https://www.faz.net/aktuell/stil/leib-seele/ich-war-bei-einer-profi-kuschlerin-und-so-war-es-16500706.html

Berühren ja, verführen nein : Ich war bei einer Profi-Kuschlerin und so war es

Wer viel kuschelt, hat ein besseres Immunsystem. Bild: Marina Pepaj

In Zeiten, in denen soziale Kontakte ins Digitale verlagert werden, erblühen neue Gewerbe – wie etwa das professionelle Kuscheln. Bringt das was? Wir haben’s ausprobiert.

          7 Min.

          Ich liege auf dem Rücken, auf einer breiten Matratze. Der kleine Raum ist sehr warm und in dunkles, weiches Licht getaucht. Leise Musik ist zu hören. Shayla, die ich seit 15 Minuten kenne, schmiegt sich seitlich an mich, so dass ihr Kopf an meiner Schulter liegt und ihr linker Arm auf meinem Oberkörper. Ich bin aufgeregt, aber wir liegen sehr lange in dieser Position, sicherlich zehn Minuten, und mit der Zeit legt sich meine Aufregung, und ich entspanne mich.

          Katrin Hummel
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Shayla, 51, blonde kinnlange Haare, eckige schmale Brille, ist professionelle Kuschlerin. Eine Stunde mit ihr kuscheln kostet 70 Euro, etwa so viel wie eine Stunde Physiotherapie. Eigentlich heißt „Shayla“ Simone Münster, sie ist zweifache Mutter, lebt getrennt von ihrem Partner und war früher Inhaberin eines Ladens für Schmuck und Geschenkartikel in Darmstadt. Vor zwei Jahren hat sie ihn verkauft, stattdessen kuschelt sie nun. „Es wirkt vielleicht von außen ein bisschen komisch, aber es tut so gut, gehalten und angenommen zu sein“, sagt sie. Und ist sich sicher: „Es wäre Heilung für die Welt, wenn die Leute sich mehr so begegnen würden.“

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.
          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+
          Geteiltes Leid: Mit dem Jahreswechsel werden Mieter und auch Vermieter den CO2-Preis zahlen.

          Neue Regeln bei Miete : Wohnen wird bürokratischer

          Vermieter und Mieter müssen in diesem Jahr viele neue Vorgaben der Politik beachten. Für manche wird das teuer. Ein Überblick.

          Beziehungsleben : „Sie dürfen Ihren depressiven Partner auch fordern“

          Der Psychologe Guy Bodenmann forscht zu Stress und psychischen Störungen in ­Partnerschaften. Im Interview erklärt er, wieso von einer Depression immer auch der Partner betroffen ist und wie man schwierige Phasen ­gemeinsam durchsteht.