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Visagist der jungen Stars : Einfach nur schön

Das Arbeitsmaterial des Visagisten Philipp Verheyen besteht aus Pinseln, Tinkturen und Puder.
Das Arbeitsmaterial des Visagisten Philipp Verheyen besteht aus Pinseln, Tinkturen und Puder. : Bild: Jens Gyarmaty

„Früher war das verpönt“, sagt Philipp Verheyen. Auch heute noch hielten viele Filmproduzenten den persönlichen Visagisten ihrer Stars für eine verzichtbare Investition. Die Medien scheinen die professionelle Aufhübschung erklärter Traumfrauen mitunter als nicht hinnehmbare Entzauberung zu betrachten. Nur so ist die Häme zu erklären, mit der die österreichische Presse über Bar Refaeli herfiel, nur weil Verheyen dem israelischen Topmodel in Wien für alle sichtbar kurz vor dem großen Auftritt den Sitz der Haare korrigiert hatte. „Man erwartet von Schauspielerinnen, dass sie gut aussehen auf dem roten Teppich. Aber wo das herkommt, dass man so nicht aussieht, wenn man aufsteht - das ist in Deutschland immer noch nicht angekommen“, sagt Verheyen. Makellosigkeit aber sei kein Geschenk des Himmels, sondern eine Illusion, die er herzustellen helfe: „Wenn eine Frau auf dem roten Teppich ungeschminkt aussieht, ist sie es nie.“

Ein eleganter Auftritt ist immer eine Erwähnung wert

Die jungen Frauen in der Filmbranche haben dieses Prinzip als Erste begriffen und lassen sich bei wichtigen Terminen nun freiwillig von Verheyen daran erinnern, sich am Abend vorher die Nägel abzulackieren, ausreichend zu schlafen, viel zu trinken und vielleicht eine Maske aufzulegen. Sie unterwerfen sich dem Perfektionsdruck, nicht nur, weil ein professionelles Make-up wie eine Teflon-Beschichtung schützen kann gegen die öffentliche Gier nach immer intimeren Personality-Storys. Schauspielerinnen nutzen die Berichterstattung in Frauen- und Stilmagazinen auch für ihre Vermarktung. Da schreibt die „Instyle“ vielleicht nicht über den neuesten Film. Aber ein eleganter Auftritt ist immer eine Erwähnung wert. „Wenn du gut aussiehst und einen guten Look hast, wirst du auch gedruckt“, sagt Verheyen, „das ist auch Werbung.“

Für Männer gelten andere Gesetze. Männer, sagt Philipp Verheyen, verpassten sich mit einem einzigen, von niemandem nachzuahmenden Griff in die Haare den Look ihrer Wahl. Und während bei Frauen das gesamte Gesicht bemalt werde, müssten Männer lediglich ein bisschen frisch aussehen: ein Hauch Puder, Augenschatten ade - fertig ist der Kerl.

Der Visagist hat Paula Beer Meerwasserspray in die Locken geknetet und einzelne Strähnen mit Haarspray fixiert. Er hat ihr die Nägel gefeilt und blassrosa Lack aufgetragen. Vier, maximal fünf verschiedene Looks wollen sie an diesem Winterdienstag schaffen. Beer, aber auch der Fotograf und die Stylistin planen die Nutzung für eigene Zwecke. Die Schauspielerin trägt jetzt ein schwarzes Minikleid aus Lurex, das aussieht wie eine Mischung aus Kunstpelz und Weihnachtsdeko. Die Stylistin hat ihr Schmuck angesteckt. Die letzten Handgriffe vor dem Shooting jedoch gehören Philipp Verheyen. Ein schimmerndes Bodybalm für den bloßen Rücken und die Beine. Positionskorrektur für die Strähnchen, die wie zufällig in die Stirn spielen. Alles perfekt, oder, wie Verheyen seinen Stil beschreiben würde: „Einfach nur schön.“

Sieben Tipps von Philip Verheyen

1. Trend: Augen pur. Im Fokus steht das Lid, die unteren Wimpern bleiben ungetuscht und werden eventuell sogar mit Foundation abgedeckt. So wirkt das Auge ungeschminkt, der Blick klar.

2. Lieblingsprodukt: Lipbalm Hydra Beauty von Chanel. Pflege und Glanz in einem. Geht immer.

3. Technik I: Produkte immer einklopfen, das polstert auf. Auf keinen Fall - in die ersten Fältchen hinein - reiben!

4. Must-have für den Alltag - auch für den Mann: ein guter Concealer.

5. Must-have für den Abend: Highlighter. Gibt es in cremiger Konsistenz oder pudrig. Gehört auf den Nasenrücken und in den inneren Punkt des Auges. Raffiniert: Eine kleine Stelle, oberhalb der Lippe einseitig aufgetragen, sorgt für Lichtreflexe.

6. Technik II: Augenbrauen kaum zupfen, nur dezent in der natürlichen Farbe nachzeichnen. Dann mit einem Bürstchen und Gel in Form bringen.

7. „Jede Frau muss ihre Beine schminken. Immer!“, sagt Philipp Verheyen. Wer für nackte Beine keine Spezialprodukte kaufen will, die den Schimmer ultradünner Strumpfhosen imitieren, mischt drei Tropfen Foundation in die Bodylotion.

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