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Ein Paar genießt den Blick vom Preikestolen in Norwegen (Symbolbild). Bild: Picture-Alliance

Beziehungskolumne : Was heißt Liebe auf Norwegisch?

  • -Aktualisiert am

Der Freund unserer Autorin ist Norweger, sie sprechen miteinander Englisch. Und stellen fest: Gar nicht so leicht, in einer fremden Sprache zu streiten, zu lachen, zusammen zu sein. Die Beziehungskolumne „Ich. Du. Er. Sie. Es.“

          4 Min.

          Lange hatte ich nur wenig Bezug zu Norwegen. Klar, ich hatte immer mal wieder gelesen, wie schön die norwegische Landschaft mit ihren Fjorden und Bergen sein soll. Und jeden Winter wieder die norwegische Überlegenheit im Langlauf von der Couch aus mitverfolgt. Sonst aber hatte ich mir zu dem Land keine großartigen Gedanken gemacht. Nicht mal, wenn im Radio „Take On Me“ lief. Das alles änderte sich schlagartig, als ich meinen jetzigen Freund kennenlernte – und damit auch Norwegen.

          Kennengelernt hatten wir uns am anderen Ende der Welt, in meinem Auslandssemester in Sydney. Er Norweger, ich Deutsche. Er spricht am liebsten Norwegisch, ich Deutsch, miteinander sprechen wir Englisch. Eigentlich kein Problem, dachten wir: Wir hatten beide mehrere Jahre in englischsprachigen Ländern gelebt und studiert, wir waren mit der Sprache mehr als vertraut. 

          Wir quatschen über alles: unsere liebste australische Band (Gang of Youths), über norwegische und deutsche Eigenheiten. Für ihn ist es immer noch völlig unverständlich, weshalb sich Deutsche einfach nicht vom Bargeld trennen wollen. „Why do you love cash so much?“ Nicht, dass ich ihm da nicht beipflichten würde. Ich dagegen verstehe bis heute nicht, wie man die Natur wirklich SO sehr lieben kann, dass man es tatsächlich genießt, bei Wind und Wetter draußen zu schlafen. Getreu dem norwegischen Konzept „friluftsliv“ (Freiluftleben).

          Wir träumen nicht auf Englisch

          Doch wir träumen eben doch selten auf Englisch und können manche Dinge in unserer Muttersprache nun mal doch anders ausdrücken. Wir stellten schnell fest: Eine Beziehung auf insgesamt drei Sprachen zu führen ist gar nicht so leicht. So bekamen Dinge, über die ich mir in meinen vergangenen Beziehungen nie Gedanken machen musste, auf einmal eine ganz andere Bedeutung. Denn in unseren immer länger werdenden Gesprächen stieß mein – so dachte ich zumindest – doch recht breiter englischer Wortschatz immer mehr an seine Grenzen.

          So frage ich mich zum Beispiel, ob mein Freund überhaupt immer versteht, was ich meine. Ich erwische mich immer noch dabei, dass ich, bevor ich eine Nachricht endgültig abschicke, noch einmal bei den gängigen Übersetzungsseiten nachschaue, ob das Wort auf Englisch auch wirklich so geschrieben wird. Und als ich neulich einen Artikel über die passende Gebärde für Annalena Baerbock geschrieben habe, und versuchte, ihm das Thema zu erklären, kam nur ein „not sure if I understand what that means“ zurück. Großartig. Und das, obwohl ich die mir fehlenden Vokabeln extra noch nachgeschaut hatte. Also noch einmal von vorne. Als nach zwei weiteren, ziemlich rudimentären Erklärungsversuchen endlich ein „I guess, it makes sense now“ zurückkam, war mein Ego zwar schon etwas angeknackst, ich aber auch einfach nur froh, dass das Thema vom Tisch war. 

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