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Iris Berben im Stil-Fragebogen : „Zum Abendessen? Wein! Alle Farben“

Schauspielerin Iris Berben wird 70. Bild: Jens Gyarmaty

Iris Berben, eine der größten Charakterdarstellerinnen des deutschen Fernsehens, wird 70. Im Stil-Fragebogen spricht sie über den Duft von Zitronen, ihre Verbundenheit mit Portugal und ihre Reise in die Antarktis.

          3 Min.

          Ihre Karriere begann an der Seite von Ingrid Steeger in „Zwei himmlische Töchter“ und von Diether Krebs in „Sketchup“. Heute gehört Iris Berben zu den großen deutschen Charakterdarstellerinnen. Die gebürtige Detmolderin, die bis 2019 Präsidentin der Deutschen Filmakademie war, wird am Mittwoch 70 Jahre alt. Ihr zu Ehren sendete das ZDF zunächst am Montag den Thriller „Nicht tot zu kriegen“ über eine alternde Film-Diva, und an ihrem Geburtstag zeigt das Erste „Mein Altweibersommer“, in dem Iris Berben die 60 Jahre alte Ebba spielt, die sich Hals über Kopf in einen Zirkusdirektor verliebt.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Was essen Sie zum Frühstück?

          Wichtiger ist, was ich zum Frühstück trinke. Es muss mit einem doppelten Espresso beginnen, und wenn ich Zeit habe, trinke ich danach gerne einen frisch gepressten Saft und esse dazu alle Formen von Käse und Quark.

          Wo kaufen Sie Ihre Kleidung ein?

          Ich gehe gerne in Geschäfte und habe Lust und Freude daran, Dinge zu entdecken. Ich mag das sinnliche Erlebnis, etwas anzuprobieren, und mische Designerstücke mit Sachen von großen Ladenketten wie Arket oder &Other Stories. Komplett-Looks mag ich überhaupt nicht, und eine Stylistin habe ich auch nicht, was in meinem Beruf immer seltener ist. Online kaufe ich gar nicht gerne ein.

          Was ist das älteste Kleidungsstück in Ihrem Schrank?

          Das ist ein Cocktailkleid meiner Mutter aus den frühen Sechzigern, das ihr Bruder, der Schneider war, angefertigt hat. Ich habe es schon getragen und überlege gerade, dieses Herzensstück noch einmal umarbeiten zu lassen.

          Bunt und lässig: Iris Berben besucht 2018 das Produzentenfest.
          Bunt und lässig: Iris Berben besucht 2018 das Produzentenfest. : Bild: dpa

          Wann haben Sie zuletzt handschriftlich einen Brief verfasst?

          Vor knapp zwei Wochen an eine gute alte Freundin in Südfrankreich. Alle Briefe, die mir wichtig sind, schreibe ich mit der Hand, mit Füllhalter und Tintenglas.

          Welches Buch hat Sie im Leben am meisten beeindruckt?

          Als Kind war es absolut der anarchistische „Struwwelpeter“, der war mein Lieblingskomplize. Später war es „Sonnenfinsternis“ von Arthur Koestler, seine Abrechnung mit dem Kommunismus. Und gerade ist es David Grossmans „Kommt ein Pferd in die Bar“.

          Wie informieren Sie sich über das Weltgeschehen?

          Ich bin ein Nachrichten-Junkie. Wenn ich nicht drehe, dann sind bei mir jede Stunde die Nachrichten auf Radio Eins zu hören. Ich lese täglich die „Süddeutsche Zeitung“ und „Die Welt“, schaue abends Fernsehen und bin auch viel im Internet.

          Was ist Ihr bestes Smalltalk-Thema?

          Ich langweile mich bei Smalltalk. Aber was ich gut kann, ist kochen. Und darüber rede ich auch gerne.

          Bei welchem Film haben Sie zuletzt geweint?

          Es gibt einen Film, den ich mir immer wieder anschaue, und bei dem ich jedes Mal weine, das ist „Liebe“ von Michael Haneke. Ich weine aber auch sehr schnell, zuletzt bei der amerikanischen Miniserie „When They See Us“ über das Justizversagen in den Vereinigten Staaten.

          Sind Sie abergläubisch?

          Nein! Und ja. Wenn Sternschnuppen fallen, wünsche ich mir selbstverständlich das Unmögliche.

          Worüber können Sie lachen?

          Ich mag schwarzen Humor, bei dem einem das Lachen gerne mal gefriert. Ich lache auch über mich, und sehr gelacht habe ich gerade über die britische Serie „Fleabag“ von und mit Phoebe Waller-Bridge. Das ist so bitter, so tragisch, so komisch, das ist die hohe Kunst des Humors.

          Ihr Lieblingsvorname?

          Léon von „Léon - Der Profi“ und Liz von Liz Taylor.

          Für ihr Engagement gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus wurde Iris Berben Anfang Juli mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet.
          Für ihr Engagement gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus wurde Iris Berben Anfang Juli mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet. : Bild: dpa

          Machen Sie eine Mittagspause?

          Nein. Das kann ich überhaupt nicht. Ich finde es schon schlimm genug, dass man nachts schlafen muss.

          In welchem Land würden Sie gerne leben?

          Ich lebe gerne in diesem Land, was mir in dieser Zeit wieder besonders bewusst wird. Allein wie unser Land mit all dem umgeht, was uns derzeit beschäftigt, zeigt, wie bemerkenswert es ist. Ich bin aber auch gerne dort, wo ich teilweise aufgewachsen bin: in Portugal. Ich liebe die Menschen dort, die Wildheit des Atlantiks.

          Was fehlt nie in Ihrem Kühlschrank?

          Weißwein. Zitronen. Knoblauch.

          Fühlen Sie sich mit oder ohne Auto freier?

          Mit. Kürzere Strecken fahre ich auch mit dem Fahrrad. Aber ich bin ein sehr spontaner Mensch, und das Auto gibt mir die Freiheit, größere Strecken zu bewältigen.

          Was ist Ihr größtes Talent?

          Ich glaube, ich habe einen ziemlich geschärften und gut funktionierenden Instinkt, wenn es zum Beispiel um Entscheidungen geht. Und ich kann Menschen beurteilen. Deswegen bin ich gut darin, und das bestätigen mir auch viele meiner Freunde, ein Team zusammenzufügen und ein Gemeinschaftsgefühl zu vermitteln.

          Was tun Sie, obwohl es unvernünftig ist?

          Vieles. Abends spät viel zu viel essen und trinken, zu schnell Auto fahren, mir zu wenig Schlaf zumuten und immer noch rauchen.

          Welcher historischen Person würden Sie gerne begegnen?

          Ich wäre gerne Andy Warhol noch begegnet. Ein paar seiner Mitstreiter aus seiner Factory habe ich kennengelernt, ihn aber leider nicht. Mein erster Kurzfilm an der Hamburger Kunsthochschule war von Warhols Film „Sleep“ inspiriert, in dem er sechs Stunden lang einen schlafenden Menschen zeigt. Für uns hat sich damit ein Fenster geöffnet zu einem ganz neuen Denken und Handeln und dazu, nicht mehr in alten Mustern funktionieren zu wollen.

          Tragen Sie Schmuck? Und eine Uhr?

          Ich trage immer Ohrringe und habe auch sehr viele unterschiedliche. Genauso wie Uhren. Eine Uhr ist für mich vor allem auch Schmuck, sie muss zum Outfit passen.

          Haben Sie einen Lieblingsduft?

          Ich liebe den Duft von Zitronen, was meiner Zeit in Portugal geschuldet ist. Ein bestimmtes Parfum habe ich nicht, das ist stimmungsabhängig bei mir. Momentan ist es ein eher schwerer Duft: Sables von Annick Goutal.

          Was war Ihr schönstes Ferienerlebnis?

          Es gab so viele, schon früh mit meiner Mutter. Tief berührt hat mich meine letzte Reise in die Antarktis, wo mir bewusst geworden ist, wie wunderschön und gefährdet unser Planet ist.

          Auf welchem Konzert waren Sie zuletzt?

          Bei den Rolling Stones in Hamburg.

          Was fehlt Ihnen zum Glück?

          Gar nichts.

          Was trinken Sie zum Abendessen?

          Wein. Alle Farben, je nach dem Gericht, das ich vor mir habe.

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