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Porträt Václav Vorlícek : Aschenbrödels Vater

Er erkannte, dass für Kinder ein Genre fehlte, das bei Erwachsenen sehr beliebt war: Kriminal- und Detektivgeschichten. Aus diesem Gedanken entstand im Jahr 1959 sein erster Film, dessen Titel übersetzt „Faltblättchen“ heißt. Es geht um einen Jungen, dessen Idol Sherlock Holmes ist und der den Diebstahl von Marionetten aufklären soll.

Langsam etablierte sich Vorlicek als Regisseur. Der Film „Wer will Jessie umbringen?“ und seine Agentenparodie wurden in den sechziger Jahren zu Erfolgen, auch im Ausland. Eine Zeitlang lebte er sogar in New York, doch ein Umzug war mit vierköpfiger Familie nicht denkbar. So entwickelte er ein Gespür für die internationale Anschlussfähigkeit der Produktionen. „Das Lachen der Zuschauer ist der Motor meiner Arbeit“, sagt er. Und gelacht wird über seine Filme überall. „Ich beobachtete einmal in Indien, an welchen Stellen die Zuschauer lachten“, sagt der Regisseur. „Ich saß in einem Kinosaal bei 40 Grad, und die Leute lachten an denselben Stellen wie in unserem Kino.“ Er lernte daraus. Seine Filmkomödien gehörten zu seinen meist-verkauften Arbeiten. Bis heute spürt er das auf dem Konto. Der Sozialismus konnte es nicht verhindern.

Eine andere Welt

Bei Kriegsende war er 15 Jahre alt. Er erinnerte sich noch an eine freiheitliche Vergangenheit während der Ersten Republik und vor der Besetzung durch die Nationalsozialisten im Jahr 1939. „Wir hatten das Gefühl, dass uns etwas aufgezwungen wurde, das wir bis zum Alter von 15 Jahren nicht so erlebt hatten“, sagt er. „Gegen diesen Druck haben wir uns gewehrt. Ab und zu mussten wir das versteckt oder heimlich machen.“ Man merkt es der Serie „Die Märchenbraut“ an.

„Max, Susi und das magische Telefon“: Der Fantasyfilm kam 2001 in die Kinos.

Entscheidend geprägt wurde er von den Comic-Magazinen, die amerikanische Soldaten 1945 ins Land brachten. „Ich hatte Verwandte in den von den Amerikanern besetzten Gebieten“, erinnert er sich. Sein Cousin schickte ihm ein Foto von sich auf einem amerikanischen Panzer. Nach der Befreiung machte er sich nach Westen auf. „Die amerikanischen Soldaten interessierten sich vor allem für Alkohol und junge Frauen.“ So blieben den Jugendlichen die Zeitschriften.

Er bestaunte eine andere Welt: Märchengeschichten und Storys, Comics und Epen. Viele handelten vom Krieg im Pazifikraum, der im Sommer 1945 noch nicht beendet war. „Die Piloten bombardierten damals Japan. Wir hatten nur Deutsch und ein bisschen Französisch gelernt, mein Vater aber konnte ein bisschen Englisch und half uns dabei, die Geschichten zu übersetzen. Für uns hörte sich das etwa so an: Ich fliege auf einer Höhe von 2000 Metern, über mir fliegt ein kleiner japanischer Bastard. Immer waren das nur ,Bastards'. Dieser Slang hat uns gut gefallen.“

Auch seine Figuren sollten später Grenzerfahrungen zwischen andersartigen Welten erleben. Zum ersten Mal findet sich dieses Motiv im Jahr 1966. „Ich wollte Comicfiguren beleben und sie mit echten Menschen zusammenbringen“, sagt Vorlicek. Für seinen Spielfilm „Wer will Jessie umbringen?“ kam er zum ersten Mal mit dem Drehbuchautor Milos Macourek zusammen. Superhelden, knapp bekleidete Blondinen, Sprechblasen, Zauberpillen aus einer Traumwelt, die in der realen Welt ihre Wirkung entfalten: Das war ihre Adaption der Comicwelt, ein Schritt in eine faszinierende Konfrontation – reale Welt prallt auf Phantasiewelt, daraus entstehen die Verwicklungen.

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