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Psychologe im Gespräch : „Meditation wirkt universell positiv“

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Auf das eigene Innere achten: Meditation kann Schmerzen verringern und Entzündungen lindern, ebenso wie depressive Zustände, Schlafstörungen oder Angst Bild: dpa

Um die Wirkung von Meditation zu erforschen, verzichtet Psychologieprofessor Peter Sedlmeier schonmal drei Tage auf Schlaf. Im Interview erklärt er, wie die spirituelle Praxis Körper und Seele hilft und was er selbst dabei schon erlebt hat.

          Peter Sedlmeier meditiert privat und beruflich: Der Professor für Psychologie an der TU Chemnitz mit den Schwerpunkten Forschungsmethodik und Evaluation sprach am Wochenende auf dem Kongress „Meditation und Wissenschaft“ in Berlin.

          Herr Professor Sedlmeier, Sie könnten einfach nur über Meditation forschen, aber Sie praktizieren sie auch selbst. Sind Meditation und Wissenschaft nicht Gegensätze? Was sagen denn Ihre Kollegen dazu?

          Die sind erstaunlich wohlwollend. Sie würden das wohl nicht selbst machen wollen, aber ich spüre neugieriges Interesse.

          Welche Form der Meditation praktizieren Sie denn?

          Hauptsächlich Zen-Meditation. Dabei kann man sich etwa auf den Atem konzentrieren oder alles beobachten, was innen und außen geschieht. Gerade hatte ich ein Forschungsfreisemester, das ich dem Thema Meditation gewidmet habe, und war auch einen Monat in einem thailändischen Kloster zur Vipassana-Meditation. Dort meditierten wir abwechselnd im Sitzen und Gehen und steigerten die Dauer allmählich von jeweils 15 Minuten auf eine Stunde.

          Wie viele Stunden am Tag haben Sie insgesamt meditiert?

          Am Schluss war die Idee, ganz durchzumeditieren, die letzten drei Tage waren ohne Schlaf.

          Wie war das?

          Außergewöhnlich. Ich habe erlebt, dass intensive Meditation das Schlafbedürfnis weitgehend kompensieren kann.

          Wer nicht meditiert, könnte sich fragen, wieso jemand so etwas macht. Warum meditieren Sie?

          Es hängt sicher davon ab, welche Absicht man mit Meditation verbindet. Der eigentliche Zweck, der in Indien schon vor 2000 Jahren verfolgt wurde, ist spiritueller Natur: die Welt so zu sehen, wie sie tatsächlich ist, was auch mit Begriffen wie Erleuchtung oder Befreiung umschrieben wird. Dieser Aspekt schwingt heute bei uns noch mit, aber meist geht es darum, etwas Negatives loszuwerden - Stress zum Beispiel.

          Und was bringt Meditation Ihnen persönlich?

          Das frage ich mich selbst manchmal. Aber ein Grund ist sicher, dass ich gerne wüsste, wie die Welt wirklich ist.

          Wie würden Sie selbst Meditation definieren?

          Ganz generell und sehr weit gefasst: etwas, was man mit voller Aufmerksamkeit und wiederholt macht, oft auch verbunden mit der Absicht, dass der Geist zur Ruhe kommt und leer wird.

          Wie macht man das?

          Hauptsächlich werden drei Herangehensweisen praktiziert, die häufig miteinander kombiniert werden. Eine ist fokussierte Aufmerksamkeit: Man konzentriert sich auf ein Mantra wie „Om“ etwa, manche Yogis auch auf die Nasenspitze oder auf den Atem. Die zweite Vorgehensweise ist offenes Gewahrsein: Man beobachtet alles, was geschieht, ohne es zu bewerten. Also etwa aufsteigende Gefühle oder sich aufdrängende Gedanken. Und zur dritten gehören Meditationen, bei denen man etwas übt, wie das Gefühl der liebenden Güte. In der Vorstellung lässt man es zunächst für Menschen entstehen, die man gerne mag, später für solche, zu denen man ein neutrales Verhältnis hat, und schließlich für Personen, für die man nicht unbedingt Zuneigung empfindet.

          Und was genau ist Achtsamkeit, die momentan sehr populär ist?

          Viele populärwissenschaftliche Publikationen unterscheiden nicht zwischen Meditation und Achtsamkeit. Ich würde Achtsamkeit eher als einen Aspekt von Meditation sehen, der heute besonders auch in buddhistischen Meditationsformen zu finden ist. Dabei geht es darum, kontinuierlich unterschiedliche Körperempfindungen, Gedanken oder Gefühle zu beobachten, ohne sie zu bewerten. Das ist eigentlich Achtsamkeit. Und ein Aspekt, der heutzutage oft dazukommt, ist die Akzeptanz dessen, was jemand erlebt. Das ist aber nicht Teil der ursprünglichen Definition.

          Meditation und Wissenschaft waren ja nicht immer so eng. Woher kommt das zunehmende Interesse der Wissenschaft?

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