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Philosophin im Gespräch : „Geschwister sucht man sich nicht aus – das kann uns moralisch überfordern“

Die Welt blickt gerne auf das royale Geschwisterpaar – und analysiert deren Beziehung auch mal aus der Fernne: Prinz Harry (links) und Prinz William Bild: AFP

Gibt es Rechte und Pflichten zwischen Geschwistern – obwohl man sich die Rolle als Schwester oder Bruder nicht ausgesucht hat? Philosophin Léonie Droste sucht nach Antworten.

          5 Min.

          Frau Droste, haben Sie Geschwister?

          Eva Schläfer
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ja, zwei Brüder. Mit meinem drei Jahre älteren Bruder habe ich die Kindheit geteilt, er begleitet mich schon mein ganzes Leben lang. Und ich habe einen zweijährigen Halbbruder, der stolze zweiunddreißig Jahre jünger ist als ich. Ich bekomme seine Kindheit mit, er aber natürlich nicht meine. Das zeigt, dass Geschwisterbeziehung nicht gleich Geschwisterbeziehung ist. Bestimmte Konflikte, wie den Streit um Spielzeug, werde ich mit ihm nicht erleben.

          Was bedeuten Ihnen Ihre ­Geschwister?

          Ich bin sehr dankbar dafür, dass es sie gibt! Die Beziehung zu meinem älteren Bruder zeichnet sich dadurch aus, dass wir über viele Jahre die Entwicklung des anderen miterlebt haben. In jüngeren Jahren war ich die klassische kleine Schwester, die sich immer gewünscht hat, dass der große Bruder sie mal irgendwohin mitnimmt. Diesen Gefallen hat er mir eher nicht getan. Aber seit wir beide unser Elternhaus verlassen haben und in unterschiedlichen Städten wohnen, haben wir recht engen Kontakt. Natürlich tragen wir auch Konflikte aus, da wir teilweise mit sehr unterschiedlichen Perspektiven auf die Welt blicken. Dadurch erfahre ich Dinge, die ich im Gespräch mit Freunden so nicht erfahren würde, weil wir berufliche Erfahrungen oder politische Überzeugungen teilen. Die Beziehung zu meinem kleinen Bruder ist vor allem von meiner Neugierde geprägt, was für ein Mensch er ist und welche Interessen und Einstellungen er mal haben wird.

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