https://www.faz.net/-hrx-adlh1

Der New Yorker Modedesigner Narciso Rodriguez ist besonders bekannt für seine Düfte. Bild: PR

Narciso Rodriguez : „Hamburg entspricht meiner Persönlichkeit“

Er ist bekannt für seine Düfte: Im Stil-Fragebogen verrät der New Yorker Modedesigner Narciso Rodriguez sein liebstes Smalltalkthema, warum er selten Mittagspause macht und was in seinem Kühlschrank nie fehlen darf.

          3 Min.

          Am Vortag ist Narciso Rodriguez 50 Jahre alt geworden. Heute ist er wieder bei der Arbeit, ein Shooting steht an. In einer Pause sucht er sich für dieses Zoom-Interview einen ruhigen Raum. Die Regale sind voller Requisiten: Blumenvasen, Schreibmaschinen, Schwämme. „Hätten wir mal hier fotografiert.“ Der New Yorker Modedesigner wuchs als Sohn kubanischer Einwanderer in New Jersey auf, ist verheiratet und Vater von Zwillingen. Besonders bekannt ist er für seine Düfte. Gerade legt er einen Klassiker neu auf: Die Wurzeln von „Narciso Rodriguez For Her Musc Noir“ reichen bis in seine Jugend, wie er erzählt.

          Jennifer Wiebking
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Was essen Sie zum Frühstück?
          Ich brauche meinen Kaffee. Dafür bereite ich am Vorabend alles vor, den Rest erledigt die Maschine am Morgen. Bevor ich aus der Tür gehe, schnappe ich mir noch einen Apfel.

          Wo kaufen Sie Ihre Kleidung ein?
          Ich schneidere vieles selbst. Und bei Nike.

          Was ist das älteste Kleidungsstück in Ihrem Schrank?

          Ich kann nichts wegschmeißen und habe sehr viel eingelagert. Zu den ältesten Stücken, die ich noch immer trage, gehören wohl Mäntel und Hosen von Yohji Yamamoto aus den späten Achtzigern.

          Wann haben Sie zuletzt handschriftlich einen Brief verfasst?

          Das war zu Weihnachten, da habe ich meiner Tante einen Brief geschrieben, um ihr für die Geschenke zu danken, die sie meinen Kindern geschickt hat. Ich schreibe sowieso gerne Briefe. Wir müssen alle mehr Briefe schreiben!

          Welches Buch hat Sie in Ihrem Leben am meisten beeindruckt?

          „Rosa“ von dem kubanischen Schriftsteller Reinaldo Arenas. Ich habe die meisten seiner Bücher gelesen. Dieses ist sehr schmal, aber umso schöner erzählt. Als ich es las, hatte ich den Eindruck, beim Geschehen der Kubanischen Revolution zuschauen zu können, so lebendig ist es aufgeschrieben.

          Wie informieren Sie sich über das Weltgeschehen?

          Schrecklich: alles digital. Überwiegend Zeitungen, The New York Times, The Washington Post, Politico. Über Instagram habe ich die entscheidenden Accounts abonniert und stelle so sicher, dass ich die wirklich wichtigen Nachrichten erfahre.

          Was ist Ihr bestes Smalltalk-Thema?
          Meine Kinder. Im Mai sind sie vier Jahre alt geworden.

          Bei welchem Film haben Sie zuletzt geweint?

          Vor ein paar Tagen bei „God’s Own Country“ aus dem Jahr 2017. Eine wunderschöne Liebesgeschichte zweier Männer. Eine Art „Brokeback Mountain“.

          Sind Sie abergläubisch?
          Ja!

          Worüber können Sie lachen?

          Dieser Tage muss man über alles lachen. Ich lache gerne über Stand-up-Comedy und habe hier in New York glücklicherweise einige Kandidaten im Bekanntenkreis. Beim Abendessen, in Gesprächen, in Mails ist das toll.

          Ihre Lieblingsvornamen?

          Ich mag Thomas sehr gerne, John und Callum.

          Machen Sie eine Mittagspause?

          Hin und wieder. Es ist viel einfacher weiterzuarbeiten. Aber ab und zu ist es schön, den kreativen Prozess zu unterbrechen und eine Runde um den Block zu drehen.

          In welchem Land würden Sie am liebsten leben?

          Deutschland mag ich wirklich sehr. Hamburg entspricht meiner Persönlichkeit. Aber zum Leben: vielleicht Spanien oder Italien, definitiv Europa.

          Was fehlt nie in Ihrem Kühlschrank?

          Milch für die Kinder.

          Fühlen Sie sich mit oder ohne Auto freier?

          In New York ohne. Ohne Auto ist es in der Großstadt einfach praktischer.

          Was ist Ihr größtes Talent?

          Kochen. Ich mache ein sehr gutes kubanisches Roastbeef. Das ist ein altes Familienrezept, ich habe früher immer bei der Zubereitung zugeschaut. Rezepte müssen einfach weitergegeben werden. Ich denke mir aber auch gerne Neues aus, nehme einfach ein paar Dinge aus dem Kühlschrank und mache etwas daraus.

          Was tun Sie, obwohl es unvernünftig ist?

          Am Abend snacken. Da achte ich den ganzen Tag darauf, was ich esse, und von einer gewissen Uhrzeit an sind alle Regeln vergessen.

          Welche historische Person würden Sie gerne treffen?

          Mein Traum wäre es, Cristóbal Balenciaga treffen zu können. So wie für viele Designer meiner Generation ist er auch mein Held. Ich habe einiges über ihn gelesen, war in seiner Heimatstadt Getaria in Spanien und habe mir das Museum angeschaut, das ihm dort gewidmet ist.

          Tragen Sie Schmuck? Und eine Uhr?

          Ich trage ein Armband, das mir eine sehr gute Freundin vor gut 25 Jahren angelegt hat. Sie hatte mir zuvor schon einmal eines geschenkt, das habe ich aber verloren. Das zweite Armband schloss sie damals mit den Worten: „Dieses hier verlierst du niemals.“ Leider ist sie mittlerweile verstorben. Mit diesem Armband behalte ich sie nah bei mir, es bedeutet mir wirklich viel. Ich trage auch eine Uhr, ein Geschenk meines Ehemanns, eine Rolex, wunderschön. Auch die lege ich nie ab.

          Haben Sie einen Lieblingsduft?

          Ich liebe Moschus und trage es auch selbst. Moschus ist Teil meines Lebens, seit ich ein Jugendlicher war, und wurde zur Inspiration all meiner Düfte.

          Was war Ihr schönstes Ferienerlebnis?

          Segeln mit Freunden auf dem Mittelmeer. Das war vor ungefähr fünf Jahren. Verschiedene Orte sehen, in Häfen anlegen, wunderbares Essen genießen, das Wasser, die Sonne, den Sommer: Dieses Gefühl werde ich niemals vergessen.

          Auf welchem Konzert waren Sie zuletzt?

          Mit dem Lockdown und mit Kindern... Aber vor drei Jahren war ich auf dem Konzert meiner lieben Freundin Bebel Gilberto hier in New York.

          Was fehlt Ihnen zum Glück?

          Aktuell ist die Liste lang: nicht mehr diesen Mund- Nasen-Schutz tragen zu müssen, die Welt vor der Corona-Pandemie gerettet zu wissen. Und mir fehlt mein Vater. Er ist vor nicht allzu langer Zeit verstorben, und ich vermisse ihn.

          Was trinken Sie zum Abendessen?

          Rotwein oder Mineralwasser oder beides.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Besuch in Flutgebieten : Laschet erlebt die Wut

          Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen besucht Orte, die hart von der Flut getroffen wurden. Da entlädt sich der Ärger von Betroffenen.
          Das „Aktionsbündnis der Urkantone“ macht mobil: In der Zentralschweiz ist der Widerstand gegen die Corona-Maßnahmen (hier eine Kundgebung in Luzern am Samstag) besonders stark.

          Schweiz : Rechte SVP streitet über Corona-Impfung

          Anhänger der nationalkonservativen Schweizerischen Volkspartei lehnen die Corona-Impfung mehrheitlich ab. Sie lassen sich durch einen Impfappell von SVP-Doyen Christoph Blocher nicht beeindrucken.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.