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Minimalistisch cremen : Weniger auf der Haut ist mehr

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Verzicht der anderen Art: Wer zu reichhaltige Cremes benutzt hat, kann auch auf Diät gesetzt werden, auf Beauty-Diät. Bild: Jan Bazing

Viele Menschen sehnen sich jetzt nach simpleren Cremes mit weniger Inhaltsstoffen. Die Beautybranche antwortet mit minimalistischen Produkten.

          Minimalismus ist in der Mode und im Design längst da. Man kann sich minimalistisch einrichten und trotzdem Möbel in der Wohnung stehen haben. Man kann sich auch minimalistisch kleiden, damals in Jil Sander oder Helmut Lang, heute in Celine. Aber minimalistisch cremen? In der Luxuskosmetik pflegt man eigentlich zu prassen, beinahe wöchentlich scheint ein neuer Wunder-Wirkstoff gegen die Hautalterung entdeckt zu werden. Begehrte Edelcremes wie die "Skin Caviar Luxe Cream" von La Prairie verzeichnen sogar mehr als 80 Inhaltsstoffe. Wenn man hinzurechnet, dass gerade Frauen häufig neben Cremes auch noch Seren, Toner und Reinigungsprodukte benutzen, dann muss man annehmen, dass die Haut vieler Frauen täglich mit Hunderten von Inhaltsstoffen bombardiert wird.

          Das könnte sich bald ändern. Aus den Vereinigten Staaten und Frankreich nähert sich gerade ein Trend namens Minimalist Beauty, also Kosmetik mit wenigen Inhaltsstoffen, meist verbunden mit einer einfacheren Pflegeroutine. Einer der Ersten ist ausgerechnet Chanel, also jenes Haus, das eigentlich für größtmöglichen Luxus steht. Im Frühjahr stellte die Marke eine Creme mit genau zehn Inhaltsstoffen vor, die „Solution 10“. Dafür arbeitete Chanel mit der New Yorker Dermatologin Amy Wechsler zusammen. Sie verzeichnete, wie sie sagt, bei ihren Patienten eine immer größere Nachfrage nach einer Creme für sensible Haut. Über vier Jahre entwickelten die Chanel-Forschungslabore zusammen mit Wechsler ein für solche Fälle passendes Produkt.

          Empfindlicher auf Reizungen

          „Menschen mit empfindlicher Haut haben mit zu vielen Chemikalien in Cremes Schwierigkeiten“, sagt Wechsler. Also kamen in die Creme reizarme Inhaltsstoffe sowie als wirksames Antioxidantium die Silbernadeln weißen Tees, die zudem die Barrierefunktion der Haut stärken sollen. Bei einem Test mit 72 Probandinnen gaben 79 Prozent der Frauen nach einmonatiger Nutzung an, dass ihre Haut unempfindlicher auf Umwelteinflüsse reagiere.

          Denn natürlich hängt die Entwicklung von Cremes mit reduzierten Inhaltsstoffen auch damit zusammen, dass immer mehr Menschen empfindliche Haut entwickeln. Auf zahlreiche Inhaltsstoffe reagieren sie mit Reizungen oder allergischen Reaktionen. In Apotheken gibt es schon seit vielen Jahren reizarme Kosmetika mit wenigen Inhaltsstoffen. In der schönen glatten Welt des Luxus hingegen schienen Begriffe wie Neurodermitis, Allergie oder Exzem bisher tabu. Zumal es vielen Kunden seltsam erscheinen mag, für ein Produkt mit nur wenigen Ingredienzen viel Geld zu bezahlen. 30 Milliliter der „Solution 10“ zum Beispiel kosten immerhin rund 76 Euro. Dafür soll es anschließend keine hässlichen Pusteln im Gesicht geben.

          Führen weniger Inhaltsstoffe tatsächlich zu besserer Verträglichkeit?

          „Im Prinzip ja“, sagt Kathi Turnbull, Fachärztin für Dermatologie und Allergologie in Hamburg. Je weniger Potential eine Creme habe, eine allergische Reaktion auszulösen, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass sie gut vertragen werde. „Bei hochsensiblen Hauttypen ist dies das A und O„, sagt Turnbull. „Als Dermatologen suchen wir hier oft nach Pflegeprodukten, die nur wenige Wirkstoffe enthalten - eine Creme oder Grundlage aus Fett, Wasser und einem Emulgator, der die beiden verbindet.“

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