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Porträt Václav Vorlícek : Aschenbrödels Vater

Alle Jahre wieder: Der Film „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ und die Romanze des Prinzen (Pavel Trávnicek) mit Aschenbrödel (Libuse Safránková) gehören für viele fest zum Weihnachtsprogramm. Bild: dpa

Wenige Regisseure haben Kinder so gut verstanden wie Václav Vorlícek. Jeder kennt seine „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“, einen der berühmtesten Märchenfilme. Aber fast niemand kennt ihn.

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          Es ist noch gar nicht lange her, dass eine Frau auf einer Geburtstagsfeier einen Herrn zum Tanz aufforderte, der gut und gerne ihr Großvater sein konnte. Der Herr, groß und hager, mit grauem, schütterem Haar und freundlichem Schmunzeln auf den Lippen, Typ Märchenonkel, war zu dem Fest zu Ehren eines Architekten von Prag nach Hamburg gereist. Obwohl es galt, den Takt auf dem Parkett zu halten, kamen die Frau und ihr Tanzpartner ins Gespräch. Wo er herkomme und was er im Leben angefangen habe, wollte sie von ihm wissen. Der Herr antwortete wahrheitsgemäß, er sei Tscheche und sei Regisseur gewesen. Welche Filme er denn gedreht habe, fragte die Frau. Der Herr antwortete mit böhmischem Akzent: „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“, „Die Märchenbraut“, „Der fliegende Ferdinand“.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Die Frau konnte sich kaum auf den Beinen halten – sie hatte sich in die Arme jenes Mannes begeben, der ihre Kindheit geprägt hatte. Noch heute riefen ihre Angehörigen sofort bei ihr an, wenn wieder einmal „Die Märchenbraut“ mit der schönen Arabela und ihren Ausflügen ins Menschenreich im Fernsehen laufe, sagte sie. Dann schauten sie, obwohl Hunderte Kilometer entfernt, gleichzeitig die Serie und fühlten sich in die Zeit versetzt, als sie selbst noch ein Kind war.

          So wie der Frau geht es Hunderttausenden, die mit diesen Filmen und Serien aufgewachsen sind. „Aschenbrödel“ wurde in mehr als 100 Länder verkauft. Jedes Jahr läuft der Film zu Weihnachten in mehreren ARD-Programmen. Für viele Deutsche gehört er zur Adventszeit. Die Auftritte des Radiosinfonieorchesters Pilsen mit einer Konzertfassung der Titelmusik finden so großen Zuspruch, dass sie immer wieder Hunderte in die Alte Oper in Frankfurt ziehen. Der Aschenbrödel-Fanklub feiert jedes Jahr ein Fest auf Burg Bilstein im Sauerland. Und auf der deutschen Amazon-Website haben viel mehr Rezensenten die Märchenverfilmung bewertet als andere Kultfilme wie „Pulp Fiction“ oder die „Rocky Horror Picture Show“. Ihr Aschenbrödel ist den Deutschen heilig.

          Berufswunsch: Filmregisseur

          Gemessen an der Verehrung ist der Erschaffer dieser Werke fast unbekannt. Dabei könnte man Václav Vorlicek, der 1930 geboren wurde, fast als tschechisches Pendant zu Astrid Lindgren bezeichnen. Ihm gefällt dieser Vergleich. Denn Ferdinand, Arabela, Saxana, Rumburak oder Onkel Pompo sind den Kindern so ans Herz gewachsen wie Lisa, Ronja, Pippi, Madita oder Kalle Blomquist. Doch Starkult gab es im Sozialismus kaum. Das wandelte sich erst, als Demokratie und Kapitalismus nach Prag zurückkehrten.

          Wenn man Václav Vorlicek treffen möchte, heißt es erst einmal warten. Vergessen hat er den Termin nicht. Nein, sagt er, als er eine halbe Stunde nach der verabredeten Zeit im „Café Slavia“ im Zentrum der tschechischen Hauptstadt erscheint. Seine 90 Jahre alte Schwester sei unvorhergesehen erschienen und habe ihm Selbstgekochtes in Tupperdosen vorbeigebracht. Und sie habe genaue Anweisungen gegeben, wann welches Gericht idealerweise heiß zu machen sei. Offenbar traut die große Schwester dem verwitweten Filmregisseur nicht mehr zu, sich um sich selbst zu kümmern, obwohl auch seine beiden Töchter nicht weit entfernt leben.

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