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Beziehungskolumne : Das Ende der echten Verabredungen

Bevor das Date überhaupt zustande kommt, schreiben viele Menschen in Dating-Apps erst mal hin und her. Bild: Picture-Alliance

Nie war es leichter, mit anderen zu chatten und zu schreiben – doch ein echtes Date kommt so oft gar nicht erst zustande. Das sind verpasste Chancen, findet unsere Autorin in der Beziehungskolumne „Ich. Du. Er. Sie. Es.“

          3 Min.

          Ich schaue auf mein Handy und habe drei Nachrichten von drei Männern, die bedeutungsloser nicht sein könnten. Einer schreibt: „Na, was machst du gerade so?“, der Zweite das Gleiche, nur ohne das „Na“, und der Dritte fragt: „Hey, wie war dein Tag?“ Ich bezweifle, dass sich überhaupt einer der drei wirklich dafür interessiert, was ich gerade mache oder wie mein Tag war. Ich nehme ihnen das nicht übel, schließlich interessiert mich genauso wenig, was sie „gerade so machen“.  

          Alexandra Dehe
          Redakteurin der digitalen Ausgabe der F.A.Z.

          Smalltalk ist langweilig genug, aber am langweiligsten ist er, wenn man das Gegenüber noch gar nicht richtig kennt. Je mehr und je häufiger man mit fremden Menschen schreibt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es nicht zu einem echten Treffen kommt – weil mindestens einer von beiden schon vorher das Interesse verloren hat. 

          Dieses Muster erlebe ich andauernd, seit ich Single und offen für neue Bekanntschaften bin. Ich lerne jemanden online oder offline kennen, tausche Nummern und manchmal das Instagram-Profil mit ihm aus, dann schreiben wir ein paarmal Belanglosigkeiten hin und her – und das Ganze verläuft im Sande. Ohne dass wir uns je getroffen hätten. Ein paar Nachrichten hier, ein paar Likes da und vielleicht noch eine Reaktion auf die Instagram-Story – das war’s. 

          Andere Single-Freundinnen erzählen mir Ähnliches. Jede hat mit mehren Männern immer mal wieder Kontakt, aber „echte Dates“ sind eher selten. Gründe dafür gibt es verschiedene: Mal kann einer von beiden (oder beide) einfach nicht die Motivation dafür aufbringen, weil es gerade stressig im Job ist oder das Interesse dann doch nicht so groß, mal ist die Auswahl an potentiellen Dates so reichhaltig, dass man sich am Ende für keines entscheidet.  

          Der Überraschungsmoment geht verloren

          Doch ich glaube, es steckt noch etwas anderes dahinter: Angst. Viele Singles sind befangen. Für mich ist ein erstes Date oft nicht mehr als ein Treffen mit Freunden, über das ich mir vorab keine großartigen Gedanken mache. Viele andere aber wollen schon im Voraus alles Wichtige abklären.

          Häufig fragen Männer mich darum schon vor dem Date: „Was suchst du eigentlich?“ – was ich ziemlich unglücklich finde. Im Grunde ist doch jede eindeutige Antwort darauf unpassend. „Ich suche eine Beziehung“ – da kann ich das Date gleich vergessen. Das wirkt so, als könne man nicht alleine sein und sei emotional bedürftig. „Ich suche Sex“ ist auch nicht unbedingt besser – das kommt schnell oberflächlich und respektlos rüber.

          Auch durch diese Fragerei kommt es oft gar nicht erst zu einem Treffen, und wenn doch, geht die Leichtigkeit dabei verloren. Und: jegliche Chance, sich überraschen zu lassen. Sich mit jemandem zu treffen und schon vorher zu vereinbaren, dass es nur um Sex oder nur um Liebe gehen soll, ist wie ein Geschenk auszupacken, dessen Inhalt man schon kennt. Man mag trotzdem Freude damit haben – aber es ist vorhersehbar. Und erste Dates leben von Spontaneität.

          Wir verpassen immer wieder Chancen

          Und manchmal kennt man sich schon, hat sich vielleicht sogar getroffen und schreibt danach noch über Wochen oder sogar Monate gelegentlich weiter – ohne ein konkretes, weiteres Treffen zu vereinbaren. Und das nur, weil man sich nicht sicher ist, was man vom anderen will oder nicht will. Dabei muss man das gar nicht wissen – ohne ein richtiges Treffen wird man es aber auch nie herausfinden können.

          Vor einer Weile hatte ich beispielsweise mit einem Mann zwei Dates. Danach schrieb er mir, dass wir uns gerne wiedersehen könnten, doch ein weiteres Date kam einfach nicht zustande. Jedes Mal, wenn er mich gefragt hat, ob ich Zeit hätte, war ich schon verplant. Als ich ein Treffen für die nächste Woche vereinbaren wollte, hat es von seiner Seite nicht geklappt. Dazwischen lagen bestimmt zehn „Na, wie geht's?“ und „Was machst du heute noch?“ Nachrichten, die uns einander auch nicht nähergebracht haben. Wochenlang ging es mit der Schreiberei hin und her – bis der Kontakt schließlich eingeschlafen ist. Hätten wir uns doch einfach direkt wieder verabredet, ohne so viel Zeit verstreichen zu lassen.

          Indem wir Menschen, bei denen wir uns nicht sicher sind, nicht daten, verpassen wir immer wieder Chancen – sowohl auf ein unverbindliches Abenteuer als auch auf die große Liebe. Denn auf Distanz kann man niemanden richtig kennenlernen, und der erste Eindruck trügt schnell. 

          Was bleibt, sind traurige Konjunktive

          Was übrig bleibt, sind eine ganze Reihe von Telefonnummern, die wir niemals anrufen und die irgendwo zwischen archivierten Chats und der Funktion „Kontakt löschen“ verloren gehen. Traurige Konjunktive wie: „Beinahe hätten wir uns mal getroffen“ oder „Vielleicht wäre zwischen uns beiden doch noch was gelaufen“ oder „Vielleicht hätten wir uns sogar ineinander verlieben können“. Hätte, wäre, könnte – aber keine Liebe. 

          Darum plädiere ich für einen radikalen Umschwung in der Kommunikation. Schluss mit belanglosen „Guten Morgens“, „Gute Nachts“ oder „Was machst du gerade so's?“! Keine Nachrichten mehr mit Leuten austauschen, die man noch nie gesehen hat! Statt vagen Floskeln möchte ich deutlicher werden – und direkt Datum, Uhrzeit und Ort für ein Treffen vereinbaren. Ohne bis dahin weiter miteinander zu chatten. Das spart Zeit, Energie und macht Lust – auf ein Treffen jenseits der „Na, wie geht's?“-Welt.

          Dann trifft man sich, geht Picknicken oder Apfelwein trinken, spielt Minigolf, macht eine gemeinsame Fahrradtour oder schaut sich eine Ausstellung an – und hat einfach Spaß miteinander, ohne dass das gleich etwas zu bedeuten hat und ohne zu wissen, ob und wann man sich näherkommt oder nicht. Es geht nämlich gar nicht darum, was „wir suchen“, sondern was wir im anderen finden. Vielleicht will man sich gerade nicht fest binden – und verliebt sich doch Hals über Kopf. Vielleicht wünscht man sich zwar eine feste Partnerschaft – merkt aber schon beim ersten Date, dass man den anderen doch viel lieber direkt mit zu sich nach Hause nehmen würde. Der Zauber liegt am Ende doch in der Ungewissheit. 

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