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Drei Frauen erzählen : „Man hat mir gesagt: Du bist schön – für eine Schwarze“

  • -Aktualisiert am

Nikeata Thompson ist Tänzerin, Choreographin und Agenturinhaberin Bild: Julia Zimmermann

Drei Frauen, die sich heute beruflich mit dem Thema Schönheit beschäftigen, erzählen über ihren Umgang mit der eigenen Hautfarbe – und über das Erwachsenwerden unter besonderer Beobachtung.

          7 Min.

          ANNA BALTRUSCHAT

          Mein Papa kommt aus Ghana, meine Mama aus Deutschland. Ich bin in Deutschland geboren und in einem schwäbischen Haushalt sozialisiert worden. Ich habe lange nicht gemerkt, dass ich aufgrund der Hautfarbe anders wahrgenommen werde. Als Kind ist einem nicht bewusst, was da auf einen zurollt.

          Die ersten Berührungspunkte mit dem Anderssein hat man schon im Kindergarten, wenn einem andere Kinder Dinge sagen, die man nicht hören will. Wo man dann merkt: Aha, wir sind nicht alle gleich. Meine Puppen waren weiß, meine Barbies waren weiß, meine Freundinnen waren weiß. Also habe ich auch zu Britney Spears aufgeschaut. Schwarze Vorbilder gab es auch nicht so viele wie heute. Ja, auf MTV gab es Musikvideos mit Frauen mit Afro, und vereinzelt hat man sich gedacht: Schau an, es gibt Frauen, die irgendwie so sind wie du. Ich habe aber nicht unbedingt ein Vorbild gesucht oder gebraucht. Nur jemanden, der in der Öffentlichkeit steht und sagt: Diesen Schritten musst du folgen, und dann hast du eine Flechtfrisur. Oder diese Steps, und dann sitzen die Haare. Oder so tut's nicht weh beim Kämmen. Das hätte mir unfassbar geholfen.

          In der Pubertät habe ich dann gemerkt: Okay, meine Haarstruktur ist anders als die meiner Freundinnen. Ich hatte als Kind keine schwarzen Freundinnen, nur eine schwarze Schwester, aber die war jünger als ich. Es war schwierig, überhaupt Informationen über Haarpflege zu bekommen. Es gab damals keine Youtube-Kanäle, auf denen erklärt wurde, wie man Afrohaar pflegt. Wenn meine Mutter gewusst hätte, wie sie unsere Haare richtig pflegt, wäre es einfacher gewesen. So viel zur Vorgeschichte.

          Anna Baltruschat: „Das Gefühl, das ich hatte: nicht zu existieren.“
          Anna Baltruschat: „Das Gefühl, das ich hatte: nicht zu existieren.“ : Bild: Verena Müller

          Unbewusst habe ich mir also schon sehr lange die Frage gestellt: Warum wird mein Haartyp nicht analog zu allen anderen bedient und repräsentiert? Also zu blonden Haaren, glatten Haaren und so weiter. Mit 13, 14 Jahren habe ich die Haare zum Beispiel chemisch geglättet, ein sehr unangenehmer Prozess. Ich wollte aber am liebsten glatte, fliegende Haare haben. In dem Alter will man dazugehören, man orientiert sich an den Schönheitsidealen, die der Mainstream vorgibt. Und man hat ein ziemlich verkorkstes Bild von diesen Idealen.

          Das Haarpflegeproblem hat sich in mir aufgestaut. 2015 konnte ich dann meine Gedanken so sortieren, dass ich gemerkt habe: Im Einzelhandel ist es schwierig, Produkte zu finden. Wenn die Industrie in Deutschland da einen blinden Fleck hat, dann muss ich das eben selbst machen. Also habe ich zu recherchieren begonnen. Wie erschaffe ich überhaupt ein eigenes Haarprodukt? Mit welchen Herstellern kann ich zusammenarbeiten? Ich habe mir natürlich auch die amerikanischen Produkte angesehen, die es in Deutschland zu kaufen gab – da gibt es zwar ein paar gute, aber auch viel Frustrationspotential. Wenn ich mal ein gutes Produkt gefunden hatte, dann war es in den Afroshops meist ausverkauft oder sehr teuer.

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