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Krankenhäuser : Gesund werden durch Aubergine

  • -Aktualisiert am

Das von Architekten und Mediengestaltern entwickelte Modellzimmer an der Berliner Charité soll Geborgenheit vermitteln. Bild: Jens Gyarmaty

Macht gutes Design gesund? Können Fußböden in Aubergine und Holzverkleidungen helfen, schwerstkranke Patienten zu heilen? An der Charité wird das nun getestet.

          Jeden Morgen geht auf der Intensivstation die Sonne auf. Mitten im Zimmer, selbst bei heruntergelassenen Rollläden, jeden Tag ein paar Minuten später. 6:56 Uhr. Über dem Fußende von Bett 7, in dem an diesem Dienstag eine Sechzigjährige liegt, steigt ein Feuerball an die Decke und taucht den Raum in warmes, mildes Gelb, das heller und heller wird. Die leeren Plastikbeutel am Bettrahmen zeugen von Blutkonserven und der mehrstündigen Bauchoperation vom Vortag. Ein Monitor mit Kurven und Zahlen in Leuchtfarben erinnert daran, dass hier rund um die Uhr Venendruck, Herzfrequenz und Sauerstoffsättigung gemessen werden. Aber die Tumorpatientin wird mittags in ihrem Bett sitzen, den Sauerstoffschlauch in der Nase, und sagen: „Das Licht ist schön. Das passt sich so der Tageszeit an. Hier fühle ich mich entspannt.“

          Julia Schaaf

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Intensivstation: der Inbegriff der Hightech-Medizin, der Ort, wo das Leben systematisch auf der Kippe steht und Organ für Organ von Maschinen ersetzt werden kann, bis der Mensch im Ernstfall nur noch an Geräten hängt.

          Mehr als grüne Wände und Wohlfühlatmosphäre

          Die beiden neugestalteten Zimmer an der Berliner Charité jedoch, die als Modell für eine Intensivstation der Zukunft erforscht werden sollen, erinnern eher an ein frisch eröffnetes Designhotel. Nussbraun vertäfelte Wände mit grober Maserung, ein edler Kautschukfußboden in Aubergine. Das Regal, das einem Raumteiler gleicht und aus dem Doppelzimmer zwei Bettplätze mit etwas Privatsphäre macht, schwingt sich in großem Bogen von der Decke in einer Mischung aus Retro und Futurismus. Horizont und Himmel sind in Wirklichkeit ein gigantischer Bildschirm, dessen Software den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus kennt und der sich wie ein Baldachin über die Patienten wölbt.

          „Das Interessante ist zu zeigen, dass Architektur gesünder machen kann“, sagt Thomas Willemeit, Architekt bei dem Berliner Büro Graft. Man könnte nun unken: Das wollten schon viele. Auch das Unbehagen an der zweckorientierten Ausstattung von Intensivstationen ist nichts Neues. Es gibt deshalb Kliniken, in denen Kunsttherapeuten Wände grün gestrichen haben oder Intensivstationen nach Feng-Shui-Prinzipien eingerichtet wurden. Claudia Spies jedoch, Leiterin des Charité-Zentrums für Anästhesiologie, OP-Management und Intensivmedizin, die das Forschungsprojekt „Parametrische (T)Raumgestaltung“ gemeinsam mit Willemeit angestoßen hat, sagt: „Es war nie konsequent. Es war immer nur der Versuch, eine Wohlfühlatmosphäre zu schaffen.“

          In konventionellen Zimmern auf Intensivstationen fühlen sich Patienten oft hilflos.

          Wenn man verstehen will, warum das Bundeswirtschaftsministerium eine Million Euro in dieses Projekt investiert hat und warum zwei schicke Zimmer auf einer 400-Betten-Station mehr sein sollen als überkandidelter Luxus in einem angeschlagenen Gesundheitswesen, lohnt sich ein Rückblick in die Geschichte der Intensivmedizin.

          „Wir wollen wache, kooperative Patienten“

          Als Heike Held vor 25 Jahren anfing, als Intensivpflegefachkraft zu arbeiten, galt: „Der liebste Patient war, wer ruhig war - und lange ruhig war.“ Die Patienten waren tief sediert, weil man dachte, das sei die Voraussetzung, um Vitalfunktionen durch Apparate zu unterstützen und den Heilungsprozess zu fördern. Held, Krankenschwester an der Charité, erzählt von Durchschnittsliegezeiten von einem halben Jahr. „Den lassen wir schön schlafen. Schlaf ist Rekonvaleszenz“, hieß es damals, wie sich Held erinnert, um sofort klarzustellen: „Das war trügerisch.“

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