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Plastischer Chirurg : „In Deutschland ist das Künstliche ein Makel“

Ist für Sie eine Operation ethisch vertretbar, die nur dazu dient, einem empfundenen Ideal zu entsprechen?

So wie Sie es formulieren, finde ich es zumindest fragwürdig. Aber eine Operation im Sinne der Ästhetischen Chirurgie ist ethisch schon vertretbar, wenn eine sorgfältige Beratung durch einen Plastischen Chirurgen über Chancen und Risiken erfolgt. Wir sehen es allerdings als Fehlentwicklung an, dass Operationen rein aus ästhetischen Gründen so in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung unseres Fachgebietes geraten sind. Und zwar nicht nur unter Laien. Selbst Kollegen anderer Fachrichtungen neigen mitunter zu dieser Haltung: „Ach, ihr macht mehr als Lidstraffung und Fettabsaugen?“ Das weit überwiegend rekonstruktiv ausgerichtete Fachgebiet Plastische Chirurgie wird so leider zu oft als Schönheitschirurgie missverstanden.

Die Kollegen müssten es besser wissen, die Laien hingegen nicht unbedingt.

Die wenigsten Menschen wissen, dass Plastische Chirurgie nach Unfällen, bei Fehlbildungen oder bei Tumoren zum Einsatz kommt, um Form und Funktion von Körperteilen wiederherzustellen. Vor allem wenn Weichteile betroffen sind, also zum Beispiel Fettgewebe aus dem Unterbauch entnommen wird, um eine amputierte Brust wieder aufzubauen, spricht man von Plastischer Chirurgie. Moderne Methoden erlauben es, eine amputierte Brust komplett mit körpereigenem Gewebe wiederherzustellen. Das hilft Frauen sehr, die psychischen Belastungen der Krebserkrankung mit Brustamputation abzumildern. Die Plastische Chirurgie erobert mithin die Würde versehrter Menschen zurück.

Profitiert der Plastische Chirurg dann von seinen Erfahrungen in der Rekonstruktiven Chirurgie, wenn er bisweilen auch ästhetische Operationen vornimmt?

Der Plastische Chirurg will immer ein möglichst natürlich wirkendes Ergebnis erzielen. Und man kann sich gut vorstellen, dass es deutlich schwieriger ist, etwa eine amputierte Brust komplett mit körpereigenem Gewebe wiederherzustellen, als etwa eine gesunde Brust mit einem Implantat zu vergrößern. Der Plastische Chirurg profitiert an dieser Stelle also enorm von seiner Expertise in der Rekonstruktion.

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Viele plastische Operationen werden heutzutage mithilfe von Mikroskopen und winzig kleinen Instrumenten durchgeführt. Da muss man als Chirurg fingerfertig sein, oder?

In der Supra-Mikrochirurgie gibt es Instrumente, deren Spitzen kleiner als einen Millimeter sind. So können wir mit immer größerer Präzision in Gewebestrukturen operieren, die mit dem bloßen Auge nicht wahrnehmbar sind, und kleinste Nervenfasern bei abgetrennten Gliedmaßen wiederherstellen - so dass das Körperteil bald so gut wie es nur geht wieder funktionieren wird.

Kann diese Präzisionsarbeit auch bald von Operations-Robotersystemen ausgeübt werden?

Es gibt da sehr spannende Entwicklungen. Mit den neuen Techniken können die Bewegungen des Operateurs skaliert werden. Es sind potentiell also noch präzisere Eingriffe möglich. Doch der Chirurg steuert das System. Auf ihn kann man daher noch nicht verzichten.

Alle „Schönheitschirurgen“ sind Ärzte, aber nicht alle sind ausgebildete Plastische Chirurgen. Es gibt Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, die Stupsnasen modellieren, Gynäkologen, die Brüste vergrößern. Sagt das etwas über deren Qualifikation aus?

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