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Feine Wässerchen : Palazzo Parfum

Gründerin Simone Cosac – von Beruf Juristin – rührte bereits als Kind Tinkturen zusammen. Bild: Hersteller

In einem 500 Jahre alten florentinischen Garten duftet es ätherisch bis floral. Simone Cosac regte das zu einer Duftlinie an, die den frischen Esprit der Nischen-Beauty versprüht.

          4 Min.

          Was wäre diese Parfum-Marke ohne den florentinischen Garten? In diesem Garten lodert es – scheinbar. Simone Cosac und ihr Mann hatten gerade die jahrelangen Renovierungsarbeiten an ihrer historischen Villa am Rande von Florenz abgeschlossen, sie lebten in diesem riesigen Palazzo mit seinen 5000 Quadratmetern, mit Räumen, die so groß und deren Wände so hoch waren, dass ihre Einrichtungsgegenstände darin aussahen wie Barbie-Spielzeug, als Cosac eines Abends im Garten etwas knallorangefarbenes entdeckte. „Es war so hell wie Feuer, ich dachte schon an einen Brand“, erzählt die Brasilianerin auf einem Besuch in Frankfurt.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es wäre keine Überraschung gewesen, wenn auch die florentinische Hitze damals den Garten zum Lodern gebracht hätte, die Orangenbäume, Jasminsträucher, die mehr als tausend Olivenbäume, die dort stehen. Was macht man mit dem Öl aus so vielen Oliven? Wenn es dazu im Garten ätherisch duftet, mal nach Kardamom, mal blumig? Das natürliche Parfum des Gartens brachte Cosac auf eine Idee: Warum nicht eine eigene Parfum-Linie gründen, inspiriert vom Garten? Selbst das Olivenöl sollte seinen Platz in den Flakons haben. „Alle sagten mir, man müsse Mandelöl verwenden“, sagt sie und lacht. „Es hat ein Jahr gedauert, bis die Duftstoffe zum Olivenöl gepasst haben.“

          Persönliche Geschichte bei Nischen-Parfums wichtig

          Simone Cosac verkörpert das Bild, das man von einer Frau haben könnte, die eine Linie mit Nischen-Parfums erfindet. Sie wohnt sogar selbst in dieser Welt, in dem Palazzo mit Garten, von dem aus man über ganz Florenz schauen kann, in der Geschichte zu ihrer kleinen Duftlinie, die gerade mal ein Jahr alt ist. Die persönliche Erzählung ist wichtig, wenn man heute zwischen den Konzerngiganten und den kleinen Marken, von denen es immer mehr gibt, nicht übersehen werden will.

          Inspiriert werden die Düfte von dem Garten der florentinischen Villa la Tana, die Cosac heute bewohnt. Bilderstrecke
          Inspiriert werden die Düfte von dem Garten der florentinischen Villa la Tana, die Cosac heute bewohnt. :

          Obwohl die Gefahr bei dieser Frau kaum besteht. Simone Cosac, 53 Jahre alt, trägt selbst bei Hitze High Heels, ist 1,80 Meter groß, sieht blendend aus und trägt eine tolle schwarze Spitzenbluse. Von Berufs wegen – sie ist Juristin – kann sie zudem ausgezeichnet argumentieren – und erzählen. Zum Beispiel die Geschichte von Bianca Cappello, der venezianischen Maîtresse und späteren Renaissancefürstin, und Francesco de' Medici, die einst ausgerechnet in ihrer Villa, der Villa la Tana, lebten. Bianca floh im Alter von 16 Jahren aus Venedig. „Ihr Vater wollte sie mit einem alten schrecklichen Mann verheiraten. Aber als sie in Florenz ankam, merkte sie, dass der neue junge schöne Mann in Wahrheit ein Lügner war, er besaß gar nichts.“

          Die Geschichte klingt wie ein Märchen: Großherzog Cosimo I. nahm sich der Sache an, „zu der Zeit der zweitwichtigste Mann der Welt“. Er schickte seinen Sohn, Francesco, verheiratet mit Johanna von Österreich, der sich um Bianca kümmern sollte. Francesco kümmerte sich gut, zu gut. „Er hat sich total in Bianca verliebt“, erzählt Cosac. Francesco und Bianca begannen eine Affäre und gaben ihre Ehe 1579 auch offiziell bekannt, kurz nach dem Tod von Johanna von Österreich.

          Eine Geschichte in sechs Düften

          „Aber natürlich wussten alle damals bereits von dem Paar. Sie liebten Johanna und hassten Bianca. Spätestens nachdem ich von dieser Liebesgeschichte erfahren habe, die sich da bei uns in der Villa ereignet hatte, in diesem 500 Jahre alten Garten, wusste ich, dass das eine Geschichte ist.“ Eine, die sich auch in sechs Düften erzählen lässt. So viele sind es – bis jetzt.

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