https://www.faz.net/-hrx-7uzcv

Medizin-Popstar : Rückenschule mit Grönemeyer

Bild: F.A.Z., Edgar R. Schöpal

Mediziner Dietrich Grönemeyer ist Autor zahlreicher Gesundheitsratgeber, Fernsehgesicht, Chef seines eigenen Instituts. Wie sieht er sich selbst und seinen Beruf? Ein Hausbesuch und zwei F.A.Z.-Videos mit anschaulichen Rückenübungen.

          8 Min.

          Es ist ein regnerischer Nachmittag. Ein Wetter, das dem ohnehin schon grauen Ruhrgebiet nicht schmeichelt. In der Trostlosigkeit zwischen den Betonbauten der Bochumer Universität fällt das helle, verglaste Gebäude deshalb besonders auf. In großen Buchstaben prangt am Eingang der Schriftzug „Grönemeyer-Institut“. Wie Preziosen in einer Glasvitrine eingeschlossen, begrüßen den Besucher hier auch all die Ratgeber des Hausherrn – Bücher über das Herz, den Rücken, gesundes Essen, richtige Lebensführung.

          Lucia Schmidt

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wie es sich für viel gefragte Menschen gehört, hat Dietrich Grönemeyer nicht sofort Zeit für das vereinbarte Gespräch. Um die Zeit zu überbrücken und um zu zeigen, was das Institut alles bietet, lädt seine Assistentin zum Rundgang ein. Man läuft auf Holzböden vorbei an bunt gestrichenen Wänden, Pflanzen, Bildern und gemütlichen Sitzgelegenheiten, alles wohldurchdacht. In den Ecken und Gängen stehen Skulpturen. Sie stammen von „den Lieblingskünstlern des Professors“, erklärt die Assistentin, und die philosophischen Weisheiten, die an die Wand gepinselt sind, „mag der Professor besonders gerne“.

          So nennen seine Mitarbeiter Grönemeyer oft nur: „den Professor“. Es klingt fast fade gegen die Superlative, welche die Öffentlichkeit seit Jahren schon für den Mediziner findet. War Dietrich Grönemeyer vor fünfundzwanzig Jahren schlicht Arzt und Wissenschaftler, dazu der große Bruder des prominenten Sängers aus dem Ruhrpott, lesen sich die Beschreibungen seiner Person heute wie Ritterschläge: Vordenker, Ernährungsberater, Bestsellerautor, erfolgreicher Unternehmer, Fernsehmoderator; demnächst kommt er auch noch ins Kino. In den Medien ist er der „Mediziner mit Leib und Seele“, der „bekannteste“, gar „berühmteste Arzt Deutschlands“, „der große Medicus“, für manche schlichtweg der „Medizin-Papst“.

          Der Vater der Mikrotherapie

          Neben seinem Namen, der seine Institute in Bochum und Berlin schmückt, steht stets der Slogan, die Medizin müsse den „Menschen“ in den „Mittelpunkt“ stellen. Es ist Grönemeyers Leitgedanke. Und tatsächlich: Möbel, Farben und viel natürliches Licht schaffen hier mehr Wohlfühlatmosphäre als das Neonlicht und der Linoleumboden vieler deutscher Arztpraxen. Im Kontrast zu der warmen Ansprache auf den Gängen steht die kühle, wuchtige Technik der Behandlungsräume; hier reihen sich die neuesten Computer- und Kernspintomographen aneinander, für die kühle Durchleuchtung des Körpers.

          Solche Geräte kosten Geld – nicht wenig. Aber sie spülen auch so einiges in die Kassen. Radiologie ist ein teures und lukratives Fach. Grönemeyer ist Radiologe. Als junger Arzt wollte er zunächst Allgemeinmediziner werden, gar Landarzt. Dann aber ließ ihn seine Begeisterung für Technik nicht los. So wurde die Radiologie sein Fachgebiet. Genauer gesagt: die Mikrotherapie. Wieder in Superlativen gesprochen, ist er der „Vater der Mikrotherapie“. Er trieb sie voran und gründete den weltweit ersten Lehrstuhl dafür.

          Aufklärung im Sinne der „Grönemeyer Medizin“: Dietrich Grönemeyer wird bei einer Lesung von Kindern umringt

          Für die Mikrotherapie braucht er die teuren Geräte: Durch die exakten Bilder der Computer- oder Kernspintomographen können Instrumente präzise gesteuert werden und dadurch an verschiedenen Körperstellen medikamentös Schmerzen gelindert oder mikroinvasive Eingriffe wie Bandscheiben- oder Hüftgelenksbehandlungen mit Instrumenten von 0,1 bis 2, 5 Millimeter Durchmesser durchgeführt werden. Meist ohne Vollnarkose und ambulant.

          Markenkern: Medizin in Wohlfühlatmosphäre

          Lange hat Grönemeyer mit diesem Verfahren nur Privatpatienten und Selbstzahler behandelt. Seit einigen Jahren hat er auch mit ein paar gesetzlichen Krankenkassen Sondervereinbarungen. Vorwürfe manch anderer Mediziner, seine Methoden seien zu wenig wissenschaftlich untermauert, weist er zurück. Auf die Kritik angesprochen, sagte er einmal, wer Innovationen vorantreiben wolle, der brauche breite Schultern. Die größten Gegner von Neuerungen seien oft die eigenen Kollegen.

          Weitere Themen

          Pirelli-Kalender von „Romeo und Julia“ inspiriert Video-Seite öffnen

          Vorstellung in Verona : Pirelli-Kalender von „Romeo und Julia“ inspiriert

          Der italienische Modefotograf Paolo Roversi hat unter dem Motto "Looking for Juliet" Stars für den berühmten Kalender des Reifenherstellers abgelichtet. Nun präsentierte nun stolz das Ergebnis, bei dem unter anderem seine Tochter Stella mitwirkte.

          Topmeldungen

          Mehr Zukunft wagen: Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans am Freitag nach ihren Bewerbungsreden beim SPD-Parteitag

          SPD-Parteitag : „Klarer Kurs und klare Sprache“

          Sie hätten keine Angst, betonen Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans in ihren Bewerbungsreden als SPD-Vorsitzende – und attackieren die Union scharf. Mit dem Ende der großen Koalition drohen sie aber nur indirekt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.