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Ökologische Pflegeprodukte : Hautsache Bio

  • -Aktualisiert am

Kleinteiliger Charme: Das Geschäft der Kosmetikmarke Graine de Pastel im Marais in Paris. Bild: Helmut Fricke

Nicht nur Konzerne machen Parfums und Pflegeprodukte. Auch in der Beautybranche geht der Trend zu Nischenprodukten – und diese Sonderlinge haben ihren Preis.

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          LAB, REN, SEPAI, A4 - was sich liest wie kryptische Abkürzungen für Pharmarezepturen, sind Namen exklusiver Beauty-Linien, die im Badezimmer immer öfter gängige Marken großer Kosmetik-Konzerne verdrängen. Die Tiegel rufen schon mit vielversprechenden Namen Glücksgefühle hervor. Wer bräuchte nicht mal "Dragon's Blood" oder "Morning Beauty Rescue"?

          Das Geschäft mit den Nischenprodukten wächst. "In den letzten drei bis fünf Jahren ist dieser Markt förmlich explodiert", sagt die Münchnerin Ala Zander, die sich vor elf Jahren mit ihrer PR-Agentur Stilart auf die Vermarktung exklusiver Beauty-Produkte spezialisiert hat. "Damals haben mich alle belächelt."

          Heute zählen wichtige Namen der Beauty-Branche zu ihren Kunden: Rodial, Verso, Dr. Jackson's, The Organic Pharmacy, Dr. Dennis Cross, L:A Bruket, Peter Thomas Roth, Sunday Riley. Bei Beauty-Liebhaberinnen haben sie ungefähr einen Status wie Maybach, Maserati oder Bentley bei Auto-Fans.

          Trend zum individuellen Duft

          Der Trend begann mit individuellen Düften. Wenn plötzlich die Kollegin oder die Nachbarin das gleiche Parfum benutzt, wächst der Wunsch nach einer Abwechslung. Längst stehen bei Douglas im Regal exquisite Namen wie Jo Malone neben Jil Sander, L'Artisan Parfumeur neben Laura Biagotti, Annick Goutal neben Armani. "Der Trend zu individuellen Produkten ist ganz klar da", sagt Antje Brüne, Sprecherin des Deutschen Kosmetikverbands. "Beim Thema Pflege ist das allerdings noch viel mehr eine Nische als bei Düften. Die meisten dieser Marken haben im Vertrieb eine hochselektive Strategie."

          Das heißt: Sie sind nicht in jeder Filiale der großen Parfumketten zu haben, sondern auf Online-Portalen wie Greenglam, Niche beauty, Concept-Stores oder in ausgesuchten Fachgeschäften. So zählt Ludwig Beck in München mit rund 150 Marken und 15.000 Produkten zwischen 20 und 2000 Euro zu den führenden Nischen-Beauty-Häusern in Deutschland.

          Hellseherin der Branche

          Seit Ende 2012 kann man dort die Produkte auch über das Internet kaufen. "Das Bewusstsein der Verbraucherinnen hat sich verändert", sagt Ines Ganz, die den Online-Shop verantwortet und als eine Art Hellseherin der Branche gilt. Sie holte die Naturkosmetik von Aesop aus Melbourne nach Deutschland, als man bei dem Thema hier noch an Reformhäuser dachte. Auch Kiehl's, Aveda und Mac führte Ludwig Beck in Deutschland ein.

          Ines Ganz erinnert sich, wie schwer die ersten drei Jahre mit Aesop waren. "Der zur damaligen Zeit sehr eigene Geruch, die ungewöhnliche Verpackung - das war neu für die Kundin. Die Produkte haben sich aber im Laufe der Jahre sehr stark weiterentwickelt. Heute zählt Aesop zu einer unserer erfolgreichsten Marken."

          Aesop ist nicht die einzige Marke, die auf der Erfolgswelle nachhaltiger Pflegeprodukte schwimmt. Mit dem Trend zu Bio-Food, viel Sport und der richtigen "Work-Life-Balance" hat ein neues Bewusstsein in der Hautpflege eingesetzt. Wer wissen möchte, was er isst, möchte auch wissen, was er seiner Haut zufügt. Die deutschen Kundinnen seien gut informiert und an den Inhaltsstoffen interessiert, sagt Ines Ganz. Internationale Kundinnen hingegen orientierten sich stärker an den Labels.

          Die französische Antwort

          The Organic Pharmacy baut ebenfalls auf nachhaltige Inhaltsstoffe. Margo Marrone, Gründerin und Inhaberin, ist gelernte Apothekerin und Homöopathin. Lange suchte sie vergeblich nach pflanzlichen Produkten, die ihren Anspruch an Textur, Duft und Design erfüllten. So gründete sie 2000 ihr eigenes Label.

          Zwei Jahre später eröffnete sie an der King's Road in London ihr erstes eigenes Geschäft - eine neue ästhethische Kombination aus Apotheke und Fachhandel, für die auch Aesop und Dr. Jackson's stehen, ein weiteres britisches Label. Mittlerweile gibt es mehrere Filialen von The Organic Pharmacy in London, Seoul, Abu Dhabi, New York und Los Angeles. Zu den prominentesten Kundinnen zählen die Schauspielerinnen Gwyneth Paltrow und Naomi Watts.

          Vive la nature: Graine de Pastel benutzt für seine Pflegeprodukte seltene Samen.
          Vive la nature: Graine de Pastel benutzt für seine Pflegeprodukte seltene Samen. : Bild: Helmut Fricke

          La Graine de Pastel ist die französische Antwort auf den Trend zur Naturkosmetik. Carole de Garcia und Nathalie Juin, ebenfalls Apothekerin, starteten 2003 ihre Pflegeserie, die auf dem seltenen Pastellsamen basiert und in der Region von Toulouse angebaut wird. Auch ihre Produkte, erhältlich in eigenen Geschäften in Paris, Toulouse, Carcassonne und im Web-Shop, sind rein pflanzlich und suggerieren mit verspielter blau-weißer Verpackung und liebevoll eingerichteten Läden viel französisches Lebensgefühls.

          Je kleiner, desto glaubwürdiger

          Die Ästhetik ist nicht unerheblich bei der Kaufentscheidung - abgesehen davon, dass die Produkte natürlich frei von Parabenen, Erdölderivaten und möglichst ohne Konservierungs- und Farbstoffe sein sollten. Verso aus Skandinavien, deren Rezeptur auf Retinol, einer Form von Vitamin A basiert, hat mit minimalistischer Verpackung neue Standards gesetzt.

          Ob Apothekenflasche oder Designertiegel - die Glaubwürdigkeit dieser Firmen ist hoch. "Viele Verbraucher wissen, dass große Konzerne heute Millionen für Marketing und Werbung ausgeben, um Charlize Theron oder Julia Roberts als Werbegesichter zu gewinnen", sagt Ala Zander. "Bei kleineren Firmen haben sie das Gefühl, dass das Geld in erster Linie in die Produktentwicklung fließt."

          All die individuellen Cremes und Seren sind meist teurer als herkömmliche Produkte - aber niemanden scheint das zu stören. Die Preise für eine Anti-Aging-Creme bewegen sich häufig zwischen 100 und 200 Euro, nach oben gibt es kaum Grenzen. Das teuerste Serum bei Ludwig Beck kostet 2155 Euro, ist allerdings nur auf Bestellung erhältlich.

          Und es sollen nicht nur russische Kundinnen sein, die sich das gönnen. Ines Ganz hat für solche exklusiven Fälle ein einfaches Argument parat. "Ich sage immer zu meinen Kundinnen: Die Haut ist mit 1,8 Quadratmeter das größte Organ. Insofern ist es das teuerste Kleid, das Sie tragen können."

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