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Kampf gegen Tamponsteuer : Rote Revolution

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Kiran Gandhis Wurzeln liegen in Indien. Dort und in anderen nicht-westlichen Teilen der Welt werden Frauen, die ihre Periode haben, regelmäßig aus der Gesellschaft ausgestoßen. „Chhaupadi“ heißt die Verbannung menstruierender Frauen in Nepal. Solange sie bluten, müssen sie in Lehmhütten und Viehställen hausen. Die Menstruation ist ein Tabu und gilt als unrein. Mythen und Ängste rund um den weiblichen Zyklus werden von einer Generation zur nächsten weitergegeben, auch Gesetze können daran nur wenig ändern.

Schon in der Bibel heißt es: „Wenn ein Weib ihres Leibes Blutfluß hat, die soll sieben Tage unrein geachtet werden; wer sie anrührt, der wird unrein sein bis auf den Abend. Und alles, worauf sie liegt, solange sie ihre Zeit hat, und worauf sie sitzt, wird unrein sein.“ (3. Buch Mose, 15. Kapitel) Im Islam dürfen Frauen, wenn sie ihre Periode haben, nicht die Moschee betreten. Beten oder Geschlechtsverkehr sind in dieser Zeit verboten. Das Judentum geht noch weiter. Hier dürfen Männer ihre Ehefrauen nicht mal berühren. Mindestens ebenso schwer wie das kulturelle Stigma wiegt das medizinische Risiko, das die Unterversorgung mit Hygieneprodukten mit sich bringt. Wer sich keine Binden leisten kann, greift auf alte Lappen und Stoffreste zurück und riskiert so Infektionen.

Dass die wenigsten während ihrer Periode auf gut sortierte Drogeriemärkte zurückgreifen können, fiel Hannah Schürr aus Darmstadt während einer Kuba-Reise auf. Also widmete sie dem Thema ihre Masterarbeit. Mittlerweile entwickelt sie mit ihrem Partner Erdem Turan eine App, Veerle, die Informationen rund um Menstruation und Verhütung anzeigen soll. „Viele Frauen wissen gar nicht, was es alles auf dem Markt gibt“, sagt die Fünfundzwanzigjährige. „Was bedeutet es für die Umwelt und für mich, wenn ich ein Leben lang Tampons verwende? Was bedeutet es für meinen Geldbeutel?“

Menstruierende Frauen gelten als „unrein“

Schürr und Turan wollen mit Veerle Aufmerksamkeit für kleinere Hersteller schaffen, die Bio-Tampons oder Menstruationstassen herstellen. Dafür werden sie vom Social Impact Lab in Frankfurt gefördert. 2019 soll ihre App fertig sein. Das Finanzierungsmodell steht noch nicht, aber Schürr sagt, Veerle werde auf jeden Fall kostenfrei sein: „Jede Frau sollte sich informieren können.“

Dabei stößt sie nicht nur auf Unterstützung, wenn sie von ihrem Projekt erzählt: „Viele Männer kriegen direkt Unterleibsschmerzen, wenn man ihnen davon nur erzählt. Um es mal zu überspitzen: Wenn Männer eine Wunde haben, dann sind sie stolz drauf, aber wenn ich aus meiner Vagina blute, dann ist das eklig?“

Den Ekel und die Abscheu vor diesem Thema zu nehmen, dafür setzt sie sich auch in den sozialen Netzwerken ein. „In der Werbung wird Menstruationsblut blau dargestellt, attraktive Protagonistinnen hüpfen in weißen Kleidern fröhlich durch den Spot.“ Das sei unrealistisch und halte den Reinheitsmythos aufrecht.

Dass sich was bewegt im Umgang mit dem einstigen Tabuthema, sieht man auf Plattformen wie Instagram. Unter Hashtags wie #periodpositive oder #menstruationmatters posten Aktivistinnen und Influencerinnen Eindrücke ihrer Menstruation – vor zehn Jahren war so etwas noch undenkbar. Auch Drogeriemärkte gehen das Thema offensiver an und erweitern ihr Produktsegment. Obwohl es Menstruationstassen schon seit den fünfziger Jahren gibt, erleben sie einen neuen Hype.

Alternativen zu Tampons und Binden

Das liegt vor allem am bewussteren Umgang mit dem eigenen Körper. Tampons und Binden produzieren nicht nur Müll, sie können sogar Schadstoffe enthalten. Die Hersteller bieten daher immer öfter ökologische Alternativen an. Von speziellen Höschen, die das Blut auffangen, über wiederverwendbare Stoffbinden bis zur Bio-Version des Hochglanztampons. Besonders Unerschrockene praktizieren das free bleeding. Sie verzichten auf sämtliche Produkte und sind überzeugt davon, das Bluten mithilfe gezielter Muskelübungen steuern zu können.

Yasemin Kotra und Nanna-Josephine Roloff haben Finanzminister Olaf Scholz für einen offiziellen Termin angefragt, bei dem sie ihm ihre Petition überreichen wollen. Bisher ohne Antwort. Für sie ist das kein Grund zur Resignation: „Wenn da nichts mehr kommen sollte, planen wir weitere Aktionen, um den Druck zu erhöhen. Aufgeben werden wir nicht.“

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