https://www.faz.net/-hrx-9e9k0

Schönheitstrend Jaderoller : Rollt und Rollt und Rollt

  • -Aktualisiert am

Er sieht hübsch aus, hat exotische Wurzeln und soll ein Problem lindern, mit dem auch in unseren Breiten alle früher oder später konfrontiert sind. Bild: www.stillsonline.de

Er ist meditativ, esoterisch und verspricht gesunde Haut: der Jaderoller. Bei Influencern kommt das Beauty-Tool aus der Qing-Dynastie gut an.

          2 Min.

          Ein altes chinesisches Schönheitswerkzeug ist wieder da: Die Beautyszene liebt den Jaderoller. Angeblich hat schon Cixi das Utensil aus Edelstein benutzt, die Frau, die einst als Nebenfrau des Kaisers zur bedeutendsten Frau der Qing-Dynastie aufstieg. In China wird dem grünen Stein nachgesagt, er schenke Energie, Ruhe und Kraft gegen das Böse.

          Maßgeblich zu seinem Erfolg hierzulande beigetragen hat Alexander Pelz, Mitgründer der Naturkosmetikfirma Rosental Organics. Der Jaderoller war ihm in einem koreanischen Beautymagazin aufgefallen – als Alternative zum Dermaroller. Im vergangenen Jahr gründete er ein Start-up für chemiefreie Naturkosmetik in Mannheim, und der Roller ist nun gewissermaßen das Herzstück dieses Vorhabens. Es gibt ihn aus Rosenquarz, aus Bernstein, aus schwarzer und – in seiner ursprünglichen Fassung – aus grüner Jade.

          Beim Hersteller Rosental Organics ist es nicht geblieben. Wie es sich für einen lukrativen Trend gehört, wächst auch bei diesem Schönheitswerkzeug die Zahl der Anbieter. Nur: Wenn es die Roller bei Amazon schon für wenige Euro zu kaufen gibt, kann man kaum annehmen, dass darin etwas Besseres als Glas verarbeitet worden ist.

          Die Koreanerinnen machen es vor

          Dass der Jaderoller ausgerechnet jetzt zurück ist, verwundert nicht – denn dabei geht es vor allem um positive Ausstrahlung. Dafür sind auch hierzulande immer mehr Menschen bereit, etwas zu tun. Die Koreanerinnen machen es vor, Frauen in Deutschland ziehen nach, mit Schönheitsritualen, die sich in mehreren Schritten umsetzen lassen. Auch der Trend zu Sheet-Masken zeigt, was es hier noch zu lernen gibt.

          Der Jaderoller gehört ebenfalls zu den Tools, die eine gesunde, gepflegte Haut versprechen. Alexander Pelz hat beobachtet, dass das Bewusstsein für Anti-Aging-Produkte an Bedeutung gewinnt, selbst bei jüngeren Frauen, die keine Falten haben, denen es eher darum geht vorzubeugen. Seine Kundinnen sind im Durchschnitt Mitte 30.

          Mit Reinigungsbürsten sind viele Frauen zudem oft schon vertraut – oder sie sind davon mittlerweile gelangweilt. Der Jaderoller ist anders, meditativer in der Handhabung, esoterisch und doch zugleich – buchstäblich – greifbar. Wer damit über müde, geschwollene Augen rollt, soll anschließend gleich ein bisschen wacher aussehen. Denn das Rollen wirkt wie eine Lymphdrainage, das Wasser unterhalb der Augen geht zurück. Unangenehm ist das nicht. Wenn man den Roller zuvor im Kühlschrank aufbewahrt, funktioniert das übrigens noch besser.

          Kein Wunder, dass da etwas ins Rollen kommt

          Die New Yorker Kosmetikerin Ling Chan arbeitet schon länger damit, nicht erst seit asiatische Beauty-Tricks auch in den Vereinigten Staaten und in Europa an Boden gewinnen. Sie verwendet den Jaderoller seit 20 Jahren und kennt sich längst damit aus. Ihr Rat: Vor dem Auftragen der Pflege mit dem Roller über die Haut gehen. Auf diese Weise – da ist sich die Kosmetikerin mit chinesischen Wurzeln sicher – könne die Haut die Inhaltsstoffe besser aufnehmen. Auch ihre Behandlungen beendet sie traditionell mit einer ausgiebigen Massage per Jaderoller.

          Entdeckt hat Ling Chan ihn vor Jahrzehnten in einem Pekinger Museum der Qing-Dynastie. Dort erfuhr sie, wie er für die Haut genutzt wurde – und verstand intuitiv. Jade kannte sie aus ihrer Kindheit, schon ihr Vater hatte sein Haar damals mit einem Jadekamm gebürstet. Dem Haarwachstum sollte es gut tun.

          Den aktuellen Trend schreibt Ling Chan der zunehmenden Bedeutung von Influencern in den sozialen Medien zu. Der Jaderoller sieht einfach gut aus, man nimmt ihn gerne zur Hand, wenn es um die Selbstdarstellung geht. Zum Vergleich: Die Kosmetikerin arbeitet auch mit dem Gua-Sha-Schaber. Er ist ähnlich einfach in der Handhabung, verspricht ebenfalls, bei regelmäßiger Verwendung Falten zu mindern oder ihnen vorzubeugen – und hat trotzdem kaum die Resonanz des Jaderollers.

          Denn der macht einfach mehr her. Natürlich ist auch er ein Schönheitsprodukt, dessen nachhaltige Wirkung so fraglich ist, wie es bei den meisten Gegenständen, Cremes und Flüssigkeiten in der Beautybranche der Fallist. Aber er sieht hübsch aus, hat exotische Wurzeln und soll ein Problem lindern, mit dem auch in unseren Breiten alle Frauen früher oder später konfrontiert sind. Kein Wunder also, dass da etwas ins Rollen kommt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der britische Premierminister Boris Johnson in 10 Downing Street

          Doch wieder Brexit-Gespräche : Sie verhandeln auf der roten Linie

          London und Brüssel verhandeln nun doch weiter über eine künftige Partnerschaft. Aber reichen drei Wochen mehr Zeit aus, um die Gräben zu überwinden? Fest steht: EU-Chefunterhändler Michel Barnier hat wenig Spielraum.
          Mit einem Schild vor der Tür können Amerikaner ihre politischen Vorlieben ausdrücken.

          Durch Dörfer in Ohio : Von Tür zu Tür auf Stimmenfang

          Der Republikaner Rob Weber möchte für Ohio in den Kongress einziehen. Dafür sucht er den Kontakt zu den Wählern. Politisch steht er hinter Präsident Trump. Auf einen Corona-Schutz verzichtet er.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.