https://www.faz.net/-hrx-8gm8n

Jetpeel im Selbsttest : Fassadenreinigung

  • -Aktualisiert am

Schmerzfrei, schonend und doch wirksam: Die Kosmetikerin Martina Schwieger behandelt eine Kundin per Jetpeel. Bild: Lucas Wahl

Jünger, frischer, glatter: Ein Jetpeel soll helfen, die Spuren der Zeit im Gesicht verschwinden zu lassen. Ein Bericht von der Kosmetik-Liege.

          Es klingt wie ein altmodischer Staubsauger. Oder schlimmer noch: wie ein Hochdruckreiniger. Zum Glück steckt Watte als Lärmschutz in meinen Ohren, und die warmen, duftenden Hände von Martina Schwieger lassen Baustellen-Assoziationen verschwinden.

          Ich habe mich zu einer Jetpeel-Gesichtsbehandlung bei ihr angemeldet, dem „Red-Carpet-Treatment“ par excellence: Zahlreiche Hollywood-Stars nutzen die Methode vor großen Auftritten, um frisch und verjüngt auszusehen. Es soll schmerzfrei sein, sogar entspannend und kommt ohne Spritzen und giftige Substanzen wie Botulinumtoxin aus. Langzeitschäden wie eine Hautverdünnung nach zu häufigen Mikrodermabrasionen sind nicht zu befürchten, und auch keine „Betriebsunfälle“ wie die mit Fillern aufgepumpten Gesichter, die einem Luftballon gleichen und die ich in meinem Job als Modejournalistin so häufig bei Schauen sehe.

          Keine Geschichte verpassen: F.A.Z. Stil bei Facebook und Instagram

          Mit Geschwindigkeiten von bis zu 720 Kilometern pro Stunde wird beim Jetpeel ein Gemisch aus Wasser, Gas und Kochsalz auf die Haut geschossen, so dass die obere "tote" Schicht sanft abgetragen wird. Dann kommen Substanzen wie Hyaluronsäure, Vitamine oder aTX (ein pflanzlicher Botox-Ersatz) zum Einsatz, die als kraftvoller Strom aus Mikrotröpfchen besonders tief in die gereinigte Haut eindringen. Benutzt wird dafür ein Apparat, der ein wenig an ein Sauerstoffgerät erinnert - allerdings mit mikroskopisch kleinen Düsen vorne. Die Haut soll gut durchgefeuchtet und geglättet werden. "Die Wirksamkeit wurde an der Hamburger Universität mithilfe einer Canfield-Kamera nachgewiesen", sagt Martina Schwieger. Und das in einer über sechs Wochen laufenden Doppelblindstudie. Elastizität und Feuchtigkeitsgehalt der Haut verbesserten sich demnach merklich. Zudem verringerte sich die Tiefe von Falten. All das klingt vielversprechend. Eigentlich sollte da nichts mehr schiefgehen.

          Martina Schwieger ist seit einiger Zeit die Kosmetikerin meiner Wahl. Ihr lichtes Institut mit den hohen Stuckdecken, in Schneeweiß gehalten, gilt in Sachen Hautpflege als eine der besten Adressen Hamburgs. Nach stressigen Arbeitstagen erwartet einen hier Wohlbehagen: Klassische Musik weht durch die Räume, ein Fußbad steht schon bereit, und vor der Behandlung werden Tee und ein köstliches Petit Four mit Schokoladenschicht serviert. Schwieger selbst ist eine hübsche Frau mit langen, dunklen Haaren, frischem Teint und einer so freundlichen Ausstrahlung, dass man ihr schnell vertraut. Sie sieht aus wie höchstens Mitte 40, ist aber in Wahrheit 54 Jahre alt - für ihre Anti-Aging-Methoden mit medizinischer Kosmetik ist sie selbst die beste Werbung. Wenn sie einen mit weichen, warmen Frotteetüchern zudeckt, fühlt man sich in Kindertage zurückversetzt, in denen man gut versorgt und herrlich warm eingepackt in den Schlaf dämmerte. Selbst die zu jeder Gesichtsbehandlung gehörende Ausreinigung mit dem Öffnen verstopfter Poren verliert bei ihr jeglichen Schrecken.

          Der Wasserstrahl ist so kalt wie Schnee

          Seit das Jetpeel-Gerät brummt, drängen allerdings unangenehmere Kindheitserinnerungen an die Oberfläche: Etwa daran, wie mein älterer Bruder mich manchmal im Winter mit Schnee einseifte, wenn ich ihn geärgert hatte. Der Wasserstrahl ist bitterkalt und kribbelt auf der Haut. Obwohl es nicht weh tut und Martina Schwieger mir versichert, dass die meisten Menschen Kälte viel besser vertragen als Wärme - ich mag das eisige Gefühl einfach nicht. Drei „Arbeitsgänge“ braucht sie für die gesamte Behandlung: Zuerst kommt eine Lymphdrainage, die Wassereinlagerungen beseitigt, die Durchblutung ankurbelt und das Gesicht vorbereitet. Danach ist das Peeling dran. Bei Leuten mit weniger sensibler Haut kann statt des Kochsalzes dafür auch Glycolsäure in verschiedenen Konzentrationsstufen von fünf bis 15 Prozent zum Einsatz kommen. Und schließlich wird der Wirkstoff in die Haut eingebracht - in meinem Fall Hyaluronsäure. Es fühlt sich tatsächlich so an, als sei das eigene Antlitz eine modrige Fassade, die gründlich abgekärchert und dann neu gestrichen und versiegelt wird.

          In ihrem Institut: Martina Schwieger

          Die Abstrahlerei dauert etwa 20 Minuten - Schwieger arbeitet zügig und mit sicherer Hand. Je nach Behandlungsschritt verändert sie den Neigungswinkel des Handstücks. Am steilsten ist er beim Peeling. Als sie erwähnt, dass ungeübte Hände mit dem Gerät auch ein Loch in der Haut erzeugen könnten, zucke ich kurz zusammen. Aber die Kälte beruhigt dann sowohl Teint als auch Geist. Schon vor der abschließenden Gesichtsmassage fühle ich mich frisch und entspannt.

          Ein Make-up brauche ich am Ende nicht mehr. Die Haut fühlt sich so rein an, als hätte ich das Gesicht eines Babys. Der Blick in den Spiegel zeigt ein glattes, frisches, rosig schimmerndes Gesicht. Die durch einen gerade erst überstandenen Infekt bedingten Augenringe sind verschwunden. Die Konturen wirken wieder weicher, und irgendwie strahle ich mir selbst entgegen. Fünf Jahre sind auf einen Schlag verschwunden.

          Das Ergebnis soll zehn bis maximal 30 Tage anhalten. Nach vier bis sechs Sitzungen soll sogar eine Langzeitwirkung erreicht werden. Invasivbehandlungen mit Botox oder Fillern brauche ich erst einmal nicht. Das ist wohl auch der Grund, warum sich die Jetpeel-Behandlung besonders an Männer richtet, die in Sachen Schönheit oft nicht ganz so leidensbereit sind. „80 Prozent meiner männlichen Kunden machen es wieder“, sagt Martina Schwieger. Ich wohl auch. Spritzen mag ich nämlich genau so wenig wie die meisten Männer.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          737 Max : Flugverbot kostet Boeing Milliarden

          Der amerikanische Konzern stellt sich nach den Abstürzen der 737-Max-Maschinen auf hohe Entschädigungen ein. Es könnte sogar noch schlimmer kommen. Doch die Investoren goutieren die Klarheit.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.