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Werbeverbot für Schönheits-OPs : „Du bist okay, so wie du bist“

Macht doch jeder? Eine Frau lässt sich die Lippen auffüllen. (Symbolbild) Bild: AFP

Gesundheitsminister Jens Spahn will Werbung für Schönheits-Operationen verbieten, wenn sie sich an Jugendliche richtet. Um konkrete Kampagnen geht es bislang nicht – aber Ärzte warnen schon länger vor einem „Selfieboom“.

          2 Min.

          Machen Schönheitsoperationen wirklich schöner? Darüber scheiden sich die Geister. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will jedenfalls Jugendliche vor Werbebotschaften schützen, die ihnen genau das suggerieren. „Du bist okay, genauso wie Du bist. Werbung für Schönheits-OPs vermittelt zu oft eine andere, falsche Botschaft“, erklärte der Minister am Mittwoch zunächst im „Tagesspiegel“ und später in seinem wöchentlichen Live-Video auf Facebook. Werbung für plastisch-chirurgische Eingriffe ohne medizinische Notwendigkeit setze die Jugendlichen unter Druck. „Um Jugendliche vor unnötigen Operationen zu schützen, wollen wir jede Form von an sie gerichteter Werbung für operative plastisch-chirurgische Eingriffe verbieten“, so Spahn.

          Julia Anton
          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          Für die Altersgruppe unter 14 Jahren gibt es bereits ein Werbeverbot. Daran will Spahn mit einem Änderungsantrag anknüpfen: Verboten werden sollen künftig auch Kampagnen, die sich ausschließlich oder überwiegend auch an ältere Jugendliche richten, zum Beispiel wenn die Models minderjährig sind.-

          „Scheinbar klein, aber mit gesellschaftlicher Bedeutung“, beschreibt der Minister sein Vorhaben auf Facebook. Tatsächlich scheint es keine konkreten Kampagnen zu geben, die das Verbot angestoßen haben. Das Gesundheitsministerium will mit dem Gesetz aber auch soziale Netzwerke in den Blick nehmen. Wie die Deutsche Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirugie (DGÄPC) berichtet, spielen Selfies und digitale Bildbearbeitung eine große Rollen beim Schönheitsempfinden: Bei einer Mitgliederbefragung im Juni waren 85 Prozent der befragten Ärzte überzeugt, dass digitale Filter die Ansprüche der Nutzer an den eigenen Körper verändern. Knapp 60 Prozent berichteten, dass schon mal Patienten bearbeitete Selfies als Vorlage in die Praxis mitgenommen hätten. Auch die Vereinigung der Ästhetisch-Plastischen Chirugen warnte Anfang des Jahres von einem „Selfie-Boom“.

          Hat hier und da was machen lassen: Shirin David
          Hat hier und da was machen lassen: Shirin David : Bild: dpa

          Das berühmteste Beispiel für Schönheitsoperationen bei Minderjährigen ist wohl Model und Influencerin Kylie Jenner. 2015 ließ sie sich im Alter von 16 Jahren die Lippen mit Hyaluron-Säure aufspritzen. Danach gab es Berichte über eine gestiegene Anzahl junger Frauen, die sich für einen solchen Eingriff interessieren. Auch deutsche Influencerinnen – zwar volljährig, aber oft mit minderjährigen Fans – haben was machen lassen: So soll die Musikerin Shirin David bereits über 70.000 Euro in plastische Eingriffe investiert haben. „Germany’s next Topmodel“-Teilnehmerin Enisa Bukvic, die mehrere Hunderttausend Instagram-Follower hat, erklärte auf Nachfrage zu ihren Hyaluron-Fillern, mit dem sie ihre Lippen zeitweise optisch vergrößern ließ, sogar: „Fillers sind wie Wasser trinken. Jeder macht das.“

          Obwohl beispielsweise die Mitglieder der DGÄPC sich ohnehin darauf verständigt haben, medizinisch nicht notwendige Eingriffe erst bei Patienten ab 18 Jahren durchzuführen, begrüßt Präsident Torsten Kantelhardt das Werbeverbot: „Als Fachgesellschaft würden wir ein solches Werbeverbot zu 100 Prozent unterstützen.“ Auch wenn viele Behandlung in der Regel schnell und sicher durchgeführt werden könnten, bleibe ein Eingriff eine Belastung für den Körper und sei bei Jugendlichen zu vermeiden. „Wir sehen es kritisch, dass durch Werbung – insbesondere auf sozialen Medien – hier Begehrlichkeiten bei Nicht-Volljährigen geweckt werden.“ Wie eine Sprecherin der DGÄPC erklärte, könne man sich auch ein Verbot für die Eingriffe bei Minderjährigen vorstellen. Das forderte auch der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach im „Tagesspiegel“ – im Gesundheitsministerium ging man auf Anfrage der F.A.Z. aber davon aus, dass dies eher in die Zuständigkeit des Justiz- oder Familienministeriums falle.

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