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Porträt Václav Vorlícek : Aschenbrödels Vater

Für die nächsten Produktionen kehrte er wieder zu Macourek zurück. „Wir wollten den Zuschauer überzeugen, dass Unsinn möglich ist“, sagt er. Was bei „Saxana“ die zaubernde Hexe war, waren in „Wie wäre es mit Spinat?“ (1977) dann rätselhafte Gerätschaften. „In dem Film haben wir den Zuschauer überzeugt, dass man jünger wird, wenn man Spinat isst und danach bestrahlt wird.“

Eine weitere Kooperation mit Müntefering und Macourek wurde danach das Opus Magnum der drei: „Die Märchenbraut“, 1981 im Ersten Deutschen Fernsehen und 1983 im DDR-Fernsehen ausgestrahlt und im tschechischen Original nach der Hauptfigur „Arabela“ benannt. Eine derart intelligente, witzige, tiefgründige, komplexe und vor Einfällen strotzende Kinderserie hat es zuvor und danach wohl nicht mehr gegeben.

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Der Schauspieler Karl Majer (wieder von Mensik gespielt) findet zufällig ein Glöckchen, mit dem er einen Zauberer aus dem Märchenreich herbeirufen kann. Im Fortgang der Handlung verschwinden Zauberringe und werden wiedergefunden, wird das Reich des entscheidungsschwachen Königs Hyazinth vom bösartigen Zauberer Rumbarak und vom Fortschrittseifer seiner eigenen Tochter Xenia bedroht. Bis seine zweite Tochter Arabela endlich in den Armen von Majers Sohn Peter landet, müssen sie Henker überwältigen, Psychiater überzeugen, dass Zauberei das Normalste der Welt ist, und Märchenfiguren müssen die Tücken der modernen (Menschen-) Welt überwinden.

Der Druck der Selbstzensur

Wie hier Kinder auf unkitschige Weise mit den Regeln der Romantik und einer unterschwelligen Kritik am Sozialismus und am modernen Fortschrittsglauben in der Dramaturgie eines gut erzählten Märchens konfrontiert werden, ist eine Meisterleistung. „Selbstverständlich wussten wir, wo wir es ein bisschen härter angehen konnten und wo wir vorsichtiger sein müssen, damit Filme überhaupt gezeigt werden konnten“, sagt Vorlicek. „Wir arbeiteten unter dem Druck der Selbstzensur.“

„Die Märchenbraut“: Die Fantasy-Kinderserie entstand 1979 bis 1981.

Nicht alle verstanden das, nicht alle lachten an den richtigen Stellen. „Das war Teil des Spiels, denn wir haben Filme für Intelligente gemacht und nicht für die Straße.“ Andererseits schufen die Filmemacher aus der Tschechoslowakei mit der „Märchenbraut“, der Fernsehfilm-Adaption „Zauberrabe Rumburak“ und der Fortsetzung „Die Rückkehr der Märchenbraut“ von 1990 einen Gegenentwurf zum amerikanischen Disney-Märchenfilm. Es ist eine Freude, Kinder dabei zu beobachten, wie sie Macoureks und Vorliceks Weltentwürfe übernehmen. Filmfiguren wie Anna und Elsa aus der „Eiskönigin“ taugen als Merchandising-Ikonen, lassen sich aber nicht so gut spielen. Vollendete Helden regen die Phantasie weniger an.

„Bei Disneyfilmen wandeln sich Figuren je nach Bedarf um“, sagt Vorlicek. „Wenn die Figur singen soll, beginnt sie zu singen. Bei uns war das anders. Wir wollten es immer realistisch. Zwar haben wir eine Phantasiewelt geschaffen, aber wir wollten sie zuerst den Kindern erklären, damit sie sie vollständig verstehen.“ Insofern sind ihre Filme wie eine echte Welt, in der Dinge widerspruchsfrei geschehen. „Wenn wir die Zuschauer davon überzeugt hatten, dass Unsinn wirklich geschehen kann, dann war das für uns die Basis, dass Zuschauer mitmachen und es für sie amüsant ist.“

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