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Anya Taylor-Joy im Interview : „Den roten Teppich habe ich am Anfang gehasst“

  • -Aktualisiert am

Anya Taylor-Joy verkörpert die Titelrolle der Jane Austen-Adaption „Emma“. Bild: dpa

Eine Frau mit vielen Wurzeln: „Emma“-Schauspielerin Anya Taylor-Joy spricht über Feminismus in Jane Austens Werken, Spaß an der Mode, Schreckmomente auf dem roten Teppich und Heimatgefühle.

          5 Min.

          Als Jugendliche wurde Anya Taylor-Joy von einem Model-Scout entdeckt, doch bald tauschte sie die Arbeit auf den Laufstegen gegen die Schauspielerei ein. Eine Rolle in einer Teenie-Serie des Disney Channels lehnte sie ab und übernahm stattdessen die Hauptrolle in dem anspruchsvollen Horrorfilm „The Witch“, mit dem ihr 2015 der Durchbruch gelang. Seither war die Tochter einer englischen Mutter und eines schottisch-argentinischen Vaters in Filmen wie „Split“, „Glass“ oder „Playmobil: Der Film“ sowie der fünften Staffel der Serie „Peaky Blinders“ zu sehen. Bevor Taylor-Joy im April in „Marie Curie – Elemente des Lebens“ die Tochter der legendären Wissenschaftlerin spielt, verkörpert sie nun die Titelrolle der Jane Austen-Adaption „Emma“. Wir trafen die 23 Jahre alte Schauspielerin in London.

          Miss Taylor-Joy, als Britin sind Sie mit „Emma“ und anderen Büchern von Janes Austen vermutlich zwangsläufig vertraut, oder?

          Das bin ich wirklich, aber gar nicht nur wegen Schullektüre oder so, sondern einfach weil Austen eine meiner Lieblingsautorinnen ist. „Emma“ habe ich schon als Elfjährige das erste – und definitiv nicht letzte – Mal gelesen. Und selbst wenn man die Bücher gut kennt, entdeckt man bei Austen immer wieder neue sprachliche Details, die einfach großartig sind.

          Als verstaubt empfinden Sie ihre Geschichten nie?

          Kein bisschen. Dass Emma zum Beispiel so gar nicht daran interessiert ist zu heiraten, sondern ihre eigenen Pläne hat, ist doch zum Beispiel richtig modern. Sie verkuppelt gerne andere, hat aber selbst ein ganz praktisches gesellschaftliches Schlupfloch gefunden, das ihr auch ohne Mann erlaubt, Hausherrin zu sein. Die Mutter lebt nicht mehr, einen Bruder hat sie nicht und der Vater überlässt ihr das Ruder, also kann sie all die Entscheidungen treffen, die um 1800 sonst nur Männer treffen durften. Daraus, dass Frauen damals keine Kontrolle, keinen Besitz und keine Handlungsmacht hatten, macht Austen ja keinen Hehl.

          Trotzdem geht es doch aber ganz schön viel ums Heiraten, oder?

          Aber das sagen wir natürlich aus heutiger Sicht, was vielleicht ein bisschen unfair gegenüber den Frauen des 19. Jahrhunderts ist, oder? Viele Optionen gab es für Frauen zu Austens Zeiten wie gesagt nicht. Sie selbst hat sich gegen das Heiraten entschieden, aber das musste man sich leisten können. Und dann war man eben doch auch einsam, was uns Menschen, die ja doch eher gesellige Herdentiere sind, nicht unbedingt entspricht. Emmas Herangehensweise an das Thema empfinde ich also durchaus als feministisch!

          Inszeniert hat „Emma“ die Regisseurin Autumn de Winter, die noch nie zuvor einen Spielfilm gedreht hat.

          Sie kommt aus der Musikwelt, was mir unglaublich gut gefallen hat. Denn sie ist die erste Regisseurin, mit der ich gearbeitet habe, die einen Film wie Musik inszeniert hat, mit einem ganz dezidierten Rhythmus. Da ich vom Ballett komme und auch vor der Kamera immer konkrete Taktschläge im Kopf habe, kam mir das enorm entgegen. Ich glaube, mehr im Einklang mit einer Regisseurin oder einem Regisseur war ich noch nie.

          Apropos Musik: Als Emma spielen Sie auch Klavier. Oder tun Sie nur so?

          Vor dem Film konnte ich nicht Klavier spielen, deswegen bin ich durchaus stolz darauf, wie ich das vor der Kamera hinbekommen habe. Viel Zeit zur Vorbereitung hatte ich nicht, aber die Produktion ließ mir ein Klavier zukommen, und so habe ich mir die Sache so gut wie möglich selbst beigebracht. Aber jetzt lerne ich die Sache richtig, denn netterweise durfte ich das Instrument behalten.

          Kaum Zeit zur Vorbereitung verwundert nicht. Sie drehen seit Ihrem Durchbruch vor fünf Jahren einen Film nach dem nächsten.

          Da ist was dran! Tatsächlich hatte ich noch gar keine richtige Zeit, darüber nachzudenken, was in diesen fünf Jahren alles passiert ist. Was ganz gut ist, denn ich bin recht grüblerisch und ängstlich veranlagt. Außerdem genieße ich es einfach sehr, mit so vielen spannenden Menschen so aufregende Projekte umsetzen zu können.

          Anya Taylor-Joy als „Emma Woodhouse“ und Johnny Flynn als „George Knightley“
          Anya Taylor-Joy als „Emma Woodhouse“ und Johnny Flynn als „George Knightley“ : Bild: UPI

          Aber können Sie zwischendurch auch mal abschalten? Oder stehen Sie ständig unter Strom?

          Keine Sorge, ich kann auch abschalten. Am besten, in dem ich Gedichte oder Songs schreibe. Das entspannt mich total.

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