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Kampf gegen Tamponsteuer : Rote Revolution

  • -Aktualisiert am

Frauen geben im Leben zwischen 1500 und 5000 Euro für Hygieneartikel aus. Bild: plainpicture/Lubitz + Dorner

Mindestens 1500 Euro bezahlt eine Frau im Leben für Monatshygiene. Oft sogar mehr, wegen der Luxussteuer, die für Tampons oder Binden fällig wird. Einige Frauen wehren sich jetzt.

          „Erdbeerwoche“, „Besuch von Tante Rosa“, „der Einmarsch der Roten Armee“ – die Liste der Namen, die Frauen und Männer verwenden, um nur nicht die Worte Menstruation oder Periode aussprechen zu müssen, ist lang. Genauso lang ist der Rattenschwanz an unangenehmen Situationen, an Scham und Ungerechtigkeit, die der weibliche Zyklus mit sich bringt. Jede Frau menstruiert etwa 500 Mal in ihrem Leben und verbraucht dabei zwischen 10.000 und 17.000 Tampons und Binden. Auf ihr ganzes Leben gerechnet, gibt jede somit zwischen 1500 und 5000 Euro für Monatshygiene aus – Kosten für Schmerztabletten, Arztbesuche und therapeutische Mittel wie Wärmekissen nicht mitgerechnet.

          Als sei das nicht genug der unverschuldeten Ungerechtigkeit, werden Hygieneartikel in Deutschland immer noch als „Luxusartikel“ mit 19 Prozent versteuert, und das, obwohl die damalige Regierung 1968 den vergünstigten Steuersatz von sieben Prozent einführte, um die Haushalte zu entlasten. In der Praxis heißt das: Wenn Sie Ihr Haus mit Schnittblumen und Kunstgegenständen dekorieren, fällt das unter den vergünstigten Steuersatz, falls Sie jedoch auf die Idee kommen, Hygieneprodukte wie Tampons, Binden oder Menstruationstassen zu kaufen, müssen Sie tiefer in die Tasche greifen.

          Auch in anderen Ländern greift die „tampon tax“. In Österreich bezahlt man 20, in Ungarn sogar 27 Prozent Steuern auf Monatshygiene-Artikel. Auch in Skandinavien sieht die Lage nicht besser aus. In Griechenland wurde die Steuer sogar von 13 auf 23 Prozent angehoben.

          Kenia gilt als Pionier

          Aber es geht auch anders: Auf der ganzen Welt entwickeln Aktivistinnen nun Kampagnen, um die Steuersätze zu mindern oder abzuschaffen. Kenia gilt als Pionier – der Staat schaffte die Steuer schon 2011 ab. Kanada folgte 2015, und auch in einigen amerikanischen Bundesstaaten ist die tampon tax Geschichte. Seit 2016 können die EU-Mitgliedstaaten frei über die Besteuerung ihrer Hygieneprodukte entscheiden, zuvor wurde die Fünf-Prozent-Regel gekippt. Unser Nachbar Frankreich reagierte und senkte den Steuersatz von 20 auf 5,5 Prozent. In Spanien und den Niederlanden zog man ebenfalls mit, nachdem sich Protest in Form von Petitionen und Kampagnen geregt hatte.

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          Yasemin Kotra und Nanna-Josephine Roloff aus Hamburg sehen in der hohen Besteuerung eine systemische Diskriminierung. In ihrer Online-Petition mit mittlerweile 88.000 Unterstützern wenden sie sich unter anderen direkt an Familienministerin Franziska Giffey. Sie fordern nicht nur die Senkung des Steuersatzes, ihnen geht es auch um Grundsätzliches: „Was Gleichberechtigung angeht, haben die Frauen vor uns schon sehr viel erreicht, deswegen sollten wir uns aber nicht darauf ausruhen. Auch in Deutschland sind wir noch weit von absoluter Gleichberechtigung entfernt.“

          Einen Grund dafür, dass Monatshygiene bei der Einführung des vergünstigten Steuersatzes nicht berücksichtigt wurde, sieht Yasemin Kotra darin, dass unter den 500 Abgeordneten nur 30 Frauen waren. „Man kann es ihnen nicht mal übelnehmen.“ Für die Aktivistinnen ist es aber dennoch „eine Frage des Prinzips und der Wertschätzung“, deshalb haben sie das Thema auch auf die Agenda der Landes-SPD in Hamburg gebracht.

          „Viele Frauen wissen gar nicht, was es alles auf dem Markt gibt“

          Überhaupt rückt die Menstruation nun in den Fokus. 2015 postete die Schriftstellerin Rupi Kaur auf Instagram ein Foto von sich, auf dem Bett liegend, mit einem roten Blutfleck auf der Hose. Die Plattform löschte das Bild, weil es gegen ihre Richtlinien verstoße – User im Netz revoltierten und zwangen Instagram, das Bild wiederherzustellen. Im selben Jahr lief die Schlagzeugerin Kiran Gandhi den London Marathon, und obwohl sie zu diesem Zeitpunkt ihre Periode hatte, verzichtete sie bewusst auf Hygieneartikel. Sie schaffte es ins Ziel und in die Medien, dank des großen Blutflecks zwischen ihren Beinen. Die Erklärung lieferte sie nach dem Lauf auf ihrem Blog: „Ich lief mit Blut an meinen Beinen für die Schwestern, die keinen Zugang zu Tampons haben, und für die Schwestern, die ihre Periode trotz Krämpfen und Schmerzen verstecken und so tun, als gäbe es sie nicht.“

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