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Paartherapeutin Esther Perel : „Eine Affäre ist ein Schrei nach Leben“

Ein Rezept für eine glückliche lange Partnerschaft: zehn Prozent der Kreativität, die für die Affäre draufgeht, der eigenen Ehe widmen Bild: dpa

Wie bewahrt man das Feuer in Langzeitbeziehungen? Kann man einen Seitensprung wirklich verzeihen? Und ist Monogamie ein realistisches Konzept? Die berühmte Paartherapeutin Esther Perel gibt Antworten.

          9 Min.

          Frau Perel, in Ihrem Beziehungs-Podcast haben Sie unter dem Titel „Couples under Lockdown“ mit Paaren gesprochen, die in der Pandemie streiten. Ist es dabei immer Ihr Ziel, die Beziehung zu retten?
          Nein. Eine Paartherapie soll nicht immer nur sicherstellen, dass die Leute zusammenbleiben, sondern es geht darum, dass die Menschen verantwortungsvolle Entscheidungen treffen, die niemandem wehtun.

          Johanna Dürrholz
          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET
          Felix Hooß
          Koordinator für Premium-Inhalte bei FAZ.NET.

          Sie glauben nicht an das „gemeinsam glücklich bis ans Lebensende“?

          Es hat nichts mit Glauben zu tun. Die Institution der Ehe baute sehr lange auf das „Bis dass der Tod euch scheidet“. Und heute? Steht die Ehe so lange, bis die Liebe stirbt. Als die Leute früher sagten „Für immer“, sind sie in ihren Vierzigern oder Fünfzigern gestorben. Heute sterben sie in den Neunzigern. Das ist nicht das gleiche „Für immer“. Auch gab es lange gar nicht die Option, sich scheiden zu lassen. Als dann aber Frauen ihre ökonomische Unabhängigkeit erreichten, nicht mehr das Eigentum ihres Mann sein wollten und als es Scheidungsgesetze gab, die Frauen schützten, da wurden die meisten Scheidungen von Frauen initiiert. Paartherapie schaut immer: Was bedeutet die Institution Ehe in dieser Zeit? Wofür steht die Ehe heute? Heute steht das Paar im Zentrum. Wenn ein Paar nicht glücklich ist, bleibt die Familie nicht intakt. Früher konnte ein Paar unglaublich unglücklich sein, gewalttätig, missbräuchlich – das Paar hätte sich nicht getrennt. Weil die Familienorganisation das Paar brauchte. Und weil Frauen nirgendwo hingehen konnten. Das sind die Dinge, die sich geändert haben.

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