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Kaufmanns Bio-Kosmetik : Kraut und Creme

Porträt von Susanne Kaufmann vor ihren Beauty-Artikeln Bild: Hersteller: Susanne Kaufmann

Susanne Kaufmann war noch jung, als sie das Hotel Post ihrer Familie in Bezau übernahm. Dann wurde sie in aller Welt mit ihrer Bio-Pflegelinie bekannt. Wie hat sie das geschafft?

          Es ist morgens um zehn. Noch ist es ruhig im Spa des Hotels Post. Die nette Frau im grauen Kittel hantiert mit Töpfchen und Fläschchen, sie trägt die Creme auf und massiert sanft die Wangen. Ein feuchtes Baumwolltuch legt sich über das Gesicht, der Duft nach Lavendel strömt in die Nase. Ein tiefer Atemzug, gefolgt von einem wohligen Gefühl, das den Körper durchzieht. „Gut so?“ Gut so!

          Anke Schipp

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Bezau ist ein kleiner Ort im Bregenzerwald. Das langgezogene Tal im österreichischen Bundesland Vorarlberg liegt an der Grenze zu Deutschland und der Schweiz. Für viele Urlauber ist die Region ein Geheimtipp, beschaulich mit kleinen Ortschaften, die auf „-au“ oder „-buch“ enden, bekannt für seinen würzigen Bergkäse, für seine Holzhäuser – und für Susanne Kaufmann.

          Sie sitzt an diesem Morgen in ihrem Büro hinter einer Glaswand an einem weißen Schreibtisch und trägt eine weiße Bluse zur weißen Hose. Das könnte man als Corporate Identity verstehen, denn auch in dem Hotel, das sie führt, dominiert neben viel Holz die Farbe Weiß - und ihre Kosmetikprodukte tragen ein weißes Etikett. Von hier aus hat Susanne Kaufmann vor 15 Jahren eine Marke aufbebaut, die heute als Kult gilt, nicht nur in der Hauptstadt Wien am anderen Ende von Österreich, sondern auch in anderen europäischen Metropolen und in New York. Aber dazu später.

          „Früher waren wir eigentlich nur draußen.“

          Susanne Kaufmann ist ganz die Gastgeberin. „Wollen Sie einen Tee oder Kaffee?“ Die Betonung liegt auf der letzten Silbe. Man hört die Nähe zur Schweiz. Bei Kaufmann klingt das Alemannische sanft, es ist mehr Tonfall als Dialekt. Eine gut-aussehende Frau Ende 40, die Ruhe und Souveränität ausstrahlt.

          Aus dieser Idylle stammen die Produkte für Susanne Kaufmanns Kosmetiklinie.

          Bezau – Wien – München - Berlin – New York. Wie kommt es, dass eine kleine Kosmetiklinie mit dem Namen „Susanne Kaufmann“ aus der österreichischen Provinz ohne besonderes Marketing so erfolgreich wurde? Je länger man mit ihr spricht, desto mehr verschmelzen die scheinbaren Gegensätze von Land und Stadt, Tradition und Moderne. Sie verkörpert gleichsam beides. In einem Moment ist sie die Hotelchefin, die in Bezau aufgewachsen ist und auch schon mal Dirndl trägt. Im anderen ist sie die Unternehmerin, die eine erfolgreiche Marke entwickelt hat, zu einer Zeit, als Naturkosmetik noch in den Nischen der Reformhäuser verkauft wurde.

          Der Grundstein ihres Erfolgs liegt in ihrer Kindheit, die so war, wie man sich eine Kindheit in den Bergen vorstellt – wenn auch eine Spur privilegierter als die der anderen Kinder im Dorf. Der Vater arbeitete als Architekt, die Mutter führte das Hotel Post, das 1850 von Susannes Ururgroßvater als kaiserlich-königliches Postfuhramt gegründet wurde und zum ersten Haus am Platz aufstieg. Susanne war ein Hotelkind, wie sie sagt. Die Wohnung lag direkt hinter der Rezeption. Nach der Schule half sie in der Waschküche aus, bügelte Bettlaken, stand am Ausschank oder an der Rezeption. Oder ging vor die Tür. „Die Naturverbundenheit ist schon groß bei uns. Früher waren wir eigentlich nur draußen.“ Sie spielte mit den anderen Kindern aus dem Dorf.

          Echt Bio: Kosmetik aus Pflanzen

          Dann gab es die unendlich langen Tage im Sommer, an denen die Eltern wegen der Hochsaison beschäftigt waren. Susanne kam mit ihrem Bruder zur Großmutter auf die Alpe, wie man im Bregenzerwald für Alm sagt. Auch alle Kinder, die aus landwirtschaftlichen Betrieben stammen, kamen hoch, denn die Eltern waren bei den Kühen. Es gab weder Strom noch Wasser, erzählt Kaufmann. „Da blieben wir drei Wochen, fünf, sechs Kinder. Die Lebensmittel kamen mit der Seilbahn, die Milch gab's vom Bauern.“

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