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Plastischer Chirurg : „In Deutschland ist das Künstliche ein Makel“

Nicht zwangsläufig. Es ist natürlich in Ordnung, wenn der Hals-Nasen-Ohren-Arzt die Nase operiert oder der Gynäkologe die Brust. Es wird dann allerdings problematisch, wenn unter dem Deckmantel des „Schönheitschirurgen“ ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt Brustvergrößerungen, ein Unfallchirurg Gesichtsstraffungen oder ein Arzt ohne jede chirurgische Weiterbildung Fettabsaugungen durchführt. All diese Ärzte haben keine mehrjährige Weiterbildung im Fachgebiet Plastische Chirurgie, die auch durch die Ärztekammer geprüft ist.

Auch für die Weiterentwicklung der Standards innerhalb der Plastischen Chirurgie setzt sich Ihre Gesellschaft ein.

Die Deutsche Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen wurde nicht zuletzt deshalb im Jahr 1968 gegründet, um die Anforderungen für dieses sehr anspruchsvolle Fach der Plastischen Chirurgie festzulegen. Das haben wir in den zurückliegenden 50 Jahren auch erreicht: 1976 wurde die Plastische Chirurgie offiziell ein Teilgebiet der Chirurgie so wie die Bauch- oder Gefäßchirurgie. Und vor 25 Jahren wurde der Facharzt für Plastische Chirurgie eingeführt. Eine sechsjährige Ausbildung ist dafür nötig. Unsere Gesellschaft ist inzwischen der einzige Berufsverband mit rund 1300 Mitgliedern. Die Gesellschaft vertritt zudem die Interessen der Plastischen Chirurgie in allen relevanten nationalen und internationalen Gremien. Andere Vereine für „ästhetische Chirurgie“ schmücken sich zwar mit imposanten Internetauftritten. Doch schaut man genauer hin, fehlen oft die wissenschaftliche Ausrichtung und vor allem die Mitglieder.

Das kann nicht jeder: Die Facharztausbildung zum Plastischen Chirurgen dauert sechs Jahre. Kein Wunder, dass sich Riccardo Giunta gegen beliebige ästhetische Eingriffe wendet.

Mangelnde Professionalität kann bei allen Operationen, auch bei ästhetischen, ein Gesundheitsrisiko sein. Werden dort Risiken bewusst verschwiegen?

Das kann schon vorkommen. Zumindest wird über mögliche Konsequenzen solcher Schönheitsoperationen oft ungenügend oder verharmlosend informiert. Während mit atemraubender Geschwindigkeit ein „Beauty-Trend“ den anderen ablöst, bleibt die sachliche Aufklärung auf der Strecke. Das fängt damit an, dass man den Leuten klarmachen muss, dass jede Operation Risiken wie Infektionen, Wundheilungsstörungen oder Gefäß- und Nervenverletzungen birgt. Sie unterscheidet sich damit drastisch von einem Besuch beim Friseur oder der Kosmetikerin. Das sollte jeder wissen, der sich unters Messer legt für einen Eingriff, der nicht notwendig ist. Nehmen wir allein die Piercings: Letztlich ist auch das eine kleine Operation. Allerdings durchgeführt unter halbsterilen Bedingungen von jemanden, der keine Ahnung von Chirurgie hat.

Mit welchen Trends werden Sie konfrontiert?

Da ist in letzter Zeit vor allem der Wunsch nach Po-Vergrößerung. Dann gibt es ausgerissene Ohrläppchen durch sogenannte Flesh-Tunnels, also die Ringe in verschiedenen Größen, die aufrecht durch die Ohrläppchen getrieben werden. Oder auch Komplikationen durch dermale Anker. Das sind kleine Magnete oder Platten, die als Implantate zum Beispiel unter die Haut gesetzt werden. Darauf kann man dann ein Schmuckstück mit Gewinde oder Magnet befestigen.

Wer setzt diese Trends?

In der Regel Prominente, beziehungsweise Influencer, wie man sie heute nennt. Die Po-Vergrößerung geht auf die Kardashians zurück. Unzählige Menschen wollen so aussehen wie sie, befeuert durch die mediale Aufbereitung in einer immer mehr kommerzialisierten Welt. Irgendwann ist die Sättigungskurve erreicht, dann gibt es etwas Neues.

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