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Nach dem WM-Finale : Was kommt jetzt, Deutschland?

  • Aktualisiert am

Wie Nummer 37 zeigt, werden all die Flaggen und Wimpel noch gebraucht Bild: Gilli, Franziska

Deutschland ist Fußball-Weltmeister. Die WM hat unsere Welt verändert – 41 Dinge, die nach dem Final-Spiel auf Sie zukommen.

          Nach dem Sieg der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bereiten wir Sie auf 41 Dinge vor, die nun auf Sie zukommen. Nur eines sei schon jetzt verraten: der liebe Gott darf wieder bedenkenlos unparteiisch sein.

          1.

          Wir wissen jetzt, dass es unvorsichtig ist, während eines Spiels ein Bier aus dem Kühlschrank zu holen. Die Deutschen könnten inzwischen drei Tore geschossen haben.

          2.

          Wir brauchen eine neue Rechtfertigung dafür, bei jedem Einkauf eine große Tüte Kartoffelchips mit in den Korb zu legen.

          3.

          In Ländern wie Honduras oder Ghana muss sich wohl erst ein Putsch ereignen, bis wir wieder etwas von ihnen hören.

          4.

          Mit Leuten, denen wir nichts zu sagen haben, müssen wir wieder übers Wetter oder Autos reden, statt sie zu fragen: „Na, gestern auch geschaut?“

          5.

          Wir müssen wieder richtig arbeiten, um Sympathiepunkte im Büro zu sammeln. Der Statusgewinn über eine gute Tippspielplazierung gehört der Vergangenheit an.

          6.

          Nächtliches Aufschrecken, weil Mexiko gewonnen hat und die fünf Mexikaner im Ort ein Hupkonzert veranstalten, ist vorbei. Durchschlaf ist angesagt.

          7.

          Zum Abendbrot müssen die Kinder jetzt wieder etwas anderes kriegen als Tiefkühlpizza vorm Fernseher. Schade eigentlich.

          8.

          Wir verstehen erst jetzt wirklich, was Humphrey Bogart meint, wenn er in „Casablanca“ zu Ingrid Bergman sagt: „We’ll always have Paris.“ Denn uns bleibt immer Belo Horizonte. 7:1, baby, 7:1!

          9.

          18 Uhr ist ab sofort wieder eine ganz schlechte Zeit zum Einkaufen.

          10.

          Wir gewöhnen uns daran, dass bedauerlicherweise nicht alle Männer in ihren T-Shirts solche Oberkörper präsentieren können wie die Algerier in ihren engen grünen Leibchen.

          11.

          Wir können wieder regelmäßig vor Mitternacht ins Bett, statt uns um halb eins beim Elfmeterschießen vor lauter Spannung die Nerven zu ruinieren.

          12.

          Die Herkunft der Autofahrer lässt sich nicht mehr an den Außenspiegeln ablesen, sondern wieder an den Kennzeichen.

          13.

          Ernährungsfragen fallen nun wieder etwas differenzierter aus als das tägliche „Bei wem grillen wir heute?“

          14.

          Der Olli und der Mehmet werden im Abendprogramm wieder von der Maybrit und der Anne verdrängt. Schade eigentlich, an den Mehmet hätten wir uns echt gewöhnen können. Obwohl Giovane Élber natürlich das süßeste Lachen hat.

          15.

          Frauen haben jetzt kein echtes Argument mehr, wenn sie erklären: „Auf gar keinen Fall nennen wir das Kind ,Jogi‘!“

          16.

          Seit seinem Wet-Look beim verregneten Spiel gegen die Amerikaner glauben wir sogar, dass der Coach keine Perücke trägt.

          17.

          Wir haben nun den Beweis: Magisches Denken wirkt. Denn dass die Deutschen im Finale stehen, liegt allein an Papas „Hawaii-Hemd des Schicksals“, das er seit dem Portugal-Spiel nicht ausgezogen hat.

          18.

          Die Zeit des tolerierten Schweigens, weil im Hintergrund der Fernseher läuft, ist vorbei. Männer, im Restaurant müsst ihr nun wieder mit euren Frauen reden.

          19.

          Keine algerische Bohnensuppe mehr! Kein verkorkster brasilianischer Fischtopf nach einem Rezept aus dem Internet! Sondern wieder Würstchen mit Kartoffelsalat.

          20.

          Zur Frage der Nation muss jetzt eine andere erklärt werden als jene, ob Philipp Lahm im Mittelfeld oder doch besser in der Abwehr spielen soll. Denn wenn es nach uns geht, kann Lahm ÜBERALL spielen.

          21.

          Wir sind, weil die Fußballkommentatoren schweigen, wieder auf Politiker, Nachbarn, die Bahn und den Deppen vorhin an der Ampel angewiesen, wenn wir uns so richtig über jemanden aufregen wollen.

          22.

          Um zum Ausgang der Drogerie zu gelangen, muss man keine Mats-Hummels-Shampoo-Werbe-Pappfigur mehr umdribbeln.

          23.

          Und Gummibärchen, Schokoküsse und Toilettenpapier können wir wieder normal verpackt kaufen statt in der schwarz-rot-goldenen „Fan-Edition“.

          24.

          Angela Merkel muss sich keine Gedanken mehr machen, was sie beim Finale in Rio anziehen will: den grauen Hosenanzug, den blauen Hosenanzug oder den braunen Hosenanzug? Vielleicht findet sie jetzt sogar Zeit, Sigmar Gabriel zu erklären, wer der größere Regierungspartner ist und wer der kleinere.

          25.

          Schluss mit den E-Mails im Vorfeld, wie ein Fernseher organisiert werden kann, damit wir auch bei der Hochzeit unserer Schwester das nächste Deutschland-Spiel nicht verpassen.

          26.

          Wer ein Gemeinschaftserlebnis sucht, muss jetzt sonntags wieder „Tatort“ schauen.

          27.

          Es gibt keine abendlichen Diskussionen mit den Kindern mehr, weil der Julian und der Tim das Deutschland-Spiel aber bis zum Ende gucken durften, sogar die Verlängerung, echt wahr!

          28.

          Giovanni di Lorenzo hat endlich wieder genug Zeit, zweimal wählen zu gehen.

          29.

          In Bars ohne Fernseher sieht es ab 21 Uhr nicht mehr aus wie zur Sperrstunde.

          30.

          Es reicht als Frau nicht mehr, ein paar Bier zu kippen und im richtigen Moment „Mach ihn rein, Müller!“ zu brüllen, um Männer zu beeindrucken.

          31.

          Man kommt nicht mehr in die Verlegenheit, das seit Wochen verabredete Abendessen mit der Erbtante wegen „einer schlimmen Erkältung“ absagen zu müssen, weil an dem Abend die deutsche Elf spielt.

          32.

          Man kommt nicht mehr in die Verlegenheit, die Erbtante dann antworten zu hören: „Ist gut, ich wollte eigentlich auch lieber das Spiel sehen.“

          33.

          Der liebe Gott ist nicht mehr in der Zwickmühle, weil ZWEI Päpste für ZWEI verschiedene Teams beten.

          34.

          Das Bezahlen an der Rewe-Kasse geht wieder schneller. Die Frage „Sammeln Sie Aufkleber?“ fällt weg, die nach der Payback-Karte aber leider bleibt.

          35.

          Freudenschreie aus der Nachbarwohnung hören wir jetzt wieder eher selten.

          36.

          Man kann endlich die zweite Staffel DVDs von „House of Cards“ schauen, die schon seit Tagen im Wohnzimmer liegt.

          37.

          Für ungefähr weitere 14 Tage ist es okay, sich als Deutscher zu fühlen.

          38.

          Wir müssen uns wieder selbst was überlegen, womit wir den Abend verbringen möchten.

          39.

          Andererseits: Allein vor dem Fernseher zu sitzen bedeutet nicht mehr, dass man keine Freunde hat.

          40.

          Wir kommen jetzt endlich mal wieder dazu, die Blumen zu gießen. Und die Katze zu füttern. O Gott, die Katze!

          41.

          Wenn die DFB-Elf zur EM 2016 fährt, wird keiner mehr sagen: „Ach, die scheiden doch sowieso in der Vorrunde aus.“

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