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Kosmetik für den Sport : Schweiß und Schönheitspreis

  • -Aktualisiert am

Beauty-Produkte für den Sport? Im Ernst? Tatsächlich gibt es einen Grund dafür. Bild: www.plainpicture.com

Jane Fonda und Cindy Crawford haben es in den Achtzigern und Neunzigern vorgemacht: Fitness kann verdammt gut aussehen. Das weiß auch die Kosmetikindustrie.

          Wer meint, das Fitnessstudio sei die letzte Bastion der Natürlichkeit – ungeschminkt einchecken, verschwitzt wieder auschecken –, findet in der jüngeren Geschichte genug Gegenbeispiele. In den achtziger Jahren turnte Jane Fonda vor, mit hochtoupierten Haaren, starkem Augen Make-up und extrem konturierter Haut. Nicht nur mit ihren Übungen steckte sie eine Generation Frauen an – ihr Look wurde ebenfalls schnell zur Stilvorlage.

          In den neunziger Jahren hieß die Trainerin in den Workout-Videos dann Cindy Crawford. Am Strand von Malibu oder auf den Dächern New Yorks war das Supermodel immer mit perfekt geföhnten Haaren, Nude-Make-up und geschminkten Augenbrauen zu sehen. Wieder mal der Look der Zeit.

          Heute wäre ein deutlich sichtbares Make-up beim Barre-Training fast schon grotesk. Trotzdem heißt das nicht, dass alle beim Sport ungeschminkt herumturnen. Das hat auch der Münchner Dermatologe Timm Golüke beobachtet. „Das Fitnessstudio ersetzt heute häufig die Bar“, sagt er. „Dorthin geht man abends, um Freunde zu treffen und Leute kennenzulernen.“

          Was zu vermeiden ist

          Dass Sport und Bewegung mittlerweile für viele Menschen wie selbstverständlich zum Alltag gehören, ist eine gute Nachricht. Ebenso selbstverständlich bleibt auch das Make-up des Tages auf der Haut. Wenn die Beauty-Industrie auf diese Entwicklung nun reagiert und sogenannte Athleisure-Produkte entwickelt, ist das nicht unbedingt symptomatisch dafür, dass immer mehr Menschen ihre Komplexe überschminken müssten – sondern eher dafür, dass es eben Maßnahmen für einen maximal komplexen Tag braucht, von der Arbeit am Schreibtisch bis zum sanften Stretching auf der Matte. Die Produkte sollen den Belastungen der Workouts standhalten, ohne Hautprobleme zu verursachen.

          Soll Belastungen beim Workout standhalten ohne Hautprobleme auszulösen: das Puder von Clinique Bilderstrecke

          Als eine der ersten Marken hat Clinique das erkannt und eine Beauty-Linie namens Clinique Fit entwickelt. Es gehe dabei um die richtige Formulierung, sagt Janet Pardo, die für die Produktentwicklung der Marke verantwortlich ist. Man habe diese Linie dem „Folter-Test“ unterzogen. „Es ist eine Sache zu behaupten, dass ein Produkt ‚longlasting‘ ist“, sagt Janet Pardo. „Aber eine andere, sagen zu können, dass es schweiß- und wasserabweisend ist.“

          Das heißt nicht, dass gewisse Produkte der Haut nicht zu schaffen machen würden. Der Dermatologe Timm Golüke empfiehlt, vor dem Workout keine allzu reichhaltige Pflege zu verwenden. Eine leichtere, ölfreie Textur sei gesünder. Vermeiden sollte man zudem Produkte und Inhaltsstoffe, die zusätzlich reizen, wie Vitamin A oder Fruchtsäure. „Da die Haut aufgrund des Salzgehalts des Schwitzens sowieso viel arbeiten muss, würde ich das Gesicht nicht noch zusätzlich mit hochaggressiven Reinigungs- oder anderen Pflege-Produkten überfordern.“ Wer ein bestimmtes Beauty-Ritual habe, sollte das nicht vor dem Sport angehen, sondern besser abends, sagt der Facharzt für Dermatologie.

          Auch Rötungen können abgemindert werden

          Neben Hobbysportlerinnen profitieren vor allem Tänzer und Profisportler von den neuen Produkten. Gerade sie, Frauen wie Männer, müssen häufig für Wettbewerbe, Auftritte und Trainingsvideos starkes Make-up tragen. Lauren Kleban, ehemalige Tänzerin und Gründerin des Lekfit-Studios in Los Angeles, in dem zum Beispiel Schauspielerinnen wie Busy Philipps oder Ever Carradine trainieren, begrüßt diese Entwicklung. „Als ich jünger war und als professionelle Tänzerin gearbeitet habe, musste ich Produkte verwenden, die ich mir zum damaligen Zeitpunkt leisten konnte.

          Heute nutze ich nur Produkte, die sich gut auf der Haut anfühlen und gleichzeitig eine pflegende Wirkung haben.“ Von Einschränkungen hält sie allerdings nichts. „Jeder soll sich beim Sport wohlfühlen und tragen, worauf er Lust hat.“ Aus Erfahrung kann sie trotzdem sprechen. „Ich empfehle, auf leichte Texturen zu achten, die nicht die Poren verstopfen.“

          Vivienne Rudd vom britischen Marktforschungsinstitut Mintel prognostiziert, dass noch viele weitere Marken auf den Trend der „Active Beauty“ aufspringen und entsprechende Produkte lancieren. Andere gründen auf Basis des Versprechens von Sport-Make-up gleich eigene Unternehmen. Eines davon heißt Pretty Athletic Skincare.

          Die Pflegelinie, die mit ihrem farbenfrohen Design an Fitness-Outfits erinnert, umfasst nicht nur Feuchtigkeitsspray und Gesichtsreinigung, sondern auch ein Mittel, das Rötungen nach dem Sport abklingen lassen und die Hautbarriere mit Pflanzenextrakten und Antioxidantien wieder ins Gleichgewicht bringen soll. Was bedeutet, dass man nach dem Sport im Büro erscheinen kann, ohne auszusehen, als käme man gerade vom Sport.

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