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Neue Parfums : So riecht der Sommer

Mehr als nur frisch: Sommerdüfte für Herren und Damen von Lancaster, Davidoff, Calvin Klein, Clarins, Issey Miyake, Jil Sander, Biotherm und Hermès (im Uhrzeigersinn von links oben). Bild: Christian von Wegen

Zwischen Ostern und Weihnachten klafft im Parfummarkt eine Lücke. Also stattet man nun auch den Sommer mit Düften aus. Das Geschäft mit der Leichtigkeit ist heute ein Schwergewicht.

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          Schwer zu sagen, wer den Duft von Sommer als erster beim Namen nannte. Vielleicht war es Jil Sander, die im Sommer 1989 ein Parfum in weißen und nicht in transparenten Flaschen lancierte. „Sun“ war darauf in Orange geschrieben, und das sagte eigentlich schon alles. Wer früher vor dem Sonnenbaden Parfum auftrug, hatte am Abend oft braune Flecken auf der Haut. „Schuld daran war die Bergamotte“, sagt Jana Heiderich, Maître des Parfums in der Stuttgarter Parfümerie Mußler. „Sun war der erste Duft, den man ohne weiteres auch zum Sonnenbaden verwenden konnte.“

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der erste offizielle Sommerduft war „Sun“ wohl dennoch nicht. Die Kundinnen, die damals in die Parfümerie kamen, seien allenfalls auf der Suche nach „etwas Frischem“ gewesen, und noch nicht nach einem Sommerduft.

          Heute riecht der Sommer nicht nur frisch, er duftet nach Regenschauer (Biotherm), nach Birne, Mandarine und Wassermelone (Eternity), nach Grapefruit und Litschi (Issey Miyake) oder nach Rose und Jasmin (Jean Paul Gaultier). Und, ach ja, im nächsten Sommer kommen diese Düfte schon wieder ganz anders daher. Das Geschäft mit Sommerdüften boomt. Das sieht man zwar nicht an den Umsatzzahlen; Sommerdüfte laufen wie etliche weitere Parfums der Marken unter Neulancierungen. Aber man erkennt es am Aufwand: Es werden immer mehr, für Frauen und für Männer.

          Sommerdüfte sind massentauglich

          Im Sommer wollen wir anders riechen als in den übrigen Jahreszeiten. Es scheint sich zu lohnen. Jana Heiderich schätzt, dass das Duftangebot bei Mußler in den warmen Monaten bis zu 30 Prozent aus Sommerdüften besteht. „Die Kunden suchen mittlerweile zielgerichtet danach.“ Und auch Christiane Bruszis, PR-Direktorin von Coty Prestige, sagt: „Mittlerweile sind Sommerdüfte ein fester Bestandteil des Duftmarktes und jährlich wachsend.“ Sie ist verantwortlich für die Sommerdüfte von 16 Marken, darunter Jil Sander und Calvin Klein. Nachdem Jil Sander die Kunden im Jahr 1989 mit der vagen Idee eines Sommerduftes vertraut gemacht hatte, lancierte Calvin Klein dann im Jahr 2004 mit einer Spezial-Edition von „CK1“ den ersten offiziellen Sommerduft. „Es sind mehrere Dinge, die diese Düfte auszeichnen“, sagt Bruszis. „Ein Sommerduft ist eine Version eines bereits existierenden Duftes. Sommerdüfte sind limitiert und werden in den wärmeren Monaten zu einem attraktiven Preis angeboten. Meistens sind Flakon und Verpackung eigens gestaltet. Und die Komposition ist leichter.“

          Schnell hergestellt sind sie trotzdem nicht. Länger als ein Jahr hat Parfumeur Antoine Maisondieu zum Beispiel an dem Eau Fraîche von Biotherm gearbeitet. „Es sollte natürlich ein frischer Duft sein, aber mir war auch wichtig, dass er beruhigend riecht“, sagt Maisondieu. „Wie der Moment, wenn man mitten in der Natur steht.“ Wichtig bei der Komposition von Sommerdüften sei vor allem: „Sie dürfen nicht allzu dunkel oder tiefsinnig sein, sondern fröhlich.“ So wie Popmusik. Wird das nicht auf Dauer langweilig? Maisondieu fragt zurück: „Wie viele fröhliche und leichte Lieder gibt es?“

          Kein Wunder also, dass Sommerdüfte in ihrer leichten Verständlichkeit massentauglich sind. Gerade deshalb sind sie eine große Chance für die Unternehmen. Sie kommen zudem in einer Zeit auf den Markt, in der vergleichsweise wenige Düfte verkauft werden. „Wir haben den Valentinstag, dann Ostern. Aber Weihnachten ist sehr weit hinten im Jahr“, sagt Martin Ruppmann, Geschäftsführer der Fragrance Foundation in Deutschland. „Dazwischen ist eine lange Strecke. Also wird mit Sommerfeelings gearbeitet, die man als Düfte mit in den Urlaub nimmt oder aus dem Urlaub mitbringt.“

          Spätestens im Frühherbst ist die Leichtigkeit verflogen

          Dabei stehen zu Hause im Badezimmer oft schon ein paar Flakons. „Früher hatten die Leute einen Duft, mehr nicht. Heute variieren sie stärker.“ Auch das animiert dazu, im Sommer ein Parfum auszuprobieren wie einen Modetrend. „Die Duftbranche“, sagt Nicholas Micallef, Beauty-Analyst bei Euromonitor, „erschafft sich mit der Neueinführung zu Beginn des Sommers die Möglichkeit, dem Verbraucher das Gefühl zu geben, dass er genau diesen Duft jetzt braucht.“

          Zugleich seien Orte mit klar zu unterscheidenden Jahreszeiten für die Marken ein besonders interessantes Pflaster: „Die Unternehmen können hier testen, wie leichtere Sommerdüfte funktionieren und sie anschließend mit größerer Erfolgssicherheit in Märkten lancieren, in denen es das ganze Jahr über warm ist“, sagt Micallef. Auch deshalb steigt die Zahl der Sommerdüfte bei uns von März an auf bis zu 50 verschiedene Produkte an.

          Spätestens im Frühherbst könnten sie dann, wenn alles nach Curry und Kürbis riecht, in ihrer Leichtigkeit schon wieder restlos verflogen sein. „Diese Düfte haben keine hohe Konzentration“, sagt Jana Heiderich von der Parfümerie Mußler. „Aber zusammen mit einer passenden Körpercreme kann man die Haltbarkeit des Duftes auch bei Kälte verlängern.“

          Dann hat sogar das Gegenüber noch etwas vom Sommer. Martin Ruppmann von der Fragrance Foundation war Ende November auf einem Termin. Im Gespräch fragte er die Dame neben sich nach ihrem Parfum. Sie antwortete: „Ist noch ein Sommerduft.“

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