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Porträt Václav Vorlícek : Aschenbrödels Vater

Diese Motiv-Quelle versiegte nicht, auch wenn der Prager Frühling sie zu Teilen schloss. Die Idee, Comicfiguren und reale Menschen zu mischen, ließ ihn nicht los. Im Macoureks Wochenendhaus phantasierten sie los. „Wir stellten uns gegenseitig unsere Ideen vor, und immer wenn der andere dabei lachte, sagten wir: Okay, das nehmen wir auf. Auf dieser Basis entstanden viele Filme.“ Vor allem als Gert K. Müntefering vom WDR auf sie aufmerksam wurde, half ihnen die Sammlung. „Wenn uns mal Ideen fehlten, haben wir uns daraus etwas genommen.“

Der erste Film aus dieser Kooperation war „Saxana - Das Mädchen auf dem Besenstiel“ von 1972. Eine junge Hexe lernt ihr Handwerk in einer Zauberschule. Als sie beim Spicken erwischt wird, muss sie zur Strafe 300 Jahre lang nachsitzen. Darauf hat sie aber keine Lust und flüchtet in die Menschenwelt, nachdem der Schul-Hausmeister (gespielt vom unverwüstlichen Vladimir Mensik, der bis zu seinem Tod 1988 in fast allen Filmen Vorliceks auftritt) ihr das Zauberlexikon reicht. Eine Hexe aus dem Zauberreich in der Menschenwelt: Das führt zu Chaos. In einer Schule verzaubert sie Lehrer in Kaninchen. Gleichzeitig entdecken Kinder die Vorzüge des Zauberlexikons. Am Ende werden der Hausmeister und die Hexe vor die Wahl gestellt: Strafe und Rückkehr ins Zauberreich oder Verlust der Zauberkraft und Verbleib in der Menschenwelt. Beide entscheiden sich für ein Leben als Mensch, doch Saxana vergisst das sogleich, will Unheil verhindern und springt aus dem Klassenzimmer –mit schmerzhaften Folgen.

„Ich habe immer eine Idee“

„Wir haben ein Angebot bekommen, einen Film über eine junge Hexe zu drehen“, erzählt der Regisseur. Doch was sollten sie damit anfangen? Vorgabe war, dass die Hexe regelmäßig über eine Kaserne fliegt. „Wir dachten uns ein Märchenreich aus. Das sollte 30 Meter unter der Erdoberfläche liegen und 100 Kilometer von Prag.“ Die Idee des Märchenreichs gefiel ihnen so gut, dass es später einer der Handlungsorte einer Fernsehserie wurde.

„Saxana – Das Mädchen auf dem Besenstiel“: Der Märchenfilm wurde 1972 gedreht.

Das Setting des „Saxana“-Films erinnert an Joanne K. Rowlings Bestsellerreihe „Harry Potter“, deren erster Band 1997 erschienen ist. Andere trugen regelrechte Plagiatskämpfe gegen sie aus, Vorlicek schmunzelt nur. Sein Werk, sagt er, könnte sie bei einem Jugendfilmfestival in London gesehen haben. „Es ist nicht auszuschließen, dass die acht- oder zehnjährige Joanne K. Rowling bei diesem Gratis-Festival saß und sich inspirieren ließ. Das ist aber nur eine Theorie.“

Dann bekam er das Angebot, die tschechische Variante des Grimmschen Aschenputtel-Märchens zu drehen. Die DDR-Filmstudios Defa verlangten, den Film im Winter zu drehen, weil die Schauspieler dann nicht ausgelastet seien. Selten gab es eine so emanzipierte weibliche Märchenfigur wie in der Drehbuchfassung von Frantisek Pavlicek. „Der Vater hatte einen Jungen gewollt, bekam aber ein Mädchen“, sagt Vorlicek. „Trotzdem zog er das Mädchen wie einen Jungen groß und brachte ihr Reiten und Schießen bei. Dadurch entstand diese stolze, mutige und geschickte Figur Aschenbrödel.“

Die literarische Vorlage, Pavliceks Drehbuch, der Einfluss der Defa: Wie viel vom Aschenbrödel ist noch seine Leistung? Empfindet er seine eigenen Stoffe wie „Saxana“, „Arabela“ oder „Ferdinand“ eher als sein Werk? „Nein“, antwortet Vorlicek. „Ich habe immer eine Idee, die ich verwirklichen will.“

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