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Soziale Medien : Mein Hobby? Instagram Husband

Heikel wird es auch bei der Auswahl des Aufnahmeorts, also der Location, wie sogar wir Hobbyfotografen sagen. Meine Frau hat klare Vorstellungen, welcher Hintergrund ihre Outfits besonders betont. So kommt man als Instagram Husband in Ecken, von denen man niemals zu träumen wagte. In New York hat sich meine Frau das schönste baufällige Fabrikgebäude in Brooklyn als Hintergrund ausgesucht. Auf der Insel Amrum haben wir die älteste Scheune mit der morschesten grünen Holztür gefunden. An der niederländischen Küste haben wir einen potthässlichen Betonbunker aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt. Vor diesem tristen Hintergrund erstrahlte der rote Minirock umso heller.

„Wie sehe ich auf den Fotos aus?“

Von Zeit zu Zeit, wenn ich der alten Gemäuer und verwitterten Parkbänke überdrüssig bin, wage ich einen Vorschlag. Mancher wird goutiert, wenn auch nach kleiner Auseinandersetzung. Ich frage: Wie wäre ein Shooting im Kellergewölbe? Meine Frau antwortet: Ist zu dunkel, zu dreckig, passt nicht zu meinem Outfit. Wir diskutieren. Am Ende sind die Fotos aus dem Keller bei der Instagram-Gefolgschaft echt gut angekommen. Ein weiterer Vorstoß: Ich frage, wie wäre es vor der orangefarbenen Häuserwand? Meine Frau erwidert: Orange steht mir nicht. Es folgt ein Wortwechsel, bis wir es auf einen Versuch ankommen lassen. Die Fotos gehörten zu denen, die das weibliche Instagram-Publikum am meisten begeisterten.

Grauen ohne Ende: Erst nach dem Tod der Frau kann der Mann sein Hobby schleifen lassen.

Solche Erfolge haben mich in den Augen meiner Gattin zu einem durchaus tauglichen Location-Scout gemacht. Die Folge dieses Zuspruchs ist, dass ich seither beim Stadtbummel kaum noch darauf achte, was um mich herum geschieht. Sondern die Straßen konzentriert nach geeigneten Hintergrundmotiven für das nächste Sonntags-Shooting absuche. Und dadurch stets Gefahr laufe, vors nächste Auto zu rennen.

Der heikle Höhepunkt meines Hobbys ist das Fotografieren. Wir Instagram Husbands wollen die Sache schnell hinter uns bringen: auf den Auslöser drücken und Schluss. Leider sollen wir beim Fotografieren auch noch reden, obwohl doch jeder weiß, wie schwer sich Männer damit tun, mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen. Während wir also am Strand knien und verzweifelt versuchen, das Gleichgewicht zu halten, werden wir mit Anweisungen bombardiert. „Du musst schon sagen, wie ich gucken soll! Wie lange soll ich die Pose noch halten? Bist du fertig? Sag doch was!“ Am Ende kommt die allerschwierigste Frage: „Wie sehe ich auf den Fotos aus?“ Die Antwort: toll, wie immer. Erleichtert zu schweigen ist keine Option.

Zwei, drei Fotos von meiner Frau und ihrem Essen

Eigentlich ist die Meinung von uns Instagram Husbands aber gar nicht von Belang. Entscheidend ist, was die Hunderte oder Tausende anderer Frauen sagen, deren kritischen Blicken die Modefotos standhalten müssen. In der Regel zeigen sie sich angetan, finden die Outfits hinreißend. Von Zeit zu Zeit findet sich gar ein Instagram Wife, das nicht nur die Kleidung lobt, sondern auch das Werk des Fotografen. Das teilt mir meine Frau dann sofort mit, und obwohl ich derartige Komplimente äußerlich mit größtmöglicher Gelassenheit zur Kenntnis nehme, gerate ich heimlich doch ins Träumen: Ist an mir vielleicht ein zweiter Wolfgang Tillmans oder Mario Testino verlorengegangen? Soll ich mein Hobby zum Beruf machen?

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Ein bisschen was lässt sich sogar als Instagram Husband verdienen – mit der richtigen Frau. Meine Gattin jedenfalls weiß meine Bemühungen zu schätzen und lädt mich nach erfolgreichen Shootings gelegentlich zum Essen ein. Wir gehen in ein gutes Restaurant, bestellen und plaudern, bis der Kellner die Speisen auf den Tisch stellt. Dann schaut sie mir tief in die Augen. Was ich gut verstehe. Ich zücke mein Smartphone und schieße zwei, drei Fotos von meiner Frau und ihrem Essen.

Die Ergebnisse der Shootings sind auf Instagram und im Netz unter „Oceanblue Style at Manderley“ zu sehen.

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