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Porträt Václav Vorlícek : Aschenbrödels Vater

Besonders gut funktioniert das in ihrer Serie „Der fliegende Ferdinand“, die 1984 die Müntefering/Vorlicek-Trilogie komplettierte. Hier stehen drei Kinder im Mittelpunkt der Handlung. Ferdinand Trenkel begegnet auf dem Schulweg einem Meteoriten, in dessen Inneren sich eine Zauberwelt auftut. Riecht er dort an Blumen, erhält er besondere Fähigkeiten. Ferdinand und seinen zwei engsten Freunden helfen sie dabei, zu fliegen und in die Haut von Erwachsenen zu schlüpfen. Die Rollenwechsel führen die echten Erwachsenen in die Verzweiflung und in psychiatrische Betreuung. „Weil die Kinder von ihrem Umfeld noch unverdorben sind, sind sie in der Lage, Sachen zu erfinden und im Kopf zu ergänzen“, sagt Vorlicek – anders als die Erwachsenen, deren Phantasie schon von so vielen Erfahrungen überdeckt ist.

Diese zwei Themen beschäftigten den Regisseur mehr als ein Jahrzehnt lang. Dann setzte er wieder auf bekannte Stoffe. 1996 verfilmte er mit Tina Ruland und Uwe Ochsenknecht „Das Zauberbuch“, im Jahr darauf folgte „Der Feuervogel“, 1998 dann die Verfilmung des „Schwanensee“-Stoffs als „Die Seekönigin“ – sie wurden von der Kritik verhalten aufgenommen. Aber Vorlicek/Macourek arbeiteten weiter. Anfang des Jahrtausends kam ihr Fantasyfilm „Max, Susi und das magische Telefon“ in die Kinos, in dem wieder zwei Welten aufeinanderprallen.

Der Wettbewerb um die beste Idee

Nach der Vollendung des Films starb Macourek 2002. Damit ging eine mehr als drei Jahrzehnte währende Zusammenarbeit zweier Filmschaffender zu Ende, die sich gegenseitig anspornten. „Vor allem für den Humor ist das am besten, denn ein Autor alleine wird nie ein perfektes Werk schreiben“, sagt Vorlicek. „Hat man zwei Autoren, hat man immer den Wettbewerb um die besten Ideen.“

Doch auch ohne seinen Partner arbeitete sich Vorlicek an seinen Lebensthemen ab. Obwohl er schon weit über siebzig war, reizte ihn eine Fortsetzung des Saxana-Stoffs – eine Geschichte über die Tochter jener Hexe, die einst das Zauberreich verließ. Sie findet das Zauberlexikon und wird ins Zauberreich mit seinen Hexen, Zwergen, Comicfiguren und Drachen hineingezogen. Das Ergebnis ist der Film „Saxana und die Reise ins Märchenland“, der 2013 ins Kino kam.

Der Pfadfinder hat seinen Weg gefunden. Seine Erlebnisse mit den Comics der Jugend führten ihn auf eine märchenhafte Reise, auf die er über die Jahre immer mehr Kinder mitnahm. Und doch ist sein Name nur denen bekannt, die sich die Rückseiten von DVD-Hüllen durchlesen oder bis zum Abspann im Kino bleiben.

Seit sieben Jahrzehnten ist er im Filmgeschäft. Noch heute, da er auf das zehnte Lebensjahrzehnt zusteuert, denkt er weiter über Stoffe nach. „Ich habe mich ein Leben lang mit Film beschäftigt und nach Motiven gesucht. Das geht immer weiter, auch mit 88 Jahren.“ Früher habe er den Zuschauern Unsinn plausibel machen wollen. Jetzt wolle er Kindern die Atmosphäre in den fünfziger Jahren vermitteln. Wird das in einen Film münden? „Ich versuche es in ein Drehbuch zu verwandeln“, sagt er. „Ideen sind das Wertvollste, das man hat. Und sie werden am häufigsten geklaut.“

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