selbst heute, fast vier Monate später, noch.

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