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Ohne Schuhe : Auf nackten Sohlen unterwegs

  • -Aktualisiert am

Gehen mit nackten Füßen stärkt Muskeln, Sehnen und Bänder, wenn sich der Fuß an unterschiedliche Untergründe anpassen muss. Bild: F1online

Sommerzeit ist Barfußzeit: Beim Spaziergang am Strand ziehen wir die Schuhe aus. Doch auch im Alltag könnte mehr Freiheit unseren Füßen gut tun.

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          Warum ist Barfußgehen für die Füße gut?

          Gehen mit nackten Füßen ist ein natürliches Kräftigungsprogramm. Es stärkt Muskeln, Sehnen und Bänder, wenn sich der Fuß an unterschiedliche Untergründe wie Waldwege, Sand und Kieselboden anpassen muss und mehr durchbewegt wird. Für längere Spaziergänge ohne Schuhe am besten geeignet sind weiche Untergründe wie Wiesen, weil die Ferse dann nicht so starke Stöße abfangen muss wie auf Asphalt.

          Barfußgehen kann auch bei Fußfehlstellungen wie dem Knick-Senkfuß helfen, wenn diese aus einer geschwächten Fußmuskulatur resultieren. Wer einen Knick-Senkfuß hat, kippt beim Laufen zu sehr nach innen. Das führt zu Fehlbelastungen, die sich bis zur Wirbelsäule fortsetzen und Rückenschmerzen auslösen können. Neben Einlagen, die den Fuß stützen, kann Barfußgehen als Kräftigungstraining den Fuß wieder in die richtige Bahn lenken, berichtet der Wuppertaler Orthopäde Jörn Dohle.

          Ein weiterer Vorteil des Barfußgehens: Man quetscht seine Füße nicht in zu enge Schuhe, die das komplexe Bewegungskonstrukt des Fußes mit seinen 26 Knochen, 33 Gelenken und über 100 Bändern aus dem Gleichgewicht bringen. Als mögliche Folge von Fehlbelastungen durch falsches Schuhwerk kennen Frauen Krallen- oder Hammerzehen sowie den Ballenzeh (“Hallux Valgus“), bei dem der Ballen des großen Zehs nach außen wegsteht. Wer oft High Heels trägt, riskiert zudem, dass sich die Wadenmuskulatur und die Achillessehne verkürzen. Barfußgehen kann dem entgegenwirken, weil die Wadenmuskulatur gedehnt wird.

          Laufen wir barfuß anders?

          Der Fuß rollt beim Gehen natürlicherweise von der Außenseite der Ferse zur großen Zehe ab. Ein steifer Schuh kann das behindern. Barfuß ist man weniger geneigt, die Ferse übermäßig hart auf dem Boden aufzusetzen, weil es keinen Schuh gibt, der die Stöße abfängt.

          Auch im Laufsport ist dieser unerwünschte Nebeneffekt von gedämpften Schuhen bekannt: Die meisten Jogger sind Fersenläufer, kommen also bei jedem Schritt zuerst mit der Hacke auf und rollen auf den Boden nach vorne ab. An Laufschuhen mit dicken Luftkissen wird häufig kritisiert, dass sie den Sportler dazu einladen, heftiger mit der Ferse aufzusetzen als nötig. Das geht auf die Gelenke. Folgt man den Argumenten des Harvard-Wissenschaftlers Daniel Lieberman, könnte Barfußlaufen Sportler vor solchen übertriebenen Stößen bewahren.

          Der Evolutionsbiologe geht davon aus, dass Leute, die seit jeher keine Schuhe tragen, beim Rennen eher mit dem Ballen als mit der Ferse aufkommen, was die Stoßbelastung reduziere. Wer barfuß über eine Wiese rennt, wird in der Tat feststellen, dass er eher mit dem Mittelfuß oder dem Ballen aufsetzt als mit der Ferse. Ob das allerdings der natürliche, effektivste und gesündeste Laufstil ist, bleibt umstritten und hängt unter anderem von der Laufdistanz ab. Für den Sprint ist der Ballenlauf perfekt, einen Marathon läuft damit kein Mensch.

          Holt man sich mit blanken Füßen keine Erkältung?

          Im Gegenteil, Barfußgehen stärkt das Immunsystem. Schon der Naturheilkundler Sebastian Kneipp empfahl: Kurz raus ins taufrische Gras oder den Schnee, dann die Füße trocken rubbeln und warm einpacken. Kurze Kältereize kräftigen die Abwehr. Wenn wir unser vegetatives System zwingen, sich an andere Temperaturen anzupassen, bleibt es funktionsfähig. Eine Erkältung droht eher dann, wenn die Füße auskühlen, weil man sich nicht bewegt.

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