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Visagist der jungen Stars : Einfach nur schön

Der Visagist steht hinter der Schauspielerin und streicht mit zwei Wattepads über die Haut von der Stirn zu den Wangen. Erst einmal abschminken. Der Tisch vor ihm sieht aus wie die Auslage eines gut sortierten Kosmetikgeschäfts. Drei Sorten Wattestäbchen mit unterschiedlich dicken Köpfchen, ein gutes Dutzend Pinsel. Dazu zwei Handvoll Tiegel, akkurat nebeneinander aufgereiht, mit puderartigem Inhalt. Die Farbpalette reicht von Rosé über Creme und Karamell bis Nuss.

Verheyen hat am Abend zuvor Töne und Schattierungen, die zum Teint der Schauspielerin passen, in seinen Arbeitskoffer gepackt - ein Hartschalenmodell, groß genug, dass man auch Urlaubsgepäck für zwei Wochen darin unterbringen könnte. Die Kosmetikprodukte stellt ihm das Haus Chanel zur Verfügung. Falls er etwas Außergewöhnliches benötigt, kann er es vorher bestellen: „Man hat nicht immer alles in Glitzerpink.“

,,Puder hasse ich. Puder nur auf dem roten Teppich.“

Eincremen. Concealer unter die Augen. Dann trägt der Visagist Foundation auf. Bloß keinen Puder - „Puder hasse ich. Puder nur auf dem roten Teppich.“ Man solle schließlich die Haut atmen sehen können. Dafür Contouring. Was das ist? Verheyen lacht. „Das ist das, was Kim Kardashian immer zu viel macht“, sagt er. Also ein Schatten, ein bis zwei Nuancen dunkler als der natürliche Hautton, der am Rand der Wangen aufgetragen und in den Haaransatz hineingepinselt wird, damit die Übergänge organischer wirken und das Gesicht an Plastizität gewinnt.

Verheyen schminkt Schauspielerinnen für Auftritte, zum Beispiel auf dem roten Teppich
Verheyen schminkt Schauspielerinnen für Auftritte, zum Beispiel auf dem roten Teppich : Bild: Jens Gyarmaty

Zum Schluss setzt Verheyen Lichtakzente mit sogenanntem Highlighter entlang des Nasenrückens, auf den Wangenknochen. Die Augen bleiben ungeschminkt. Nur die Wimpern tuscht er, in Braun, weil der Kontrast dann weicher wirkt. Die Brauen werden sorgfältig nachgezeichnet, gebürstet und gegelt. Auf die Lippen ein bisschen Rouge, sonst nichts.

Rosé,Pink, Karamell, Verheyens Ausrüstung
Rosé,Pink, Karamell, Verheyens Ausrüstung : Bild: Jens Gyarmaty

Derweil plaudert der Visagist mit Beer über ihre jüngste Filmpremiere in Moskau, seine neue Wohnung und einen Late-Night-Auftritt der gemeinsamen Freundin Haase. Sie zeigt ihm Handyfotos. Er begeistert sich für ihre asymmetrischen Grübchen. Wie beiläufig tupfen seine Finger über ihre Haut. Sie sitzt, er steht, aber selbst wenn er mit dem Pinsel über ihre Wangen streicht, fällt kaum auf, dass er am Arbeiten ist und dass sein Job ein ungewöhnlich intimer ist. Dabei reden die beiden nicht einmal darüber, was er gerade tut. Verheyen macht einfach. „Ich kenne sie ja“, sagt er. Es klingt fast entschuldigend.

Frauen vertrauen auf seinen Geschmack

Das ist der Kern des Konzepts. Durch die regelmäßige Zusammenarbeit weiß Verheyen, wie seine Kundinnen aussehen können und wie sie sich am wohlsten fühlen. Über die Schauspielerin Beer zum Beispiel sagt Verheyen, ihr Gesicht sei auch ohne künstliche Verstärkung ungewöhnlich ausdrucksstark, außerdem sei sie einfach sehr jung. „Ich finde, dass Paula viel Make-up nicht steht.“ Frauen, die er schminkt, vertrauen auf seinen Geschmack. Zugleich entstehen freundschaftliche Beziehungen.

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