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Datingshow „Princess Charming“ : Zungenküsse und Champagner

Irina Schlauch, links, Rechtsanwältin und „Princess Charming“, küsst eine Kandidatin. Bild: TVNOW

„Princess Charming“ ist die erste lesbische Datingshow der Welt. Ist das noch Trash oder schon Politik?

          4 Min.

          Es war einmal eine wunderschöne Prinzessin mit seidigem, langem Haar und funkelnden braunen Augen – und sie ist auf der Suche nach der Frau fürs Leben. Während nämlich in Europa auch im Sommer 2021 noch Diskussionen über Regenbogenflaggen in Fußballstadien geführt werden (müssen), wird im deutschen Fernsehen ein Sommermärchen der anderen Art erzählt: RTL hat die erste lesbische Datingshow der Welt produziert. „Princess Charming“ heißt das Format, das es zuvor schon mit schwulen Männern unter dem Titel „Prince Charming“ gegeben hat und das auf dem RTL-Streamingportal TVNow zu sehen ist. Das Prinzip funktioniert genau wie das der Datingshows „Der Bachelor“ und „Die Bachelorette“: „Princess“ Irina Schlauch trifft 20 Kandidatinnen, die in einem Haus auf Kreta Urlaub machen, und castet sich ihre Traumfrau.

          Johanna Dürrholz
          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          So weit, so gewöhnlich, könnte man annehmen, ein Recht auf Trash genießen schließlich nicht allein Heterosexuelle. Und wer die Vorgängerformate „Bachelor“ und „Bachelorette“ kennt, weiß, dass es da selten um wahre Liebe und große Gefühle geht, sondern um die Möglichkeit, einem breiten Publikum bekannt zu werden, einige Hunderttausend Instagram-Follower zu sammeln und bestenfalls hinterher ins „Sommerhaus der Stars“ einziehen zu können, um die neue Beziehung gleich wieder medienwirksam zu zerstören.

          „Princess Charming“ ist anders. Die Kandidatinnen werden nicht, wie beim „Bachelor“ üblich, in Abendgarderobe in Limousine vorgefahren, um sich dann vor laufender Kamera und lechzendem Bachelor der Fleischbeschau zu unterziehen. In der lesbischen Version gibt es zwar auch jede Menge Haarspray und hohe Schuhe, andere Damen aber rasieren sich vor dem ersten Zusammentreffen mit ihrer RTL-Prinzessin den Schädel oder bügeln ihren Anzug. Hinterher trinken sie gemeinsam am Pool und freuen sich einfach, als Irina Schlauch im roten Cabrio vorgefahren wird: Sie trägt einen schlichten schwarzen Jumpsuit und wenig Make-up. Die Frauen sind begeistert.

          Und auch die Vorstellung der Kandidatinnen nimmt sich anders aus. Die Frauen wollen die Liebe finden, vielleicht auch ins Fernsehen kommen, doch sie haben auch einen Auftrag. „Ich finde es total wichtig, dass es dieses Format gibt“ ist ein Satz, den fast jede Kandidatin in der ersten Folge von sich gibt. Sie hätte eine Frau, die Frauen liebt, als Teenager im Fernsehen gebraucht, erzählt eine – als Vorbild, um zu sehen, dass das normal sei. „Wir wollen zeigen, dass es lesbische Liebe gibt – nicht nur in Pornos“, sagt eine andere. Die Kandidatin Wiki sagt, sie verfolge einen Bildungsauftrag. Dieser politische Anspruch mutet zunächst widersprüchlich an – es handelt sich schließlich noch immer um eine Datingshow.

          Und in der ersten Folge kommt es dann auch, wie es im Reality TV eben vorkommt, zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung zweier Kandidatinnen. Gleich zu Beginn wird deutlich, dass diese beiden Frauen wohl nicht gecastet wurden, weil sie als potentielle Herzensdamen der Prinzessin infrage gekommen wären. Anders als in anderen Formaten zeigt man die Situation nicht, man hört nur einen Schrei aus dem Off, und eine Texttafel wird eingeblendet: Die Szenen hätten in dieser Sendung keinen Platz. Trotzdem machen sich die verbliebenen Kandidatinnen Sorgen: Sie wollen nicht, dass ihre Community mit diesem Verhalten in Verbindung gebracht wird. Das Sendungsbewusstsein, die Botschaft der Frauen ist eindeutig: „Ich bin aus politischen Gründen hier“, sagt eine. Kann also eine Datingshow politisch sein?

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