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Loyalität und Schönheit : Muss man seinem Friseur treu sein?

Entspannen vom stressigen Alltag: Beim Friseur muss man sich wohlfühlen, denn der Besuch hat auch etwas Meditatives an sich. Bild: dpa

Kosmetiker und Friseure sind Dienstleister im Namen der Schönheit – und setzen häufig Loyalität von ihren Kunden voraus. Aber ist das noch zeitgemäß?

          7 Min.

          Sonja Paul dachte nicht an Treue oder Untreue, als sie mal einen anderen Salon zur Fußpflege aufsuchte. Sie hatte ein Spezialproblem. Der Shellac, ein besonders haltbarer Lack, den sie sich im Urlaub aus Spaß auf die Fußnägel hatte auftragen lassen, musste abgeschliffen werden. Jetzt war sie sich unsicher, ob die Kosmetikerin in ihrem Salon am Stadtrand, den sie bis dahin alle zwei bis drei Wochen besucht hatte, mit dem roten Lack umzugehen wüsste.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Das ist dort eine relativ einfache Behandlung“, sagt Sonja Paul. „Es gibt zum Beispiel kein Fußbad, aber die Kosmetikerin arbeitet davon abgesehen gut, sie schiebt die Nagelhaut zurück und feilt. Handwerklich ist das in Ordnung, und eigentlich reicht mir das.“ Ihr Shellac-Problem aber schien der 64-Jährigen größer. Also vereinbarte sie einen Termin in einer Parfümerie in der Innenstadt.

          „Die Kosmetikerin dort war ganz neu. Es war sehr nett, und sie hat so gut gearbeitet, dass ich noch einmal einen Termin vereinbart habe. Das passte mir zeitlich auch sehr gut, weil ich da ohnehin in der Stadt zu tun hatte.“ Zwischendurch ging Sonja Paul, die eigentlich anders heißt, trotzdem zusätzlich weiterhin zu ihrer Stammkosmetikerin am Stadtrand. „Ich dachte mir, ich könnte ja öfter mal wechseln, das würde ja weder die eine noch die andere merken.“ Damit lag sie falsch. Aber dazu später.

          Was Treue gegenüber dem Friseur ist

          Denn was ist das überhaupt, Treue gegenüber der Kosmetikerin oder dem Friseur? Wenn Menschen von Treue sprechen, dann meinen sie für gewöhnlich die Loyalität gegenüber einem Partner, einem, mit dem man sein Leben teilt oder in naher Zukunft vorhat, das zu tun. Einer, mit dem man intime Momente erlebt. Es ist weit entfernt von dem, was man so mit einem Dienstleister mitmacht.

          Mit einem Kellner zum Beispiel oder einem Handwerker. Der Friseur oder jemand, der sich der eigenen Haut oder der Nägel annimmt, könnte trotzdem eine Ausnahme sein. Einer, der einem zu einer etwas schöneren Version seiner selbst verhilft, bei dem man zudem Zeit verbringt und Zeit zum Reden hat. Dem man sich mit geschlossenen Augen anvertraut, während, wie etwa bei der Kosmetikerin, heißer Dampf das Gesicht umhüllt und da nur diese eine andere Person in der Kabine ist, die sich um einen kümmert.

          In Großbritannien hat der Verband der Kosmetiker (BABTAC) dazu vor zwei Jahren eine Studie unter Frauen im Alter von 18 bis dreißig durchgeführt, die länger als drei Monate in einer Beziehung sind. Das Ergebnis mag, so gesehen, nicht gerade die Meinung der Gesamtbevölkerung reflektieren, ist aber umso erfreulicher für die eigene Zunft: 49 Prozent der Frauen gaben an, ein guter Friseur sei schwerer zu finden als ein guter Partner. Und 89 Prozent sagten, sie seien einem guten Friseur gegenüber treu. 26 Prozent würden demnach sogar eher ihren Freund betrügen als ihren Friseur.

          Beim Friseur hat man ein freundschaftliches Verhältnis

          „Man fasst sich an, am Hals, an den Haaren, am Kopf“, sagt der Berliner Star-Friseur Shan Rahimkhan im Hinblick auf die Beziehung zwischen Dienstleister und Kunde, die aus diesem Grund eine etwas andere ist als jene, die man mit Menschen aus anderen Berufsgruppen hat.

          Viele Kunden denken gar nicht an Treue oder Untreue, wenn sie ihren Friseur gelegentlich wechseln.

          „In der U-Bahn oder beim Bäcker würde man niemanden anfassen. Stattdessen sitzt man beim Friseur da, quatscht eine Stunde lang und hat ein freundschaftliches Verhältnis. Das ist dann aber trotzdem nicht so eng, als dass man verpflichtet wäre, den anderen zum Essen zu sich nach Hause einzuladen“, sagt Shan Rahimkhan.

          Es ist eine besondere Beziehung. So ging es damit ja auch los. Wer es sich leisten konnte, hielt sich zum Beispiel im Alten Ägypten einen persönlichen Friseur. Bei den alten Griechen und Römern erledigte in wohlhabenden Haushalten das Personal diese Aufgaben oder allenfalls besonders fähige Sklaven.

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